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Umland Vielstimmiges Ticken: Ausstellung zur Geschichte der Uhrentechnik
Region Umland Vielstimmiges Ticken: Ausstellung zur Geschichte der Uhrentechnik
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10:15 01.04.2019
Ausstellungsstücke in der uhrentechnischen Lehrschau im Kurort Hartha. Quelle: Fotos: Jürgen Männel
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Hartha

Harald Steuer ist Herr der 1000 Uhren, Uhrwerke, Wecker, Taschen und Tischuhren in der Uhrentechnischen Lehrschau der Gemeinde Hartha am Rand des Tharandter Waldes. Wenn an diesem Wochenende wieder die Uhren um eine Stunde vorgestellt werden, kommt Harald Steuer aber trotzdem nicht ins Schwitzen. Denn bei allen zur Sammlung gehörenden Funkuhren geschieht die Umstellung automatisch. Nur die zehn größeren Uhren sind von Hand zu stellen und das ist in kurzer Zeit getan.

Viele andere Uhren werden nur zum Vorführen der Funktion in Betrieb genommen. Bei diesen kommt es also nicht so genau darauf an, was die Stunde geschlagen hat. Denn das Anliegen in dieser einzigartigen Sammlung ist, dass große und kleine technikinteressierte Besucher bei einem erheblichen Teil der Zeitmesser das Äußere betrachten und die Handwerkskunst sowie Raffinesse unserer Vorfahren bewundern können. Auch werden Einblicke „hinter das Zifferblatt“ gewährt.

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Uhrentechnische Lehrschau im Kurort Hartha - Harald Steuer führt durch die Schau. Quelle: Jürgen Männel

Den Grundstock für die einmalige Sammlung in mehreren Räumen bildeten hunderte Uhren des Feinmechanikers und Harthaer Originals Johannes Hennig (1919-2004). Der schraubte seit seiner frühesten Jugend Uhren auseinander, reparierte sie und behielt viele wegen des Seltenheitswertes. Zu unserer aller Glück. Mit den zusammengetragenen Exponaten versuchte er die Historie der Gebrauchsuhr in den letzten 200 Jahren abzubilden. Doch nicht nur das.

Denn hier wird die Vielfalt all dessen, was tickt und die Zeit anzeigt deutlich: In zahlreichen Vitrinen, daneben oder an den Wänden platziert sind Wecker aller Art – vom Pendelwecker über den Dreiglockenwecker bis hin zu Buffetuhren mit Westminsterschlag, Wohnraum-, Taschen-, Armbanduhren, 3-Mark-Uhren, Mutteruhren für technische Anlagen und Regulatorenwerken.

Das vielstimmige Ticken verursachen auch Kuckucks- und Schachuhren, die neben Metronomen und älteren zeitgeschalteten Auslösern von Kameraobjektiven aus den 30er Jahren stehen. Besonders interessant: das Modell einer sehr frühen Räderuhr, aus einer Zeit, in der man mit nur einem Zeiger auskam.

Auch mechanische Spieluhren, die man mittels eines kleinen Obolus zum Erklingen bekannter Weisen bringen kann, fehlen nicht. Ein Glück, dass der Begründer der Schau den Grundsatz lebte: „Keine Uhr fliegt weg. Egal wie sie aussieht, ich mach noch was draus!“

Dass dies gelungen ist und von den Vereinsmitgliedern unter Leitung von Harald Steuer fortgeführt wird, ist bewundernswert. Ganz wichtig: Hier will man dem Betrachter zeigen, was im Inneren der Uhren vor sich geht. Also werden in verständlicher Form dem Laien wie dem Fachmann Funktionen sowie mechanische bzw. elektrische Wirkungsweisen anschaulich demonstriert. So kann der Betrachter nachvollziehen, wie die Zeit seit 1850 gemessen wird.

Uhrentechnische Lehrschau im Kurort Hartha - Harald Steuer führt durch die Schau. Quelle: Jürgen Männel

Darüber hinaus erzählt Harald Steuer bei Führungen auch Geschichten von Täuschungen und Fälschungen. So geht es zum Beispiel um eine Kompassuhr von 1929, die gar nicht funktionierte, weil sich die Magnetnadel nicht mit der darin befindlichen Unruhe vertrug. Auch so manche Lagersteine waren nicht so wertvoll und teuer wie vorgetäuscht.

Zu sehen sind in der Ausstellung des Weiteren Werkzeuge und Messgeräte eines Uhrmachers, Ansichten alter Werkstätten und historische Reklame, das Taxameter für Pferdedroschken von 1910 und die Pünktchenuhr – eine Eigenentwicklung von Johannes Hennig.

Wer in Hartha vorbeischauen will, kann dies an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat, in der Zeit von 14 bis 16 Uhr tun. Möglich ist auch, unter der Telefonnummer 035203/ 37603 einen Besichtigungstermin für die Uhrentechnische Lehrschau zu vereinbaren. Erwachsene zahlen 2 Euro, Ermäßigte und Kinder 1 Euro Eintritt für den weiteren Erhalt der Ausstellung an der Talmühlenstraße 11.

Ach ja, vor allem sollte man Zeit mitbringen und nicht ständig auf die eigene Uhr schauen…

Von Manfred Ertl