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Umland Zoff um künftige Nutzung des Bahnhofs in Radebeul-West
Region Umland Zoff um künftige Nutzung des Bahnhofs in Radebeul-West
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17:11 03.02.2019
Die Stadt Radebeul möchte in Besitz des leerstehenden Bahnhofs in Radebeul-West kommen. Über die Nutzung nach einer Sanierung gibt es Meinungsverschiedenheiten. Quelle: Foto: Silvio Kuhnert
Radebeul

Die Diskussion um den Bahnhof in Radebeul-West geht nach der Mehrheitsentscheidung des Stadtrates vor rund einer Woche weiter. In einem Brief spricht Stadtrat Heinz-Jürgen Thiessen (Bürgerforum/Grüne), die fünf Händler von der Bahnhofstraße an, die der Sitzung beiwohnten und an das Stadtparlament appellierten, die Verwaltung mit dem Kauf des Bahnhofgebäudes zu beauftragen. Wenn der Erwerb gelingt, soll nach der Sanierung die Stadtbibliothek West in den Backsteinbau einziehen. Die Hoffnung ist, dass als Besuchermagnet der Bahnhof zu einer Belebung des Zentrums von Kötzschenbroda beiträgt.

Thiessen war einer von vier Stadträten bei fünf Enthaltungen, der gegen den Erwerb des Klinkerbaus und einer Nutzung durch die Bücherei votierte. In dem Schreiben, das den DNN vorliegt, hat er noch einmal seine Bedenken zu Papier gebracht: „Für mich stellt sich die Frage, ob die geplante Vermietung des Bahnhofs West an die Radebeuler Bibliothek uns Händlern auch in Zukunft so viel Publikumsverkehr bescheren wird, dass wir mit stabilen Umsätzen rechnen können?“ Thiessen hat Zweifel, die er in zwei weiteren rhetorischen Fragen zum Ausdruck bringt. So fragt er seine Händlerkollegen: „Wie viele Menschen kennen Sie, die im digitalen Zeitalter tatsächlich noch Bücher und DVDs in der Radebeuler Bibliothek ausleihen? Und wie viele werden es in einigen Jahren noch sein?“

Thiessen, der am Dorfanger Altkötzschenbroda das Geschäft „Rennbahn Club & Event“ betreibt, verweist darauf, dass er dort vom Publikumsverkehr in Kneipen und Restaurants profitiere und 80 Prozent seines Umsatzes mit Nicht-Radebeulern mache, also Touristen und Ausflüglern die den Flair des Angers erleben wollen. Er schlägt daher vor, dass Vermietungskonzept des Bahnhofes noch einmal zu überdenken. Seiner Meinung nach kann zur Belebung der Bahnhofstraße unter anderem ein neuer Mix aus Geschäften und Cafés, die Kunden zum Verweilen animieren, sowie die Eröffnung einer Touristeninformation und gemeinsame Marketingaktivitäten der Händler in Kötzschenbroda von Dorfanger bis zur Meißner Straße beitragen. Mit dem Eigentümer des Bahnhofes sollte die Stadt in Gespräche treten, um zu klären, woran es liegt, dass dieser sein Konzept mit einem Biomarkt als Mieter noch nicht realisieren konnte.

Thiessens Äußerungen zur Stadtbibliothek bringen CDU-Stadtratsfraktionschef Ulrich Reusch in Rage. Als „arrogant“ und „kulturlos“ geißelt er diese in einer E-Mail an die Händler. „In der Konsequenz seiner Argumentation müssten oder gar sollten die Bibliotheken der Stadt geschlossen werden, weil ihnen die Relevanz und die Zukunftsperspektive fehlt“, schreibt Reusch.

Der Christdemokrat erinnert daran, dass die Stadt vor fünf Jahren schon einmal den Versuch unternahm, dass Bahnhofsgebäude zu kaufen. Der Erwerb sei damals jedoch „durch destruktiven Druck und Stimmungsmache von SPD und Grünen verhindert“ worden, so Reusch.

Er verweist in der E-Mail darauf, dass der aktuelle Eigentümer des Bahnhofes – von einem Investor möchte er nicht sprechen – jahrelang Zeit hatte, das Gebäude zu entwickeln. Er habe aber nichts unternommen. „Das Gebäude verfällt zusehends“, so Reusch. Er bringt sein Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass die Stadtratsfraktion Bürgerforum/Grüne „dennoch die Vorstellung einer gewerblichen Nutzung kultivieren und sich so dezidiert gegen eine kulturelle Nutzung aussprechen.“ Der Erfolg des Sanierungsgebietes Radebeul-Ost habe gezeigt, dass „ein städtisch bestimmter Anker“ – womit der Kulturbahnhof, der unter anderem die Stadtbibliothek Ost beherbergt, gemeint ist – „verlässlich, ja unerlässlich ist und die Kontinuität garantiert, die einen Anker erst zu einem festen Halt macht.“ Die CDU-Fraktion setze sich gemeinsam mit anderen Fraktionen im Stadtrat und dem OB dafür ein, dass das Sanierungsgebiet gelingt. Und das sei ohne dem Bahnhof als Ankerzentrum schwerlich möglich. „Wir lassen uns von derartigen Störfeuern nicht beirren“, betont Reusch im Hinblick auf Thiessens Brief.

Von Silvio Kuhnert

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