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Umland Was macht eigentlich eine Friedensrichterin? Die Radebeuler Amtsinhaberin klärt auf
Region Umland Was macht eigentlich eine Friedensrichterin? Die Radebeuler Amtsinhaberin klärt auf
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09:40 14.11.2019
Die Radebeuler Friedensrichterin Ing-Britt Tampe. Quelle: Lisa-Marie Leuteritz
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Radebeul

Das Laub bleibt liegen, der Garten nebenan wird nicht gepflegt und wer soll sich eigentlich um den Baum kümmern, der genau auf der Grundstücksgrenze steht? Alltagsprobleme, die Ing-Britt Tampe oft zu hören bekommt, denn sie ist Friedensrichterin in Radebeul.

Nach den ersten fünf Jahren im Ehrenamt ist sie nun wiedergewählt worden. Ursprünglich kommt Tampe aus dem Bereich der Pflege, wie sie erzählt: „Eigentlich wollte ich Medizin studieren, das hat aber zu DDR-Zeiten nicht geklappt. Also lernte ich pflegerische Hilfskraft, wurde Krankenschwester, OP-Schwester, leitende Schwester und studierte schließlich Pflege.“

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Die Hauptthemen: Laub, Lärm, Beschimpfungen

Während des Studiums hörte sie das erste Mal von Mediation. Dabei handelt es sich um ein strukturiertes Verfahren zur Streitschlichtung. Ing-Britt Tampe war begeistert, schlummerte in ihr doch schon immer der Wunsch, anderen zu helfen. Sie absolvierte die Ausbildung zur Mediatorin und arbeitet seitdem als freiberufliche Trainerin für gewaltfreie Kommunikation und Sprache – immer noch am liebsten in der Pflege.

Auch in Radebeul versucht sie mit diesem Wissen zweimal im Monat Streitigkeiten zu schlichten. Und das vor allem bei Männern. Frauen sieht sie kaum in ihrer Sprechstunde, selten mal Paare, noch weniger junge Menschen. „Oft kommt einer zu mir mit den Worten ’Ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin..’ und erzählt von seinem Problem mit dem Nachbarn“, sagt Tampe. Früher habe man sich gut verstanden, doch nun funktioniere das Miteinander einfach nicht mehr.

Solche Probleme seien jüngeren Menschen meist nicht bekannt, sagt Tampe: „Da ist man noch viel zu beschäftigt. Doch wenn plötzlich die Aufgaben weniger werden, die Wertschätzung fehlt, dann suchen viele ältere Menschen nach anderen Wegen, um Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Und das kann dann schnell das Laub des Nachbarn sein, was das Leben erschwert. Aber auch Lärm oder Beschimpfungen sind immer wieder Thema. „Viele bräuchten einfach eine neue Aufgabe, zum Beispiel ein Ehrenamt. Doch das möchte natürlich nicht jeder“, so die Friedensrichterin.

Reden, reden und noch mal reden – oder schreiben

Doch egal, warum der Nachbar nervt: Ziel ist es, dass sich beide wieder verstehen und zufrieden sind. Ob dafür beide Parteien am Tisch der Friedensrichterin sitzen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Dass sie keinen juristischen Hintergrund hat und die Gesetzeslage nicht immer für die Lösung eines Problems essenziell ist, sagt sie vorab: „Ich bin Laie auf diesem Gebiet und das ist auch gut so.“

Die 56-Jährige versucht mittels Kommunikation zu schlichten. Denn diese sei ihrer Meinung nach völlig eingeschlafen. Überhaupt mal wieder miteinander reden, mal das „müssen“ weglassen, oder nicht im Konjunktiv sprechen, sondern Wünsche und Vorstellungen konkret formulieren – jedoch ohne Beleidigungen oder gar Beschimpfungen. Das hat für Tampe oberste Priorität. Wenn es jemandem zu schwer fällt, das Gespräch zu suchen, kann er auch einen Brief schreiben. Diesen liest sich die Friedensrichterin dann durch und nimmt eventuelle Vorwürfe oder Beleidigungen raus.

Dass die Sprache der Politik und Öffentlichkeit zunehmend verroht, mache ihr Angst: „Wir können nichts sagen, was wir nicht gedacht haben. Wenn die Hemmschwelle beim Sprechen nicht mehr da ist, ist sie beim Denken schon lange weg und es folgen Taten“, sagt sie besorgt. Ing-Britt Tampe ist für Demokratie, für das Aushalten und Reden mit jedem, sagt sie. Doch es gibt Grenzen: „Wenn die Menschenwürde nicht mehr geachtet wird.“

Inzwischen weist sie ihre Klienten auch darauf hin, wenn die Ausdrucksweise unter der Gürtellinie ist. Früher hätte sie sich das nicht getraut, sagt sie. Doch nicht zuletzt das Amt der Friedensrichterin hat sie selbstbewusster gemacht. Auch wenn sie immer mit Problemen konfrontiert wird, Spaß hat sie in ihrem Ehrenamt. Kein Wunder: „Die Radebeuler sind relativ friedlich“, resümiert sie.

Sprechstunde der Friedensrichterin zweimal im Monat (Termine im Amtsblatt), Di. 17-18 Uhr, nächster Termin am 26. November, Stadtverwaltung Radebeul, Pestalozzistr. 4

Von Lisa-Marie Leuteritz

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