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Umland Winzer Walter Schuh leistet aktive Hilfe in Afrika
Region Umland Winzer Walter Schuh leistet aktive Hilfe in Afrika
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18:31 16.03.2018
Winzer Walter Schuh (l.) hat Pater Achilles die Bedürfnisse von Weinreben erklärt. Ob die Tafeltrauben im tropischen Klima gedeihen, muss sich aber noch zeigen  Quelle: Sammlung Walter Schuh
Coswig/Katwe Nkokonjeru

 Winzerurgestein Walter Schuh hat es in die Ferne gezogen. In Katwe Nkokonjeru in Uganda legte der 62-Jährige bei einem von ihm organisierten Hilfsprojekt nun mehrere Wochen in tropischer Hitze selbst Hand an. Ein schlammbraunes Wasserloch, das zuvor eher an eine Viehtränke als an eine Trinkwasserquelle erinnerte, hat Schuh gemeinsam mit einheimischen Helfern und unzähligen Freiwilligen aus der ländlichen Siedlung nahe dem Äquator zu einer sauberen Brunnenanlage gemacht. „Eine leistungsfähige und vollautomatische Pumpe liefert bei Bedarf zu jeder Zeit 5000 Liter Wasser aus einer Tiefe von 80 Metern“, berichtet er. Das alles habe letztendlich reibungsloser geklappt, als man das in Afrika hätte erwarten können. Ohne Vorbereitung und Kontaktleute vor Ort, wäre das alles jedoch nicht möglich gewesen, schätzt Walter Schuh ein.

Und so begann das Hilfsprojekt auch schon vor anderthalb Jahren. Kurz nach seinem vollständigen Ausstieg aus dem von ihm aufgebauten Weingut in Coswig-Sörnewitz im Sommer 2016 hat er mit Recherchen begonnen, kompetente Agenturen für Helfer im Ausland kontaktiert. Dabei stieß er auf Katwe Nkokonjeru in Uganda, wo sich das dörflich Leben um ein Gesundheitszentrum mit Grundschule und Kindergarten unter katholischer Leitung gruppiert. „Vieles entsteht dort gerade, von staatlichen Behörden anerkannt, das war mir wichtig“, betont Schuh. Jeder Cent soll den Menschen vor Ort helfen. Mit Josef Scali Kawulukusi und dem Pater Achilles hatte er zwei lokale Vertraute gefunden. Ein Jahr lang entstand über E-Mail ein Arbeits- und Businessplan, der jedes einzelne Vorhaben und jede Ausgabe detailliert dokumentiert. „Mich hat beeindruckt, dass Josef und der Pater auch mir schon vorab vertrauten und das Projekt vorantrieben, noch bevor ein einziger Euro dort angekommen war.“ So war das Bohrloch fertig, bevor sich Walter Schuh auf eigene Kosten auf die rund 24-stündige Flugreise machte.

Winzer Walter Schuh (l.) hat Pater Achilles die Bedürfnisse von Weinreben erklärt. Ob die Tafeltrauben im tropischen Klima gedeihen, muss sich aber noch zeigen Quelle: Sammlung Walter Schuh

Mit fachkundigen Handwerkern konnte Schuh so nach seiner Ankunft und kurzer Akklimatisierung recht schnell die zuvor schon bestellte Pumpe installieren, Wasserleitungen ziehen und ein Wasserreservoir aus Tanks aufbauen. 6000 Liter Brauchwasser und 2000 Liter Trinkwasser sind jetzt ständig verfügbar, gefiltert durch Gesteinsschichten in der Tiefe. Rund 2000 Menschen, so ganz genau wisse das niemand, profitierten von dem Brunnen, sagt er. Sie können dort kostenlos Wasser holen. „Wir haben uns bewusst für dieselbe Stelle entschieden, wo die Einheimischen mit ihren Erfahrungen schon seit Ewigkeiten Wasser gewinnen und nicht auf Verdacht irgendwo gebohrt“, betont der Helfer aus Sachsen. Geologen befürworteten dies. Nachhaltigkeit sei sowieso das Wichtigste am Projekt. Deshalb hat Schuh auch noch einen Obst- und Gemüsegarten an der Schule angelegt, einheimische Pflanzen gekauft und eine Tröpfchenbewässerung installiert. Die wohl exotischsten Pflanzen, die dort gedeihen, dürften aber Tafeltrauben aus dem fernen Sachsen sein. Schuh hatte einige Stecklinge im Gepäck, die inzwischen in Uganda auch schon gewurzelt und ausgetrieben haben. „Wir lassen uns überraschen, wie die Rebstöcke das tropische Klima ohne winterliche Vegetationspause verkraften“, räumt der langjährige Winzer ein. Trauben für die Schulkinder wären sein Traum.

