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Umland Weinbauverband will neu durchstarten
Region Umland Weinbauverband will neu durchstarten
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09:54 15.06.2018
Fast ein Jahr lang hat ein Filmteam im Auftrag der Staatskanzlei die sächsischen Winzer bei ihrer Arbeit begleitet. Quelle: Foto: Sächsische Staatskanzlei
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Meissen

Mit einem Maßnahmeplan will der im Mai angetretene neue Vorstand des Weinbauverbandes Sachsen das Image des Sachsenweins aufpolieren. Gleich im ersten Punkt des Planes beschwor Vorstand Michael Thomas zum wiederholten Male den Zusammenhalt der Winzer. Der fehlt, stattdessen ist die Branche oft von Misstrauen und Missgunst geprägt. „Zu unnütz“, wie Thomas meint. Es gebe gar keine ernsthafte Konkurrenz im Anbaugebiet, glaubt der studierte Fremdenverkehrsfachmann zu wissen und lässt den Blick bundesweit schweifen: Immerhin produzierten die sächsischen Winzer ihre Weine auf weniger als 0,5 Prozent der gesamtdeutschen Rebfläche. Die Menge entspreche gar nur 0,3 Prozent des deutschen Weins.

Lediglich um die 20 der mehr als 70 sächsischen Weinbaubetriebe im Haupt- und Nebenerwerb gehören dem regionalen Branchenverband an. Der Weinbauverband hat deshalb pro Jahr nur ein Budget von um die 33000 Euro zur Verfügung. Damit bezahlt der Verband die einzige hauptamtliche – und gut vernetzte – Mitarbeiterin, Sandy Prüger. Viel finanzielle Luft für Marketing bleibe da nicht mehr, so Thomas.

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Unterstützung bei der Weinwerbung erhält der Verband nun von der Sächsischen Staatskanzlei, die einen Reklamefilm über einzelne Winzer im Rahmen der Imagekampagne „So geht Sächsisch“ finanziert hat. Unter dem Titel „Des Winzers Schwur“ stellt Filmemacher Sebastian Linda das Anbaugebiet mit Szenen aus der Arbeit der Winzer vor. Viele der Weinbauer aus dem Film sind wiederum nicht im Verband, wohl aber Aushängeschilder der Region.

Was auffällt: Leichtigkeit und Lebenslust rund um Weingenuss kommt eher spärlich im Film vor – davon, dass die einzelnen Protagonisten gemeinsam mit ihren Tropfen stolz auf ihr Handwerk anstoßen würden, ganz zu schweigen. Allerdings vermitteln die Bilder eindrucksvoll, dass der Wein eben nicht von alleine in die Flaschen kommt.

Frank Wend von der Sächsischen Staatskanzlei sagte auf Nachfrage, dass der Film allein 40000 Euro gekostet habe. 50000 Euro verschlingt zudem eine begleitende Kampagne mit Winzerporträts in einem überregionalen Printmedium und dessen Online-Angebot. Zudem läuft der Winzerfilm im Werbeblock von Sommerkinos, was den Steuerzahler weitere rund 100000 Euro kostet.

Der Weinbauverband sieht sich vor größeren Aufgaben. So muss laut Maßnahmeplan die neue Weinrechtssprechung auf das Anbaugebiet übertragen werden. So ist beispielsweise eine Schutzgemeinschaft für die Herkunftsbezeichnung „Sachsen“ Aufgabe regionaler Branchenvertreter. Es wird allerdings in Jahren gedacht. Schneller will sich der Verband wieder verstärkt den vielen Kleinwinzern zuwenden. Über Weinbaugemeinschaften soll dabei auch der Kontakt zur Winzergenossenschaft Meißen wiederbelebt werden, die für einen Wiedereintritt in den Verband gewonnen werden soll. Des Weiteren möchte der Weinbauverband mit Gebietsweinwerbung und einer transparenteren Landesweinprüfung letztendlich auch neue Zielgruppen erreichen. Eine hohe Qualität der Weine sei unverzichtbar, hieß es.

Von Lars Müller