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Umland Welche Aufgaben die Greifvögel aus Moritzburg haben
Region Umland Welche Aufgaben die Greifvögel aus Moritzburg haben
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09:04 16.04.2019
Falkner Hans-Peter Schaaf mit Kamtschatka-Riesenseeadler. Quelle: Dietrich Flechtner
Moritzburg

Es ist ein wunderbarer milder Frühlingsmorgen. Die Sonne spiegelt sich im Wasser des Mittelteiches in Moritzburg, scheint zwischen den kahlen Ästen der Bäume hindurch auf den Waldboden und bringt die ersten frischen grünen Spitzen, die sich ringsum zeigen, zum Leuchten.

Hoch oben, im Wipfel eines Baumes, sitzt Hera. Majestätisch blickt das Weißkopf-Seeadler-Weibchen in die Runde. Hin und wieder antwortet sie auf die Rufe von Jagdfalkner Hans-Peter Schaaf, bleibt aber sitzen.

Schaaf huscht ein Lächeln übers Gesicht und er winkt ab. „Das war klar. Das ist jetzt außer der Zeit und die sind hier alle satt. Aber sie kommt schon wieder“, ist er sich sicher.

Frei fliegende Präsentation

Mit „alle“ meint er neben Hera das Weißkopf-Seeadler-Männchen Max und das Riesenseeadler-Weibchen Stella. Sie hat er zum Interview mitgebracht, um zu demonstrieren, wie er arbeitet. „Ich nutze mit falknerischen Methoden das natürliche Verhalten – Neugier, Flucht und Nahrungserwerb – aus, um die Tiere frei fliegend zu präsentieren“, erklärt er. „Ich mache mit ihnen keine albernen Zirkuskunststückchen.“

Der 47-Jährige betreibt auf dem Areal des Hochseilgartens in Moritzburg seit ein paar Jahren einen Jagdfalkenhof. Zu Hause ist er in Oppach. Dort befinden sich, wie er sagt, auch seine Großvolieren und im Winter alle seine Tiere.

Flügelspannweite bis 2,80 Meter

Über 20 Greifvögel besitze er – vom Zwergfalken, über Bussarde und Eulen bis hin zum Riesenseeadler. Letzterer ist einer der größten Greifvögel, die es gibt. Die Tiere sind im nördlichen pazifiknahen Ostasien zu Hause und können ausgewachsen eine Flügelspannweite von bis zu 2,80 Metern erreichen. „Die Art ist gefährdet, weltweit gibt es nur noch rund 5000 Exemplare“, weiß Hans-Peter Schaaf.

Das Ziel seiner Vorführungen ist, Wissenswertes über die Greifvögel zu vermitteln sowie Natur- und Artenschutz nahe zu bringen. „Und das geht am besten mit Tieren. Denn nur was man kennt, kann man schützen und lieben“, ist seine Ansicht.

„Vögel sind genauso fühlende Lebewesen und mit einer großen Intelligenz ausgestattet. Neueste Forschungen haben erwiesen, dass Vogelhirne sehr leistungsfähig sind. Kolkraben sind mit die Intelligentesten unter den Tieren überhaupt.“

Keine Handaufzuchten

Alle Greifvögel, die er besitzt, seien schon „über mehrere Generationen Nachzuchten aus Tierparks oder Einzelhaltungen“. Auch er selbst züchte geschützte Greifvögel nach. „Es sind alles Tiere, die von ihren Eltern aufgezogen wurden, und keine Handaufzuchten. Das ist wichtig, um die natürlichen Verhaltensweisen zu erhalten“, erklärt Hans-Peter Schaaf.

Seit 2016 gehört die Falknerei in Deutschland, eine sehr alte Jagdmethode, zum immateriellen Kulturerbe der Unesco. Jagen geht der Falkner aus Moritzburg mit seinen Tieren aber selten. „Man jagt mit Greifvögeln dort, wo es mit der Schusswaffe nicht erlaubt ist. In Städten zum Beispiel“, erklärt der 47-Jährige.

Die Kamtschatka-Riesenseeadler Quelle: Dietrich Flechtner

Vergrämen von Tauben

Zudem werden Greifvögel genutzt, um Stadttauben aus Stadien oder an Flughäfen zu vergrämen. „Da reicht es aber nicht, einmal hinzugehen. Das ist ein immerwährender Prozess. Ich habe auch schon mal im Zentralstadion in Leipzig das Taubenvergrämen übernommen. Bekomme auch immer mal wieder Anfragen von anderen Einrichtungen.“ Der Fokus des 47-Jährigen liege aber auf der Präsentation.

