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Umland Wer wird neuer Bürgermeister in Heidenau? Ein letztes Streitgespräch vor der Wahl
Region Umland Wer wird neuer Bürgermeister in Heidenau? Ein letztes Streitgespräch vor der Wahl
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11:46 20.09.2019
Herausforderer Uwe Dreßler (l., 56 Jahre alt) und Amtsinhaber Jürgen Opitz (63 Jahre) wollen Heidenau regieren. Quelle: Marko Förster
Heidenau

Am kommenden Sonntag sind rund 13 500 Heidenauer aufgerufen, ihr Stadtoberhaupt für die nächsten sieben Jahre zu wählen. Nach dem ersten Wahlgang sind noch Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) und sein parteiloser Herausforderer Uwe Dreßler im Rennen. Bei einem Wahlforum, veranstaltet vom Verein Medienzentrum Heidenau, trafen sie ein zweites Mal aufeinander. Die DNN fassen Aussagen zu zentralen Themen der Stadtpolitik – außer den bereits bekannten konträren Positionen beider Kandidaten zum geplanten Industriepark Oberelbe – zusammen.

Frage: Wie wollen Sie den Alltag in Heidenau lebenswerter machen?

Uwe Dreßler:Der Alltag in Heidenau ist bereits lebenswert. Es gibt viele Verbesserungsmöglichkeiten. Ich würde mir wünschen, dass wir den Wohnungsbau in Großsedlitz vorantreiben, in Heidenau neue Flächen für Wohnungen – hier wäre die Revitalisierung des Geländes der Maschinenfabrik ein wichtiger Schritt – sowie Industriebrachen für Gewerbeansiedlungen erschließen. Meine Vision für Heidenau ist zudem ein Schwimmbad.

Jürgen Opitz: Ein wichtiges Thema ist es, den Menschen die Sorge um die tägliche Arbeit und die Kinderbetreuung zu nehmen. Das kann man erstens dadurch erreichen, dass sie einen Arbeitsplatz in Heidenau finden. Zweitens, dass die arbeitenden Menschen ihre Kinder in einer Kita gut betreut wissen. Und drittens, dass sich Eltern ganz sicher sein können, dass ihre Kinder, wenn sie das Schulalter erreichen, auf eine gut ausgestattete Heidenauer Schule gehen. Auch an der Verschönerung des Stadtzentrums möchte ich weiter arbeiten. So ist geplant, im nächsten Jahr einen Brunnen auf der Ernst-Thälmann-Straße zu installieren.

„Unsere Schulgebäude werden permanent modernisiert“

Frage: Bei welchen Themen sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Uwe Dreßler: Den größten Handlungsbedarf sehe ich bei Schule und Bildung. Trotz des Anbaus gibt es am Pestalozzi-GymnasiumProbleme. Ich verstehe nicht, warum man nicht, wie 2009 im Stadtrat beschlossen, das Gebäude um zwölf, sondern nur um drei Klassenräume erweitert hat. So verbleiben weiterhin die fünften und sechsten Klassen in der Außenstelle an der Bruno-Gleißberg-Schule. Es gibt Lehrermangel am Gymnasium, weil immer weniger Lehrkräfte bereit sind, Sommer wie Winter zwischen den Gebäuden zu pendeln. Wir benötigen einen größeren Anbau. Ich kenne die Pro-Kopf-Verschuldung in Heidenau nicht. Aber in einer Niedrigzinsphase müssen wir keine „schwarze Null“ schreiben.

Was sagen Sie zu dieser Kritik, Herr Opitz?

Jürgen Opitz: Der Anbau an das Gymnasium ist mit Augenmaß gemacht worden, was sowohl den dringlichsten Bedarf an der Schule als auch die finanzielle Belastung künftiger Generationen angeht. Wenn wir die Gymnasiasten aus der Bruno-Gleißberg-Grundschule herausnehmen, stehen dort schlagartig sechs Klassenräume leer. Darauf wird der Freistaat reagieren und die Heinrich-Heine-Grundschule schließen. Das darf nicht passieren. Unsere Schulgebäude werden permanent modernisiert. Wir werden mit allen Schulen am Digitalpakt des Bundes teilnehmen. Fakt ist: Die finanziellen Möglichkeiten der Stadt Heidenau sind beschränkt. Die Verschuldung liegt bei fast Null. Mit dem geplanten Bau der neuen Kindertageseinrichtung werden wir sie aber wieder hochtreiben.

„Wenn man hier etwas erreichen möchte, muss man dranbleiben“

In Heidenau gibt es einen großen Bestand an industriellen Brachflächen, beispielsweise das Areal der ehemaligen Maschinenfabrik (Mafa) oder das Gelände des einstigen Druckmaschinenwerks Victoria. Herr Dreßler, wie wollen Sie diese Flächen in die städtische Hand bekommen?

