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Umland Umstrittenes Wohnpark-Projekt an der Fabrikstraße
Region Umland Umstrittenes Wohnpark-Projekt an der Fabrikstraße
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18:39 19.06.2018
Verwildert liegt das für den Wohnpark vorgesehene Areal hinter einem verrosteten Zaun. Im Hintergrund leuchtet die rote Gebäudefassade eines Betriebes Quelle: .
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Radebeul

Wohnen oder Gewerbe? – diese Frage muss der Radebeuler Stadtrat auf seiner Sitzung am Mittwochabend klären. Der Stadt liegt ein Antrag auf Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens für das Projekt „Wohnpark Elbgärten Fabrikstraße“ vor. „Es soll neuer bedarfsgerechter und nachhaltiger Wohnraum geschaffen werden“, so der Investor, die Aktiva Bauträger GmbH, in seinem Antragsschreiben.

Als Standort für das neue Wohngebiet hat das Unternehmen eine derzeit ziemlich verwilderte Fläche südlich der Fabrikstraße erkoren. Im Westen wird sie von einer Kleingartenanlage und im Osten durch ein Gewerbegrundstück begrenzt. Im Süden fließt die Elbe. Der Investor plant auf dem Areal den Bau von neun Mehrfamilien- und acht Doppelhäusern. In seinem Schreiben macht der Investor der Lößnitzstadt ein Angebot: „Um eine soziale Durchmischung zu stärken, könnte ein Teil der Geschosswohnungen als Mietwohnungen mit Mietpreisbindung (Sozialer Wohnungsbau) – vor allem für Familien – errichtet werden.“

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Der Mehrheit der Stadträte im Stadtentwicklungsausschuss gefällt dieser Vorschlag sowie das Projekt des neuen Wohngebiets an sich. Sieben Räte haben sich in der Vorberatung bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung für die Einleitung eines vorhabenbezogenen B-Planverfahrens gestimmt und sich damit gegen die Empfehlung der Verwaltung gestellt. Im Bauamt sieht man ein großes Problem: Lärm.

Der Wohnpark wird nicht nur im Osten von Gewerbegrundstücken begrenzt. Betriebe befinden sich auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite sowie direkt hinter der schmalen Kleingartensparte. Bei den entlang der Fabrikstraße ansässigen Firmen stehen laut OB Bert Wendsche (parteilos) rund 400 Menschen in Lohn und Brot. Und wo produziert wird, entsteht Krach. Die Lärmpegel im Gewerbegebiet überschreiten die empfohlenen Richtwerte für einen Wohnstandort. Das haben die beiden Lärmschutzgutachten von Investor und Stadt ergeben.

Die Aktiva Bauträger GmbH glaubt laut ihrem Gutachten das Lärmproblem einerseits durch bauliche Lösungen an den Wohnhäusern lösen zu können. Andererseits schlägt der Gutachter des Investors vor, dass ein benachbartes Unternehmen unter anderem seine Grundstücksmauer auf vier Meter erhöht und die auf dem Außengelände befindliche Containerinstandsetzung in eine Halle verlagert.

Vierzehn Unternehmer an der Fabrikstraße sprechen sich aufgrund der Lärmproblematik gegen eine Wohnbebauung aus. „Wir sehen ein enormes Konfliktpotenzial“, schreiben sie in ihrer gemeinsamen Stellungnahme. Denn auf ihren Firmengeländen wird nicht nur während allen Tages- und Nachtzeiten gearbeitet, sondern der Lieferverkehr erfolgt mit Lkw, welche alle entlang der künftigen Wohnhäuser fahren müssen. „Beschwerden der Mieter oder Eigentümer wären vorprogrammiert“, so die Unternehmer.

Sie haben OB Wendsche auf ihrer Seite. Ohne Eingriffe und Einschränkungen für die Gewerbebetriebe gehe Wohnen an diesem Standort nicht, so das Stadtoberhaupt. Wendsche beruft sich zudem auf die immissionsschutzrechtliche Stellungnahme des Kreisumweltamtes. „Aus Sicht des Lärmschutzes ist die Ausweisung von Wohnflächen an dieser Stelle nicht genehmigungsfähig“, so der OB. Daher schlägt er dem Stadtrat vor, einen B-Plan aufzustellen mit dem neuen Ziel, dass auf dem Areal Gewerbe- statt Wohnflächen geschaffen werden.

Von Silvio Kuhnert

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