„Die Haltungsbedingungen und die legale Herkunft der Tiere werden regelmäßig seitens der zuständigen Behörden kontrolliert“, betont er. Und erzählt, dass er einmal von einer Tierschützerin für die Anbindehaltung seiner Vögel kritisiert wurde.

Eine Frage der Nahrungskette

„Diese erlaubt es den Tieren, sich in einem bestimmten Radius frei zu bewegen. Zum einen kann ich hier nicht alle Greifvögel bunt durcheinander fliegen lassen, denn es gibt welche, die durchaus auf dem Speisezettel eines anderen stehen. Zum anderen können die Tiere beim Training und bei den Schauvorführungen ja auch frei fliegen“, argumentiert der Jagdfalkner. „Sie haben jeden Tag die Möglichkeit zu entscheiden, komme ich zurück oder suche ich das Weite.“

Ein Riesenseeadler ist schon mal weggeflogen. „Ein Jungvogel. Da war alles Mögliche interessant nur ich nicht.“ Hans-Peter Schaaf ist dann bis an die polnisch-russischen Grenze gefahren, um das Tier zurückzuholen.

Die Arbeit mit den Vögeln brauche nicht nur viel Geduld, sagt der Falkner. Er selbst müsse ausgeglichen, innerlich ruhig sein. Denn die Tiere würden es sofort merken, wenn er aufgeregt sei oder unter Stress stehe, und dies spiegeln. Für ihn sei die Arbeit mit den Vögeln fast schon Meditation.

Stella hat schlechte Laune

Stella hockt unterdessen irgendwie missmutig auf dem Dachfirst eines kleinen Holzhäuschens. Ja, so richtig gut drauf sei sie heute Morgen nicht, sagt Hans-Peter Schaaf und streicht sich eine lange Strähne aus dem Gesicht.

Das Riesenseeadler-Weibchen stammt aus dem Weltvogelpark Walsrode und ist seit Juli 2018 bei ihm. Etwa ein Kilo Fleisch – Fisch, Rinderherz, Taubenfleisch, Küken – verputzt die gefiederte Dame mit dem respekteinflößenden orange-gelben Schnabel am Tag. Etwa neun Kilo bringe der Riesenseeadler auf die Waage. Ihn längere Zeit auf dem Arm zu tragen, An- und Abflug auszuhalten, ist schon ein ganz schöner Kraftakt.

Keine Angst, aber Respekt

„Neben den Handschuh greifen sollte der Vogel nicht. Das gibt auf jeden Fall Verletzungen“, weiß Schaaf. Der Riesenseeadler könnte ihm auch mit dem Schnabel gefährlich werden. Er sei aber noch nie ernsthaft verletzt worden, sagt der Falkner. Angst habe er nicht, aber Respekt.

Schaaf bindet den riesigen Vogel los, lockt ihn mit Futter, versucht ihn zum Fliegen zu animieren. Tatsächlich dreht Stella eine Runde, kommt zurück. Aber dann geht sie lieber spazieren, inspiziert den Rucksack des Fotografen und scheint uns interessant zu finden. Der Falkner lockt den Adler auf seinen Arm, trägt ihn an den See und setzt ihn an den Strand. Dann wirft er leckere Häppchen, um Stella zu animieren, ins Wasser zu gehen.

Fotografen-Highlight

Es dauert ein Weilchen, aber dann genießt sie es doch – ein ausgiebiges Bad. Was für ein Anblick. „Tierfotografen reisen bis nach Kamtschatka, um solche Aufnahmen zu machen“, schmunzelt Hans-Peter Schaaf, als der Fotograf loslegt. Tatsächlich berate er Tierfotografen, erzählt der Jagdfalkner. Und immer wieder sei er mit seinen Tieren auch für Filmaufnahmen gefragt..

Info: Jagdfalkenhof Hans-Peter Schaaf, Kalkreuther Str. 1, Moritzburg (auf dem Geländes des Hochseilgartens am Mittelteichbad Moritzburg; Flugvorführungen: April: Mi.-Fr. auf Anfrage (11 u. 14 Uhr), Sa./So. 11 u. 14 Uhr; Mai bis September: Mi.-So. 11 u. 14 Uhr; Oktober: Mi.-So. 14 Uhr; November bis Februar: auf Anfrage; an Feiertagen und während der sächsischen Schulferien (Oster- bis Herbstferien) täglich. Der Jagdfalkner ist auch beim Waldmarkt auf dem Dresdner Neumarkt vom 8. bis 12. Mai dabei.

Von Catrin Steinbach

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