Uwe Dreßler: Die Stadt hätte hier schon seit vielen Jahren handeln müssen. Wenn ich Bürgermeister bin, werde ich prüfen, ob alle Eigentümer schon angesprochen wurden. Wenn man hier etwas erreichen möchte, muss man dranbleiben, immer wieder nachhaken und Druck machen. Man sollte auch über Zwangsenteignung nachdenken oder zumindest damit drohen.

Und wie wollen Sie, Herr Dreßler, diese Flächen entwickeln?

Uwe Dreßler: Wenn es uns gelingt, das Mafa-Gelände über eine Zwangsversteigerung zu erwerben, könnten wir die sechs denkmalgeschützten Gebäude dort in Loftwohnungen umbauen. In der Mitteldeutschen Druckanstalt an der Ernst-Thälmann-Straße ist das dem Eigentümer beispielsweise sehr gut gelungen. Aufgabe der Architekten wäre es dann, Neubauten neben den denkmalgeschützten Gebäuden einzuordnen. Schon mehrere mittelständische Unternehmen haben Heidenau in Richtung Pirna verlassen, weil sie erweitern wollten und die Stadt ihnen keine Flächen anbieten konnte. Hier müssen wir Ansiedlungsmöglichkeiten auf den al­ten Industriebrachen schaffen, beispielsweise indem wir die Gebäude der Victoria abreißen.

„Beim Mafa-Gelände sind wir seit sieben Jahren dran“

Herr Opitz, waren Sie als Bürgermeister mit Ihrer Verwaltung bei der Wiederbelebung der Brachflächen untätig, wie Ihr Herausforderer meint?

Jürgen Opitz: Bei der „Roten Mühle“ haben wir es geschafft, dass die Fläche jetzt Eigentum der Stadt ist. Das hat sechs Jahre intensive Verhandlungen mit dem Eigentümer gekostet. Beim Mafa-Gelände sind wir seit sieben Jahren dran, um eine Zwangsversteigerung herbeizuführen. Wir als Verwaltung haben unsere Hausaufgaben gemacht, nun muss das Amtsgericht Dresden entscheiden. Alles dauert leider seine Zeit. Meine Hoffnung ist, dass sich über den Weg der Zwangsversteigerung ein neuer Eigentümer und Investor findet, mit dem wir über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf dem Areal einen Mix aus nicht störendem Gewerbe und Wohnen entwickeln können.

Gibt es auch Hoffnung auf eine Entwicklung des ehemaligen Druckmaschinenwerkes?

Jürgen Opitz:Bei der Victoria habe ich mit dem Eigentümer mehrere Gespräche geführt. Er ist jedoch nicht bereit, auch nur einen Quadratmeter abzugeben. Dieses Problem haben wir bei vielen anderen Brachen auch. Als Kommune fehlen uns leider die rechtlichen Mittel, um in den Besitz dieser Flächen zu kommen. Zudem ist mitunter die Wohnbebauung so nah herangerückt, dass aus Lärmschutzgründen eine Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben nicht mehr möglich ist.

Zukünftige Generationen nicht mit einem Millionen-Paket belasten

Wie soll das Heidenau der Zukunft aussehen in puncto Verwaltung?

Uwe Dreßler: Wir benötigen ein neues Rathaus, um eine moderne Verwaltung aufzubauen. Es kann nicht sein, dass wir Jahrzehnte Miete für die Außenstelle in der Nordstraße zahlen. Die städtische Wohnungsgesellschaft WVH könnte ein neues Verwaltungsgebäude als PPP-Projekt (Public Private Partnership, dt.: Öffentlich-private Partnerschaft, Anm. d. Red.) bauen. Nach 30 Jahren Abzahlung gehört es dann der Stadt. Über dieses Modell könnten wir auch ein Schwimmbad auf dem Areal des Albert-Schwarz-Bades bauen.

Benötigt Heidenau wirklich ein neues Rathaus?

Jürgen Opitz: Das Thema neues Rathaus wurde bereits mehrfach auch im Stadtrat diskutiert. Wir waren uns immer einig, dass sich ein Rathausneubau verbietet, solange nicht alle Schulen renoviert und auf den Stand der heutigen Zeit gebracht sind.Bei PPP-Projekten handelt es sich um eine Zwischenfinanzierung. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat dieses Modell beim Schloss Sonnenstein praktiziert. Schauen Sie sich mal die Folgekosten an, die auf den Kreis zukommen. PPP ist eine finanzielle Verpflichtung für die Zukunft. Ich möchte verhindern, dass wir zukünftige Generationen mit einem Millionen-Paket belasten.

Von Silvio Kuhnert

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