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Umland Wo in Radeberg der Galgen stand
Region Umland Wo in Radeberg der Galgen stand
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19:06 05.09.2019
Aufstellung der Schützen 1933 auf dem Marktplatz Radeberg vor dem König-Albert-Denkmal. Quelle: „Radeberger Blätter Heft 17“
Radeberg

Ein altes deutsches Sprichwort lautet: „Ich bin über die Erde erhaben, sagte der Dieb, da hing er am Galgen.“ Ja, so war das früher – wer sich unbotmäßig verhielt, konnte schon mal am Galgen enden, wobei es um das Rechtssystem derart bestellt war, dass schon früher oft Anlass zur Klage bestand, gern auch verbrämt mit der galligen, Galgenhumor bezeugenden Sentenz: „Ein kleiner Dieb an Galgen muss, von großen nimmt man Pfennigsbuß.“

Auch Radeberg hatte einst eine Hinrichtungsstätte samt Galgen, jedenfalls wenn man annimmt, dass der Galgen, wie er auf einem detaillierten und wohl ältesten Stadtplan Radebergs von 1665 keine Erfindung des kursächsischen Landvermessers Samuel von Nienborg ist, bloß um eine freie Fläche zu füllen. Dieses ein Halsgericht bildende Gerüst stand vor den Toren der Stadt auf einem Berg, der entsprechend Galgenberg genannt wurde, heute aber Brauereiberg tituliert wird.

Kein „gewöhnlicher“ Galgen, sondern ein „dreischläfriger“

Und wie Klaus Schönfuß in seiner in der neuesten Ausgabe der „Radeberger Blätter“ abgedruckten Darstellung zu „Gerichtsbeitrag und Strafvollzug in und um Radeberg“ wissen lässt, war es kein „gewöhnlicher“ Galgen, sondern ein „dreischläfriger“ Galgen, den man hier aufgestellt hatte – mit drei Säulen und drei Querbalken, so dass auch mehrere Verurteilte bequem aufgeknüpft und aus Gründen der Warnung zur Schau gestellt werden konnten. Dass Radeberg einen Richtplatz aufwies, bezeugt, wie der Autor vermittelt, dass es in Radeberg die Hohe Gerichtsbarkeit gab (auch Blut- oder Halsgerichsbarkeit genannt), denn nur diese durfte Todesurteile verhängen.

Aber das war wohl lange Sache des die Macht im Amt Radeberg ausübenden Landesherrn. Die Stadt selbst hatte bis 1534 nur die Niedere Gerichtsbarkeit inne, erst in jenem Jahr ist ihr von Herzog Georg von Sachsen dann auch das „peinliche Obergericht mit aller Gerechtigkeit“ ausgestellt worden. Ein zweites Mal ist am 1. Mai 1620 dem „... Rath vom Churfürst Johann George I. die Ober und Erbgerichte concedirt“ (zugestanden) worden, wofür die Stadt 1500 Meißner Gulden zuzüglich jährlichem Jahreszins zu bezahlen hatte. Wer nun stutzig wird, hat recht. Wie Schönfuß anmerkt, scheint es so, dass der Stadt zwischenzeitlich die Obergerichtsbarkeit entzogen wurde und diese dann 1620 teuer zurückgekauft werden musste.

Bischof Bruno II. war nicht nur ein Mann des Friedens

Mit Heft 17 der „Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte“ hat die Arbeitsgruppe Stadtgeschichte einmal mehr ein lesenswertes Heft kreiert, einmal mehr werden – und zwar explizit vor dem Hintergrund des 800-jährigen Jubiläums der Ersterwähnung der Stadt – diverse stadtgeschichtliche Themen in den Blick genommen. Der Reigen wird eröffnet von einem kurzen Abriss zur Herausbildung des Radeberger Landes, dem dann eine Würdigung der Chronisten Johann Christian Schöttgen und Ludwig August Schultes folgt.

