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Umland Wie geht es mit dem Bismarckturm in Radebeul weiter?
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22:55 08.11.2019
Vom 18 Meter hohen Bismarckturm öffnet sich der Blick ins Elbtal. Quelle: Uwe Hofmann
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Radebeul

Die Sicht ist nicht gut an diesem Mittwochnachmittag und trotzdem sind die Menschen auf der Turmspitze des Bismarckturms schon von Weitem zu erkennen. Die kräftigen Farben ihrer Funktionskleidung leuchtet bis an den Fuß der Spitzhaustreppe hinab, wo sich erstaunlich viele an den beschwerlichen Aufstieg machen.

Oben angekommen begrüßt Laury Baumann jeden Besucher, kassiert von jedem zwei Euro Eintritt für die Nutzung der Aussichtstreppe in der Bismarcksäule. Die junge Frau führt auch Strichliste – eine wichtige Aufgabe. Denn noch ist nicht klar, wie es nach der Ende des Monats beginnenden Winterpause im nächsten Frühjahr mit dem Bismarckturm weitergeht.

Noch kein Tag an dem keiner da war

Als vor zwei Monaten die frisch in den Bismarckturm eingebaute Treppe samt Aussichtsplattform eingeweiht wurde, bildete sich eine lange Schlange vor der 112 Jahre alten Steinsäule. Blickt man in Laury Baumanns Aufzeichnungen, hat sich das seither nicht groß geändert. Mehr als 200 Besucher seien es an Tagen mit einigermaßen guter Sicht, sagt sie. Um die 100 an schlechteren. Heute scheint ein guter Tag zu sein, es waren in den ersten 75 Minuten der Öffnung schon mehr als 100 Turmbesteiger da, obwohl die Sicht sehr diesig ist.

„Es hat auch noch keinen Tag gegeben, an dem keiner da war, auch nicht, als es regnerisch war“, sagt die Turmwächterin. Bis Ende des Monats sitzt sie immer mittwochs von 14 bis 17 Uhr und sonnabends von 10 bis 13 Uhr im Turmentree. Ihre Strichlisten gibt sie anschließend zur Auswertung ins Rathaus.

Verein hat 300 000 Euro Spenden gesammelt

Dort muss dann entschieden werden. Die Stadt ist Eigentümer des Turms, bezahlt derzeit Laury Baumanns Wächtertätigkeit als Minijob. „Wir werden uns das ansehen und uns mit dem Ortschaftsrat Wahnsdorf und dem Verein für Denkmalpflege und neues Bauen beraten“, sagt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos).

Der Verein hat großen Anteil daran, dass der Turm heute begehbar ist. Vor zehn Jahren begann er, über eine Nutzbarmachung der damals häufig von Vandalen heimgesuchten Steinsäule zu diskutieren. 300 000 Euro Spenden hat er eingesammelt, um die jetzt eingebaute Metalltreppe zu finanzieren. „Damit sind wir eigentlich fertig und die Stadt ist am Zug“, sagt der Vereinsvorsitzende Jens Baumann.

Um Turmöffnung und -wartung muss sich Stadt kümmern

Der Verein will in Zusammenarbeit mit Schulen noch eine kleine Ausstellung zum Turm und vor allem zur Entwicklung des Elbtals entwerfen, das man von seiner 18 Meter hohen Turmspitze so gut beobachten kann. Um Turmöffnung und -wartung müsse sich die Stadt als Eigentümer kümmern.

Wie, dazu hat Baumann klare Vorstellungen. „Immer wenn dort oben Besucher sind, müssen die auch den Turm besteigen können“, sagt er. Das bedeute zum Beispiel, dass an beiden Tagen des Wochenendes ganztägig zu öffnen sei, auch an Feiertagen. „Die jetzigen Öffnungszeiten sind uns viel zu wenig“, sagt Baumann. Der anhaltende Besucherstrom gebe ihm da Recht.

Mitunter katastrophale Verhältnisse

Das nimmt auch Baubürgermeister Müller zur Kenntnis. „Es ist ein gutes Projekt, finanziert von Bürgern, das jetzt angenommen wird“, sagt er. Dann kommt ein dickes Aber: Für allzu viele Besucher sei das Umfeld von Bismarckturm, Spitzhaustreppe und Spitzhaus nicht geeignet. Der Ortschaftsrat Wahnsdorf beklagt auch ohne Aussichtsturm schon lange mitunter katastrophale Verhältnisse mit einer hoffnungslos zugeparkten Spitzhausstraße und ungebetenen Besuchern beklagt, die mangels öffentlicher Toilette ihre Notdurft in Vorgärten verrichten. Damit die Verhältnisse nicht aus dem Ruder laufen, wurde die eingeschränkte Besuchszeit vereinbart. „Wir werden die Ergebnisse auswerten und dann das Weitere entscheiden“, sagt Müller.

Es geht dabei vor allem um die Zeit, bis die Stadt geordnete Verhältnisse geschaffen hat. Pläne für eine Buswendeschleife mit Parkplatz und öffentlicher Toilette sowie eine Freiflächengestaltung rings um den Bismarckturm wird schon länger diskutiert. Profitieren soll davon auch und vor allem das Spitzhaus. Allerdings ist erst im nächsten Jahr mit einem Bebauungsplan zu rechnen, die Finanzierung eventuell über Tourismusfördermittel könnte anschließend geklärt werden. Bis gebaut werden kann, vergehen also noch einige Jahre. Die Treppe im Bismarckturm sei fertig, so lange könne man mit einer attraktiven Öffnungsregelung nicht warten, sagt Baumann.

Meisten Turmbesteiger sind Wanderer oder Spitzhausbesucher

Er erwartet ohnehin keine Verschärfung der Lage durch Bismarckturm-Besucher. „Es kommt doch keiner extra wegen des Bismarckturms dort hoch“, sagt er. Die meisten Turmbesteiger seien Wanderer oder Spitzhausbesucher, die das zusätzliche Angebot gerne in Anspruch nehmen. „Die sorgen nicht für mehr parkende Autos“, sagt er.

Und das ist nicht der einzige Streitpunkt. Stadt und Verein sind unterschiedlicher Ansicht, wie der Turm zugänglich gemacht wird. Denkmalvereinschef Baumann plädiert für ein Drehkreuz oder eine ähnliche Einrichtung. Nur so könne sicher gegangen werden, dass jeder Besucher auch seinen Obulus für die Turmbesteigung leiste. „Für ein Drehkreuz bräuchte es einen Vorbau und den hat der Denkmalschutz ganz klar abgelehnt“, sagt Baubürgermeister Müller.

„Aussicht vom Turm durchaus die zwei Euro wert“

Eine Schranke würde zudem einen zweiten Fluchtweg erfordern und fällt deswegen ebenfalls durch. Er plädiert deshalb für eine Tür, die sich nach Geldeinwurf öffnet. Den Kasten dafür haben Arbeiter schon in der Pforte des Turms eingebaut.

Vereinschef Baumann ist davon wenig begeistert. Dann bräuchte ja nur einer zahlen und könnte anderen die Tür offenhalten, sagt er. „Wir sind aber der Ansicht, dass die Aussicht vom Turm durchaus die zwei Euro wert sein sollte.“ Noch ist also unklar, wann und wie der Bismarckturm im nächsten Frühjahr öffnen wird. Nur eines scheint sicher. Laury Baumann und ihre Strichliste werden dann nicht mehr auf die Besucher warten.

Von Uwe Hofmann

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