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Umland Zu Besuch im Künstlerschloss Röhrsdorf
Region Umland Zu Besuch im Künstlerschloss Röhrsdorf
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09:48 25.01.2019
Musikerin Sarah Brendel in den Castle Studios Röhrsdorf. Quelle: Anja Schneider
Röhrsdorf (Dohna)

Zwischen den Feldern und Obstbaumplantagen ist die graue Dachlaterne des Schlossturms schon von Weitem auszumachen. Die dunklen Kastanien vor dem Haupteingang schwanken im eisigen Wind, in der Schlosskneipe brennt warmes Licht. Die Gäste haben es sich auf den Holzstühlen gemütlich gemacht, manche sitzen auf der Ledersofa oder am langen Bartresen. Kinder vor der Bühne im Schneidersitz, auf dem Parkettboden. Erwarten mit leuchtenden Augen den ersten Ton.

Sarah Brendel tritt aus einem Nebenzimmer vor die Zuschauer. Die Musiker nehmen die Instrumente in die Hand. Cello, Geige, Banjo, Gitarre. Dann beginnt das Quartett, und Sarah singt. Über Gott, über Politik, über Liebe und Heimat.

Ein Schloss – von Künstlern, für Künstler

Das Jahresabschlusskonzert im Schloss Röhrsdorf in Dohna ist immer wieder ein besonderes Heimspiel für Sarah Brendel. Mit ihrem Mann Stevie, ihren beiden Kindern und einer christlichen Künstlergemeinschaft bewohnt die Sängerin das alte Landschlösschen. Zehn Erwachsene und acht Kinder haben das historische Bauwerk als Ort des gemeinsamen Wohnens und der kreativen Arbeit liebgewonnen. Musiker, Produzenten, Grafikdesigner, Fotografen, Landschaftsgärtner – die Bewohner gehen den vielfältigsten kreativen Berufen und Berufungen nach. Die fünf Familien betreiben ein Tonstudio und ein Bandhotel, veranstalten kleine Festivals und Konzerte mit Wohnzimmer-Flair. Und das alles unter einem Dach.

Gut 15 Kilometer trennen das ehemalige Rittergut Röhrsdorf vom pulsierenden Stadtkern Dresdens. Nah genug, um mit der lokalen Künstlerszene verwoben zu bleiben, fern genug, um der Hektik zu entfliehen und Inspiration aus der pittoresken Umgebung zu schöpfen. Die einmalige Lage war Anlass für die befreundeten Künstler, sich hier niederzulassen, erzählt Sarah, während sie durch die langen Gänge des im 14. Jahrhundert erstmals erwähnten Schlosses führt.

Das heutige Künstlerschloss Röhrsdorf wurde im 14. Jahrhundert erstmals in Aufzeichnungen erwähnt. Quelle: Anja Schneider

Das Tonstudio im Seitentrakt wird vom Produzenten Arno Jordan geleitet, der ebenfalls in den Schlossgemächern wohnt. Musiker können in seine 600 Quadratmeter große Welt eintauchen, bestehend aus zwei Tonstudios mit vier Aufnahmeräumen und einen Kontrollraum. Arno ist begeisterter Jäger und Sammler – die „Castle Studios“ sind daher ein Paradies für hoffnungslose Nostalgiker: So mancher Schatzsucher wird im bunten Sammelsurium aus DDR-Mikrofonen, alten Röhrenverstärkern und Tonbandmaschinen fündig. Und obwohl auch digital aufgenommen werden kann, verleitet das Vintage-Technikequipment den einen oder anderen dazu, Tonspuren analog aufzuzeichnen.

„Bands und Solokünstler können ihre Songs in den ’Castle Studios’ aufnehmen und in dieser Zeit in unserem Bandhotel wohnen“, erklärt Sarah. Gemeint sind sieben individuell gestaltete Themenzimmer und ein großes Band-Apartment. Die alten Pferdeställe hat die Kommune zu modernen, lichtdurchfluteten Künstlerlofts umgebaut. Sie bieten Kunstschaffenden die Möglichkeit, auch mehrere Monate in Dohna zu verweilen, um an einem Album zu feilen oder eine Konzerttour vorzubereiten. Das Schloss beherbergt neben den Apartments auch eine Mietküche, einen dreigeteilten Saal mit Konzertflügel, Proberäumen und einer Bibliothek, damit sich Gäste und Gastgeber rundum wohl fühlen.

Die alten Pferdeställe hat die Kommune zu modernen, lichtdurchfluteten Künstlerlofts umgebaut. Quelle: Anja Schneider

Von der Idee zum ausgefeilten Konzept

Mit seinem außergewöhnlichen Konzept lockt das Schloss Röhrsdorf arrivierte Musiker aus ganz Europa, Arabien und Nordamerika ins Örtchen Dohna. Die amerikanische Produzentin Sylvia Massy, die schon mit Johnny Cash, Prince und den Red Hot Chili Peppers zusammengearbeitet hat, besucht das Schloss regelmäßig. In den „Castle Studios“ haben die schwedische Metal-Band Avatar, das Künstlerkollektiv We Invented Paris aus Basel oder auch die Dresdner Musikgruppe Woods of Birnam um Schauspieler Christian Friedel mehrere Songs aufgenommen. „Viele Künstler kommen wieder“, sagt Sängerin Sarah, „und viele werden unsere Freunde.“

Dabei hat alles ganz klein angefangen, mit einer initialen Idee. Vor über zehn Jahren haben sich die Familien Brendel und Jordan in der Dresdner Neustadt kennengelernt. Nach einem Konzert steckten die Musiker die Köpfe zusammen – und waren sich schließlich einig: Man müsste einen Ort schaffen, an dem Kunstschaffende aller Art zusammenkommen. „Ein Ort in einer inspirierenden Umgebung, um gemeinsam kreativ zu sein, zu komponieren, Musik aufzunehmen und anderen Künstlern zu begegnen“, erinnert sich Sarah.