Der langjährige DNN-Redakteur Bernd Lichtenberger hat mehrere Aufsätze verfasst. Für einen hat er sich im Mügelner Ortsteil Schwechta umgesehen, was in Nordwestsachsen liegt – dort nämlich stiftete der adlige Alberich mit Einwilligung seiner Gemahlin Sclavena und seines Sohnes Barislav eine Capelle zu Sweta“, was auf einer Urkunde u. a. durch einen Mann namens Werner von Radeberg, einem Geistlichen im Gefolge des Meißner Bischofs Brunos II. von Borstendorf, bezeugt wurde.

Die Radeberger Stadtkirche vor dem Umbau des Kirchturms mit noch vollständiger Friedhofsmauer. Aufnahme von Friedrich August Hacker. Quelle: „Radeberger Blätter Heft 17“

Was sonst so zu den Herren von Radeberg zu sagen ist, wird von Lothar Simon in einem recht interessanten Aufsatz vermittelt. Lichtenberger wiederum informiert darüber, wer Bischof Bruno II. war. Ein Mann des Friedens war diese Kirchenfürst per se nicht. In der Literatur heißt es, er habe auch vor illegalen Mitteln nicht zurückgeschreckt, um die bischöfliche Macht auszubauen. So stritt er sich mit dem böhmischen König um die Oberlausitz. Ein anderer „Mann Gottes“, der gewürdigt wird – und zwar von Klaus Schönfuß – ist Joachim Reinelt, der zwischen 1988 und 2012 Bischof des Bistums Dresden-Meißen war und eine wichtige Rolle insbesondere während der Friedlichen Revolution von 1989 spielte.

„Geschichte in Bildern“ zum Kurbad Augustusbad

Auch Schloss Radeberg, immerhin Keimzelle für die Besiedelung der Stadt, steht wiederholt im Fokus. Mal geht es um die Wallanlagen auf dem Schlossberg, mal sind einzelne Punkte der von Lichtenberger verfassten „Kleinen Chronik einer alten Stadt“ von Interesse, etwa wenn festgehalten wird, dass am 11. Februar 1372 die Markgrafen Friedrich, Balthasar und Wilhelm den „edlen Herren Wend und Hans, Herren zu Wittin auf Pulsnitz, das Haus und Schloss Radeberg für 500 Schock Freiberger Groschen“ verkauften, sich dabei aber noch Heide und Wildfuhren sowie das Öffnungsrecht fürs Schloss vorbehielten. Nicht alles ließ sich klären. So steht in einer Urkunde vom 19. Juni 1378, dass Siegfried von Schönfeld der Große den „Salzzoll zu Radebg“ erhielt – aufgrund der Abkürzung ist aber offen, ob nun Radeberg oder Radeburg gemeint ist.

Andere interessante Aufsätze sind der Maschinenfabrik und Eisengießerei Richter & Weise oder etwa der Privilegierten Bürgerschützen-Gesellschaft Radeberg gewidmet. Thema ist auch die frühe gewerbliche Fotografie in Radeberg, ausgeübt etwa von Männern wie Friedrich August Hacker, Leopold Dürr oder auch Otto Richter, von dem mehrere Stadtansichten gefunden wurden.

Glanzstück des Augustusbades

Eine regelrechte „Geschichte in Bildern“ ist der Versuch von Reinhard Kaphengst, den Verlust des ehemaligen ältesten sächsischen Kurbades Augustusbad mit einer 300-jährigen Geschichte „nicht ganz vergessen zu machen“. Im Fokus steht dabei u.a. das Palais, das Kammerherr Friedrich von Schönburg 1980 auf der Nordhöhe des Augustusbades nach Plänen des Dresdner Hofbaumeisters Gottlob Friedrich Thormeyer errichten ließ. Das Palais mit seinem Kurgarten war – das bezeugen die Fotos überdeutlich – in der Tat das Glanzstück des Augustusbades und kommunikativer Mittelpunkt für Badegäste und Besucher, gleichwohl aber ist das Gebäude heute weitgehend verfallen.

Die siebzehnte, 160 Seiten umfassende Ausgabe der Radeberger Blätter, die auch einen Jahresrückblick 2018 enthält, ist für 6 Euro erhältlich, u. a. im Schloss Klippenstein.

Von Christian Ruf

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