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Umland Weshalb die Erdrutschgefahr im Kirnitzschtal so hoch ist
Region Umland Weshalb die Erdrutschgefahr im Kirnitzschtal so hoch ist
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14:47 17.07.2019
Ein Radlader transportiert nach dem jüngsten Erdrutsch im Kirnitzschtal Schlamm von der Straße.
Ein Radlader transportiert nach dem jüngsten Erdrutsch im Kirnitzschtal Schlamm von der Straße. Quelle: Robert Michael/dpa-Zentralbild/d
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Sebnitz

Zwei Erdrutsche im Kirnitzschtal haben binnen weniger Wochen haben für Aufsehen gesorgt. Nachdem Mitte Juni zwischen dem Forsthaus und dem Zeltplatz Ostrauer Mühle eine Gerölllawine niedergegangen war, war die Kirnitzschtalstraße am Wochenende wieder durch mehrere Erdrutsche blockiert. Das Geröll türmte sich bis zu einen Meter hoch. Auch die Kirnitzschtalbahn musste für 36 Stunden pausieren, bis die Erdmassen von den Gleisen beseitigt waren.

Wie ist es zu den letzten Erdrutschen gekommen?

Die beiden Erdrutsche im Kirnitzschtal traten jeweils in Folge von Starkregen auf. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes fielen während des kräftigen Gewitters am Freitagabend 31 Liter Regen pro Stunde und Quadratmeter.

Wenn sich so viel Wasser oberhalb des Kirnitzschtals sammelt, läuft es konzentriert durch die Seitenschluchten und Rinnen der Kirnitzsch ab. „Durch die hohe Fließgeschwindigkeit hat das Wasser große erodierende Kräfte, so dass viel Material abgetragen und zu Tal befördert wird“, erklärt Hanspeter Mayr, Sprecher der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz.

Bilder vom Erdrutsch am vergangenen Wochenende

„Die Sächsische Schweiz ist durch ihre Talformen, die Untergrundformationen und ihre geografische Lage für diese Naturereignisse prädestiniert“, bestätigt Karin Bernhardt, Sprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Insbesondere nach längerer Trockenheit sei das Erdrutschrisiko hoch, weil sich das Gestein in den oberen Bodenschichten durch den Wassermangel lockert. Wenn dann auch noch die Vegetation am Steilhang geschwächt ist, werden die haltenden Kräfte schnell überwunden.

Erschwerend kommt im Elbsandsteingebirge noch eine topographische Besonderheit hinzu: Auf den Ebenheiten oberhalb des Kirnitzschtals wird Landwirtschaft betrieben. „Die Felder grenzen unmittelbar an steile bewaldete Hänge. Der Wald an den Hängen vermag das Wasser nicht aufzuhalten. Starke Niederschläge führen deshalb schnell zu Erdrutschen, die teilweise auch im Wald Schaden anrichten“, so Mayr.

Sind Maßnahmen geplant, um vor Gerölllawinen zu schützen?

Starkregen stellt alle Beteiligten und Betroffenen vor Herausforderungen. „Bauliche Anlagen wie große Dämme, die gegen Erdrutsche Schutz bieten, würden erhebliche Kosten verursachen und nachhaltige Eingriffe in die Landschaft sowie erheblichen Unterhaltungsaufwand erfordern“, sagt Mayr. „Auch müssten diese Dämme nach Erdrutschen ausgebaggert werden.“

Ob hingegen erosionsmindernde Anbautechniken auf den oberhalb liegenden Feldflächen Erdrutsche vermeiden, wäre zu untersuchen. Wie das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) mitteilt, wurden bereits Vereinbarungen mit betroffenen Landwirten getroffen. Sie sollen ursprüngliches Agrarland renaturieren und versickerungsfähige Grünlandflächen entstehen lassen. „Dadurch soll verhindert werden, dass bei Starkniederschlägen der Boden ins Tal abgetragen wird“, lässt Lasuv-Sprecherin Nicole Wernicke wissen.

Sie betont jedoch auch: „Insgesamt handelt es sich um ein komplexes System gegenseitig zu berücksichtigender Interessen.“ Die Problematik könne nur in Zusammenarbeit der Straßenbauverwaltung mit den Grundeigentümern, den Agrarunternehmen, dem Landkreis, den betreffenden Gemeinden und der Nationalparkbehörde gelöst werden.

Von Junes Semmoudi