Viele Künstler und Bands besuchen die „Castle Studios“ Röhrsdorf mehrmals. Auch die Dresdner Band Woods of Birnam hat hier schon aufgenommen. Quelle: Schloss Röhrsdorf

Aus der Idee wurde allmählich ein ausgefeiltes Konzept. Die Familien schauten sich nach passenden Objekten um und stießen schließlich auf das alte Schloss in Dohna, das längere Zeit leer stand und verkam, nachdem 2001 das Drei-Sterne-Schlosshotel pleite ging. Zu dieser Zeit lernte Arno Jordan in Amerika den kanadischen Geschäftsmann David Krysko kennen, der den gleichen Traum von einer Künstlergemeinschaft verfolgte und das Vorhaben unterstützte. Im Jahr 2008 erwarb Krysko das Gemäuer und ließ es grundhaft sanieren.

Als Sarah Ende 2008 den Schritt wagte und ins Schloss Röhrsdorf einzog, war sie schwanger. „Mit dieser Situation war ich zugegebenermaßen etwas überfordert“, erinnert sie sich schmunzelnd. „Doch ich wusste: Hier beginnt ein neues Abenteuer.“ Im alten Herrschaftshaus mit den geheimen Gängen und den unterirdischen Katakomben. „Hier können unsere Kinder spielen und laut lachen. Hier sind wir frei.“

Mittlerweile steht das Künstlerschloss weitgehend auf eigenen Beinen, kann sich durch Mietzahlungen, das Tonstudio und das Bandhotel selbst finanzieren. Nur wenn eine Sanierung oder ein ähnliches Großprojekt ansteht, hilft der nordamerikanische Förderer aus. Bald könnte es wieder soweit sein: „Zeitweise wird es im Bandhotel rappelvoll. Aber wir würden gerne noch mehr Gäste aufnehmen“, erklärt Sarah. Die Kommunität möchte deswegen das leerstehende Gartenhaus auf dem Areal des Ritterguts sanieren und dort Apartments einrichten.

Ein geräumiger Probe- und Lagerraum unterm Schlossdach. Mittlerweile steht das Künstlerschloss weitgehend auf eigenen Beinen. Quelle: Anja Schneider

Oberste Priorität: Zusammenhalt

Der christliche Glaube spielt eine bedeutende Rolle in der Kommune, die mit der katholischen und evangelischen Gemeinde eng verbunden ist. „Die Liebe, die Familie und der Glaube an Gott dienen uns als Kraftquelle“, sagt Sarah. Regelmäßig finden Gottesdienste im Schloss statt, die Künstler besuchen auch Gottesdienste außerhalb ihres Wohnsitzes in Dohna. Weihnachten feierten die Familien mit dem kanadischen Inhaber zusammen auf Schloss Röhrsdorf. Der Glaube schweißt zusammen – und nichts ist wichtiger als Zusammenhalt in der Kommune. Mit dem Gemeinschaftsgeist steht und fällt die Idee des Künstlerschlosses.

Regelmäßig setzen sich die Schlossbewohner allesamt an einen Tisch, mal zum Kaffeetrinken, mal zum Arbeiten. Wenn etwa eine Band für ein Konzert engagiert wird, wie ein bis zwei Mal im Monat der Fall, ist die gesamte Community gefragt. Wer kümmert sich um die Organisation, wer schmeißt die Bar, wer bäckt einen Kuchen für die Musiker? „In solchen Situationen ist es wirklich wichtig, dass wir als Einheit auftreten“, erklärt Sarah. „Sonst ist all das nicht zu schaffen.“

Ob nun Klassik, Folk, Pop, Blues oder Indie – die Konzerte in der Schlosskneipe oder auf der überdachten Freilichtbühne im Schlosspark haben immer etwas Familiäres. Nach dem Jahresabschlusskonzert brennt das Licht in der Kneipe noch Stunden. Arno räumt hinterm Holztresen auf, während sich die vier Musiker lebhaft mit den Zuschauern unterhalten. Über Gott, über Politik, über die Liebe. Und über das Schloss – Sarahs Home-Office, Rückzugsort und Heimat. „Hier wohnen zu dürfen ist für uns alle ein großes Privileg“, meint sie. Zu herzlich ist die Gemeinschaft allerdings, zu philanthropisch ihr Wesen, um Gleichgesinnten dieses Privileg vorzuenthalten. Sarah streicht eine blonde Strähne aus dem Gesicht, lächelt. „Das Haus wurde uns gegeben, um es zu teilen.“

Die Konzerte in der Schlosskneipe haben immer etwas Familiäres. Quelle: Schloss Röhrsdorf

Nächstes Konzert im Schloss Röhrsdorf: 30. Januar, 19 Uhr, Zachari Smith und Joshua Hyslop

Weblink: www.castle-rohrsdorf.com

Von Junes Semmoudi

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