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Umland Wie die Grafen und Fürsten von Schönburg im 18. Jahrhundert mit Dresden rangen
Region Umland Wie die Grafen und Fürsten von Schönburg im 18. Jahrhundert mit Dresden rangen
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10:03 18.11.2019
Die Schlösser Forder- und Hinterglauchau auf einer um 1855 entstandenen Gouache. Quelle: Reichstand, Pracht und Frömmigkeit
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Schönburg

Als Graf Otto Wilhelm von Schönburg-Lichtenstein anno 1709 das von ihm regierte Städtchen Lichtenstein in Augenschein nahm. war er mäßig angetan. Für ihn bestand es aus „übel gebauten ,säuischen’ Häusern aus Lehm, die vor Alter einfielen“. Und dann die Leute. Sie waren für ihn „säuisch, zänkisch und lautter Bettler“, zudem „faul, versoffen und liederlich“, was in Punkerkreisen als Auszeichnung gelten mag, aber selbst damals ziemlich starker Tobak in Sachen freier Meinungsäußerung war.

Die Aussagen des Grafen „klingen heutzutage klischeehaft und überzogen, entsprachen jedoch der gängigen Herrschaftsauffassung der paternalistischen Haus- und Landesväter“, schreibt Alexandra Thümmler in ihrem „Reichsstand, Pracht und Frömmigkeit“ betitelten Buch, in dem sie sich Repräsentationsformen der Reichsgrafen und -fürsten von Schönburg im 18. Jahrhundert widmet.

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Wie die Autorin aufzeigt, entwickelten die Schönburger ausgeklügelte Strategien der Anpassung und Abgrenzung, um sich im barocken Reichsadel behaupten zu können. Die Reichsgrafen und -fürsten von Schönburg zählten zu den wenigen Adelsgeschlechtern Mitteldeutschlands, die ihre Eigenständigkeit bis ins 18. Jahrhundert hinein bewahren konnten.

Das Haus Schöneburg, das in der aktuellen historischen Forschung bisher nur wenig Beachtung fand, wird von Thümmler stellvertretend für die kleineren Herrschaftsträger des Reiches untersucht und erfährt durch den Vergleich zu anderen reichs- und landadeligen Häusern eine politische, territoriale, gesellschaftliche und kulturelle Einordnung. Die vorliegende Studie leistet daher in der Tat einen „wichtigen Beitrag zur Erforschung des Adels im Rahmen der Kulturgeschichte, der Residenzforschung sowie der Sächsischen Landesgeschichte“.

Wie viele reichsadelige Häuser hatten die Schönburger mit der drohenden Mediatisierung durch einen mächtigen Nachbarstaat – in diesem Fall des Kurfürstentums Sachsen – und massiver Überschuldung, ähnlich wie heute Italien oder Griechenland, zu kämpfen. Das Haus Schönburg war – Fluch Landesteilung – in unzählige Linien geteilt. Im schönburgischen Territorium existierten im 18. Jahrhundert zeitweilig elf verschiedene Linien und Herrschaften mit ebenso vielen Residenzen und entsprechender Hofhaltung. Es waren Miniaturländereien, vielleicht gerade mal ein bisschen größer und prächtiger als die Reiche Pipi und Popo, von denen in Georg Büchners Komödie „Leonce und Lena“ die Rede ist.

Da die stete Linienteilung einen immensen Kostenaufwand verursachte, verfiel jedenfalls die einst durchaus als prachtvoll zu erachtende schönburgische Hofkultur zusehends. Prinzipiell waren die regierenden Grafen gleichberechtigt, es gab keinen zentralen herrschaftlichen Hof wie die Autorin festhält.

Am Hof sprach man deutsch, nicht französisch

Nun gab es zwar viele Territorien im Reich, die lediglich „ein Schloss, ein paar Dörfer und viele Schlagbäume“ umfassten, wie es der Historiker Heinz Ohff mal auf den Punkt brachte, aber förderlich war es Staat wie Gemeinwohl halt doch nicht. Die schönburgischen Territorien waren laut Thümmler sogar schlicht zu klein, „um bei der Ritterschaft ein schönburgischen Bewusstsein zu erzeugen, weshalb mit Ausnahme der Familie von Bose im 18. Jahrhundert kaum mehr schönburgische Vasallen im Dienste der Schönburger standen, sondern fast ausschließlich ,ausländische’ Adlige und bürgerliche Gelehrte“.

Eine wichtige Rolle spielte die Geistlichkeit – und die war extrem konservativ. Als Graf Albert Albert Christian Ernst von Schönburg-Hinterglauchau 1777 verfügte, dass in der Litanei die Worte „und steure des Papst’s und des Türken Mord“ weggelassen werden sollten, kam es zu erheblichen Auseinandersetzungen mit der Hinterglauchauer Geistlichkeit. Besonderheit der schönburgischen Höfe: Man sprach deutsch. Die als Hofsprache so andernorts unabdingbare französische Sprache spielte in den nicht zu knapp von ortsansässigen Bürgerlichen mitregierten Schönburgischen Herrschaften nur eine untergeordnete Rolle.

Was das Verhältnis zum Dresdner Hof angeht: Die Bestrebungen der Schönburger dort Fuß zu fassen, waren eher wenig von Erfolg gekrönt. Sie brachten den Grafen überwiegend Titulartitel ein. Eine höhere Position erlangte eigentlich lediglich Graf August Ernst von Schönburg-Rochsburg, der bereits seit 1690 als kurfürstlicher Kammerherr und seit 1692 als Rittmeister der königlichen Garde in Dresden diente.