Besonders stolz ist Walter Schuh darauf, dass auch noch Geld übrig war, um einigen Kindern aus bedürftigen Familien ein Jahr das Schulgeld und Schulkleidung sowie die Ausstattung für den Unterricht zu finanzieren. Insgesamt hat Walter Schuh nach eigenen Angaben 9.114 Euro in Afrika investiert. Exakt 3225 Euro stammten dabei von Spendern, überwiegend Freunden und ehemaligen Geschäftspartnern. Dabei hat er gar nicht aktiv Spenden eingeworben. Nach dem großen Zuspruch soll es weitergehen, kündigt Schuh nach seiner Rückkehr an. Sein Ziel ist es, jedes Jahr zehn Kindern den Schulunterricht zu ermöglichen. Und er will eine Sanitäranlage an der Schule und dem Gemeindezentrum errichten. Bisher handelt es sich um einen Gemeinschaftsabort, der aus nicht viel mehr als einem Loch im Boden, Mauern darum herum und einem Dach darüber besteht.

„Wir haben uns mit unserem Weingut seit Jahren für soziale Projekte rund um Meißen engagiert und das läuft auch weiter, aber ich wollte mich nach meinem Rückzug aus dem Betrieb ganz persönlich und privat engagieren“, begründet Walter Schuh seine Afrika-Hilfe. „Es geht aber gar nicht um mich, es geht um die Menschen in Uganda“, stellt er klar. Afrika als Kontinent und seine Kulturen hätten ihn schon seit seiner Kindheit fasziniert. Allerdings hatte er vor seinem Herzensprojekt noch nie eine Reise dahin geschafft.

Und was hat der gestandene Geschäftsmann in Afrika gelernt? Demut und Achtung vor den Menschen, die ihr Leben unter einfachsten Verhältnissen gut gelaunt meistern, sagt er. Peinlich berührt habe ihn die Dankbarkeit selbst für Kleinigkeiten. „Leider ist es nicht möglich, überall zu helfen, wo das nötig wäre“, so Schuh. Er habe aber zugleich die Bestätigung erhalten, dass auch in Uganda Durchsetzungsvermögen und mitunter klare Ansagen notwendig sind, um alle für ein Ziel zu begeistern und das dann umzusetzen. Damit kennt sich der frühere Unternehmer aus, immerhin hatte er seit 1990 in Sachsen ein florierendes Weingut trotz vieler Steine auf dem Weg aus dem Nichts aufgebaut. Der Familienbetrieb wird nun von seinen beiden Kindern Katharina und Matthias und seiner Frau Martina gemeinsam geführt. Walter Schuh zieht es unter dessen wieder ins Ausland. Er hat auf Mallorca angeheuert und bringt dort künftig seine Erfahrungen aus dem Weinbau in ein Unternehmen ein. Seine neuen Freunde in Afrika allerdings verliert er auch auf der Balearen-Insel nicht aus dem Blick, da ist er sich sicher.

Wer Walter Schuh bei seinen weiteren Vorhaben in Uganda unterstützen will, kann per E-Mail Kontakt aufnehmen: walter.schuh55@gmail.com. Sämtliche Spendengelder werden auf einem Treuhandkonto mit Unterstützung des Hilfswerks Lions Club Freital und der regionalen Volksbank gesammelt und projektbezogen ausgezahlt. Spendenquittungen werden ausgestellt. Alle Gelder fließen vollständig in die Vorhaben, es fallen keine Verwaltungs- oder Reisekosten an. Weitere Informationen: www.wasserfuerafrika.wordpress.com

Von Lars Müller

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