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Umland Wie in der Sächsischen Schweiz einst Sandstein abgebaut wurde
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18:21 05.02.2020
Steinbrucharbeiter nach dem Fällen einer Wand zwischen Rathen und Wehlen im Jahre 1894. Quelle: Archiv Fels
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Pirna

So mancher wird sich schon gefragt haben, wie der als Baustoff begehrte Sandstein aus dem Gebirge geholt wurde. Dieter Kutschke, Geologe und ausgewiesener Experte für Steinbrüche im Elbsandsteingebirge, hat nun auch dieses Kapitel gründlich erforscht und das vierte Heft seiner Steinbrecher-Serie „Lesesteine“ unter dem Titel „Die Wand wird gefällt“ veröffentlicht.

Gefährliche Abbaumethoden

Dazu hat er über mehrere Jahre die Akten und Originaldokumente verschiedener Archive und Firmen ausgewertet. Kutschke schreibt, dass mit der Veröffentlichung seiner Forschungen „…auch den vielen Steinbrechern, die bei dieser Arbeit verunglückten, ein kleines Denkmal gesetzt werden“ soll.

Eine alte Gewinnungsmethode in den Sandsteinbrüchen der Sächsischen Schweiz bestand im „Hohlmachen und Fällen“ von Sandsteinwänden. Dazu wurde eine Wand solange unterhöhlt bis sie, der eigenen Schwerkraft folgend, zu Boden fiel und meist auch in viele Teilstücke zerbarst. Da diese Methode seit mehr als 50 Jahren nicht mehr angewendet wird, ist es schwer, alle Aspekte und Besonderheiten dieser Technologie zu beschreiben.

Während der Abbau des Sandsteins wohl bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts hinein überwiegend durch das Eintreiben von Keilen erfolgte, fand Kutschke den ersten Hinweis auf das „Unterarbeiten“ in einer Instruktion für den Pirnaer Bergschreiber aus dem Jahr 1654. Da diese Abbaumethode mit allerlei Gefahren verbunden war, gab es in späterer Zeit eine Reihe von Aufsichtsbehörden und Anordnungen, die sich bis zu den heutigen Berufsgenossenschaften und deren Unfallverhütungsvorschriften fortsetzen. Kutschke hat die Arbeit der Steinbrecher, ihre Bedingungen und ihre Entlohnung genau dargestellt und durch eine Reihe von Fotos und Zeichnungen ergänzt.

1877 verschüttet eine Wand die Elbe

Die hohlgemachten Wandabschnitte wurden mit Steifen aus unterschiedlichen Materialien abgefangen. Auf die Steifen wurden Glas- oder Tonscherben gelegt, die ein Splittergeräusch erzeugten, wenn die Wand sich langsam setzte. Die Steinbrecher sagten dazu, dass „die Wand redet“. Wenn es soweit war, hieß es schnellstens Reißaus nehmen, was jedoch nicht immer gelang. So berichtet Kutschke auch über Unglücksfälle und misslungene Wandfällungen. Er führt dazu eine Reihe zeitgenössischer Darstellungen und Augenzeugenberichte an.

Spektakulär war zum Beispiel die Stromverschüttung der Elbe zwischen Wehlen und Rathen am 23. Juli 1877. Eine riesige Wand war nach Sprengung der Steifen niedergegangen und hat sich mehrfach überschlagend bis in die Elbe gewälzt. Zwei Drittel des Stromes waren verschüttet, sodass dort bis zum 1. August keine Schiffe mehr fahren konnten. Einige Bruchstücke der Wand waren sogar bis an das jenseitige Ufer gelangt.

Ein interessantes Kapitel in Kutschkes Heft befasst sich mit der Darstellung der schweren Arbeit der Steinbrecher in Lyrik, Prosa und Malerei. Allein der Maler Robert Sterl hat über 100 Motive zur Steinbrecherei hinterlassen und der Mundartschriftsteller Bruno Barthel kommt mit einem Bericht „Von den Steinbrechern im Elbsandsteingebirge“ zu Wort.

Das vierte Heft der „Lesesteine“ ist im Robert-Sterl-Haus zu Pötzscha, im Nationalparkzentrum Bad Schandau sowie in Pirna bei der Tourismusinformation und im Stadtmuseum zum Preis von 3,50 Euro erhältlich.

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