In der Regel waren die Wettiner und Schönburger einander nicht grün. Als Kaiser Leopold I. die Schönburger im Jahr 1700 in den erblichen Reichgrafenstand erhob, weigerte sich August der Starke vehement, dies anzuerkennen und verstärkte die Eingriffe in den schönburgischen Herrschaftsbereich. Als Sachsens Regent dann 1733 starb, läuteten die Glocken in den Kirchen der schönburgischen Territorien zwar lange, aber das kann sowohl als Zeichen des Respekts gegenüber dem verstorbenen Kurfürsten und der Unterwerfung unter die sächsische Lehnshoheit gesehen werden, aber auch als „Zeichen der Erleichterung über den Tod des unliebsamen Kurfürsten“, wie Thümmler anmerkt.

Die Herrschaft war geprägt von Ebbe in den Kassen

Geldnot war das Kennzeichen aller Höfe und Herrscher der Schönburgs. Mochten die meisten schönburgischen Grafen auch ein sparsames Leben führen, am Ende ihres Lebens waren sie verschuldet. Es gab kein Wach- und Gardepersonal (Ausnahme von der Regel ist Graf Albert Christian Ernst von Schönburg-Hinterglauchau, der sich doch eine „Schlosskompanie“ leistete), aber auch kaum das, was barocke Festkultur an diversen Höfen des Reiches so ausmachte. Opern, Theateraufführungen, Redouten, Karoussels, Turniere – alles schlichtweg nicht finanzierbar, andererseits aber auch mit dem strengen lutherischen Glauben und der paternalistischen Repräsentation eben nicht vereinbar.

„Ein „heydnischer Götteraufzug“, wie er 1719 in Dresden bei der Hochzeit des kurfürstlichen Thronfolgers mit der Kaisertochter begangen wurde, war für die Schönburger undenkbar. Geld für moderne, also barocke Schlossbauten und Parkanlagen war auch nicht vorhanden. Die Residenzen der Schönburger entstammten der Spätgotik und der Renaissance, waren nur ein bisschen aufgehübscht.

Dass Geld knapp war, war auch nicht gut für die Arbeitsmoral und die Loyalität der Beamten. Thümmler schreibt: „So besteht der dringende Verdacht, dass einige Beamte aus finanzieller Not, persönlichem Ehrgeiz oder ähnlichen Motiven die Seiten wechselten und sich von Kursachsen überreden ließen, die Amtsläufe der Schönburger gezielt zu sabotieren.“

Überhaupt waren die Bemühungen der Schönburger, in der Bevölkerung ein Bewusstsein als schönburgische und nicht-sächsische Untertanen zu erzeugen, nur bedingt von Erfolg gekrönt, wie Thümmler festhält. Im Gegenteil: Die Bestrebungen einiger Schönburger, ihre Landeshoheit rücksichtslos durchzusetzen, erweckte glatt den Anschein einer Willkürherrschaft, was bei den Untertanen die Sehnsucht nach einer übergeordneten Instanz, sei es nun der Kaiser in Wien oder der Kurfürst in Dresden, immer stärker werden ließ. Die endgültige Einverleibung durch Sachsen schwebte wie ein Damoklesschwert über den Schönburgischen Territorien.

Man brauchte den Nachbarn, der 1661 sogar mal half – die Schönburger hatten nun mal kein eigenes Militär – einen bewaffneten Aufstand niederzuschlagen (was prompt als weiteres Argument für die Rechtmäßigkeit der sächsischen Oberlehenshoheit in den gesamten Schönburgischen Herrschaften verbucht wurde), fürchtete ihn aber auch, weil er die „Eigenständigkeit“ bedrohte.

Als Sachsens Militär in Glauchau zu drastischen Mitteln griff

In der Tat: nach jahrzehntelangen Streitigkeiten, unzähligen Prozessen und zähen Verhandlungen mit dem Minister Heinrich Graf von Brühl schloss das Haus Schönburg zwei Rezesse mit dem Kurhaus in Dresden, im Rahmen derer es die Oberhoheit des sächsischen Kurhauses anerkannte. Ihnen wurden bestimmte Rechte zugesichert, etwa Steuern zu erheben und öffentliche Ämter zu besetzen, aber die Schönburger mussten fortan einen Teil ihrer Steuereinnahmen an Kursachsen abführen und sich an der Landesverteidigung beteiligen.

Grenztafel aus der Herrschaft Hinterglauchau von 1777. Die schönburgischen Farben waren rot und weiß. Quelle: PR

Aber Papier ist das eine, die Realität das andere. 1768 versuchte Sachsen einmal mehr, Rekruten auszuheben, was die Schönburger aber zu verhindern suchten. Die Folge: Gemäß dem Erlkönig-Motto Goethes „Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt“ rückten im Mai 1769 gut 400 Mann sächsische Infanterie und 200 Mann Kavallerie in Glauchau ein, um mit brachialer Pression Soldaten auszuheben. Ähnlich „erbaut“ waren die Schönburger, als sie bei der Erbhuldigung auf Kurfürst Friedrich August III. den Lehnseid ablegen sollten. Sie wurden wie Landadlige behandelt, sollten sie doch den Lehnseid einem Minister gegenüber ablegen und nicht dem Kurfürsten selbst, woraufhin sie die Erbhuldigung gänzlich verweigerten. Anderseits ist zu konstatieren, dass die Eingliederung der Schönburgischen Herrschaften ins sächsische Staatsgebiet zu einem Wirtschaftsaufschwung geführt und dem Haus Schönburg eine grundlegende Sanierung der Finanzen ermöglicht hatte.

Alexandra Thümmler: Reichsstand, Pracht und Frömmigkeit. Repräsentationsformen der Grafen und Fürsten von Schönburg im 18. Jahrhundert. Leipziger Universitätsverlag, 710 Seiten, 80 Euro.

Von Christian Ruf

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