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Umland Wie es mit Schloss und Kirche in Seifersdorf weitergeht
Region Umland Wie es mit Schloss und Kirche in Seifersdorf weitergeht
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09:56 31.10.2019
Ulrike Hantsche, Vorsitzende des Schloss-Fördervereins, und Pfarrer Jan Schober vor dem Seifersdorfer Schloss. Quelle: Tomas Gärtner
Seifersdorf

Eben zieht wieder eine große Gruppe Senioren in Wetterjacken und mit Wanderrucksäcken im Gänsemarsch an der Straße vor dem Seifersdorfer Schloss entlang. „So geht das hier ständig“, sagt Ulrike Hantsche. Tal, Schloss und Kirche seien eine beliebte Station bei Ausflüglern, ob zu Fuß oder mit dem Rad, sagt die Vorsitzende des 2004 gegründeten Schloss-Fördervereins. Doch wenn sie aus dem romantischen Tal der Großen Röder hier herauf in den über 680 Jahre alten Ort kommen, Teil der Landgemeinde Wachau, können sie zwar das neogotische Schloss mit seinen Spitzbogenfenstern, Zinnen und Türmchen bestaunen, doch stehen sie für gewöhnlich vor verschlossenen Türen. Bislang schaffen es die ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder nur an einem Sonntag im Monat, das Schloss für wenigstens drei Stunden für Besucher zu öffnen.

Bekannt als „Sieben-Ritter-Kirche“

Zur selben Zeit kann man dann auch die 1605 errichtete evangelische Kirche besichtigen, wie Jan Schober sagt. Seit Jahresbeginn ist der 38-jährige Oberlausitzer hier im Kirchspiel Radeberger Land mit einer halben Stelle Pfarrer. Gern ließe er das Portal im Sommerhalbjahr außer zu den Gottesdiensten auch tagsüber unverschlossen. Doch die unersetzlichen, Jahrhunderte alten sakralen Skulpturen aus Holz und Stein könne er nicht ohne Aufsicht lassen. Die prachtvollen Grabmäler der adligen Besitzer, beginnend bei dem Lutheraner Dietrich von Grünrod, der das Dorf 1585 kaufte und die Kirche neu errichten ließ, haben sie als „Sieben-Ritter-Kirche“ berühmt gemacht.

Ulrike Hantsche ist schon seit Jahren in ihrer Freizeit unterwegs, um Fördermittel für die Erhaltung des Schlosses zu besorgen und weit über Seifersdorf hinaus zu verbreiten, welch enorme kulturhistorische Bedeutung es besitzt. Anfang September haben sie in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, Landkreis und Kommune die erste Etage des Schlosses um eine neue große Ausstellung bereichert. Rund 830 Jahre Baugeschichte, Schlossherren-Geschlechter, Tal und berühmte Gäste auf 24 Bannern und 20 Tafeln, dazu Gemälde, Gegenstände und ein Modell des Schlosses. Ihnen schwebt ein „Erlebnisschloss“ für die Region vor. Das Konzept dafür wollen sie jetzt zu einem Wettbewerb des sächsischen Umweltministeriums einreichen.

Das Innere der Seifersdorfer Kirche mit den Grabmalen der sieben Schlossherren. Quelle: Tomas Gärtner

Beratungen mit Partnern

„Schloss und Kirche haben hier immer zusammengehört“, sagt Ulrike Hantsche. Wie beide Besuchern noch besser zugänglich gemacht und für mehr Veranstaltungen als bisher genutzt werden könnten, haben sie unlängst in einer Runde mit Vertretern von Kommune, Tourismus und Bildungsinstitutionen beraten. Eingeladen dazu hatte Jan Schober ins Pfarrhaus. Er ist mit der anderen Hälfte seiner Stelle bei der Evangelischen Erwachsenenbildung tätig, verantwortlich für Senioren und Generationen.

Vorstellen könnte er sich beispielsweise eine Ausstellung über Karl Josef Friedrich (1888-1965), der von 1927 bis 1959 hier Pfarrer war, dazu Autor zahlreicher Bücher. Heiltraut Friedrich, seine Tochter, gehört zur Kirchgemeinde.

Eng verbunden mit Kirche und Schloss ist auch das Tal. Das alljährliche Pfingstsingen dort beginnt bis heute mit einem Gottesdienst. Die Symbiose begann, als Christina von Brühl (1756-1816), „Tina“ genannt, das Tal von 1781 an nach englischem Vorbild ähnlich wie Fürst Pückler in Bad Muskau zu einem Landschaftspark mit Tempeln, Denkmalen, Büsten und Statuen gestaltete. Sie und ihr gebildeter Gatte Hans Moritz von Brühl (1746-1811), jüngster Sohn des sächsischen Premierministers Heinrich Graf von Brühl (1700-1763), unterhielten rege Beziehungen zum Weimarer Künstlerkreis um Goethe und Schiller. Namhafte Maler und Dichter kamen zu Besuch. Jean Paul pries das Tal als „himmlisch“, Christoph Martin Wieland nannte es einen „Zaubergrund“.

Verbindungen bis nach Berlin

Fäden reichen von hier, wo Landschaft, Kultur, Kunst und Geschichte eine ungewöhnliche Symbiose eingingen, in verschiedene Richtungen, wie Ulrike Hantsche erläutert. Bis nach Kleinwachau, ins Epilepsiezentrum, das 1889 Karl Graf von Brühl gründete. Bis nach Dresden, wo Premierminister Heinrich Graf von Brühl wirkte und zum Namensgeber der berühmten Brühlschen Terrasse wurde. Bis nach Berlin: Carl von Brühl (1772-1837), Sohn von Tina und Hans Moritz, leitete als General-Intendant von 1815 an die Königlichen Schauspiele in Berlin. Den Plan für das wiederaufgebaute Schauspielhaus am Gendarmenmarkt lieferte Karl Friedrich von Schinkel.

Und der regte auch den Neubau des Seifersdorfer Schlosses an, der 1822 errichtet wurde.

Carl Maria von Weber bat Carl von Brühl um einen Besuch in Seifersdorf und darum, ihm die Partitur seiner Oper übersenden zu dürfen, die damals noch „Die Jägersbraut“ hieß. Carl benannte sie um in „Der Freischütz“.

2021 jährt sich deren Uraufführung in Berlin zum 200. Male. Ulrike Hantsche bringt eifrig Seifersdorf dort ins Gespräch, auf dass bei den Feierlichkeiten auch dem Ort oberhalb des Rödertals gebührende Beachtung geschenkt werde.

Düstere Kapital in der NS-Zeit

Die Geschichte des Tals reicht bis in düstere Kapitel der NS-Zeit. Die Niedermühle sollte zu einer NSDAP-Schule umgebaut werden, wie in der 2018 erschienenen, längst vergriffenen Dorfchronik zu lesen ist.

Slowenen und Bessarabien-Deutsche sollen während des Zweiten Weltkrieges hier untergebracht worden sein. „Da ist vieles überhaupt noch nicht aufgearbeitet“, sagt Pfarrer Schober. Anschauliche Historie an einem konkreten Ort in der Region – darin erkennt er reichlich Möglichkeiten zu Bildungsarbeit mit allen Generationen, vor allem aber der jüngeren.

Offenes Schloss und Kirche am Sonntag, 3. November, 14 bis 17 Uhr

Internet: www.schloss-seifersdorf.de

Internet: kirchspiel-radeberger-land.de

Von Tomas Gärtner

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