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Umland Streit eskaliert: Gemeinderäte wollen Hauptamtsleiter entmachten
Region Umland Streit eskaliert: Gemeinderäte wollen Hauptamtsleiter entmachten
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12:18 19.01.2019
Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) ist vom Vorgehen der Gemeinderäte enttäuscht.
Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) ist vom Vorgehen der Gemeinderäte enttäuscht. Quelle: Gemeindeverwaltung Ottendorf-Okrilla
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Ottendorf-Okrilla

Schon länger tun sich zwischen Ottendorfer Gemeinderäten und Vertretern der Verwaltung tiefe Gräben auf – jetzt eskaliert der Streit zwischen beiden Seiten offenbar vollends: Per Antrag fordern die Ge­meinderäte ge­schlossen die Abberufung des langjährigen Hauptamtsleiters Udo Röß­ler, se­hen keinerlei Grundlage mehr für eine vertrauensvolle Zu­sam­menarbeit.

Die Vorwürfe der Gemeinderäte wiegen schwer. Von Untätigkeit ist die Rede, etwa bei dem schon vor Mo­naten in Auftrag gegeben Konzept für die Kindertagesstätten. Re­gelmäßig Zoff gab es auch wegen der Personalpolitik in den Kitas. Seit Jahren hätten außerdem zahlreiche Mitarbeiter im Rathaus darauf ge­drungen, dass für ihre Tätigkeit eine Stellenbeschreibung sowie eine Überprüfung der Eingruppierung vorgenommen wird – doch auch in diesem Fall sei nichts geschehen, so die Kritik.

Das Fass zum Überlaufen habe nun allerdings das Gezerre um den ge­planten Neubau einer Ki­ta durch den privaten Träger Startblock gebracht. Auch hier habe es unter der Verantwortung des zuständigen Hauptamtsleiters massive Versäumnisse ge­geben – mit der Folge, dass der Ge­­meinde möglicherweise Fördermittel in Höhe von über 800 000 Euro entgehen. Die Abberufung ist aus Sicht der Räte daher „erforderlich, um weiteren Schaden von der Ge­meinde Ottendorf-Okrilla abzuwenden und das An­sehen der Ge­meinde in der Öffentlichkeit nicht weiter zu verschlechtern.“

Die Unterzeichner des Papiers be­teuern, immer wieder das Ge­spräch mit dem Hauptamtsleiter ge­­sucht zu haben. Doch an der Arbeitsweise habe sich auch in der Folge nichts geändert. „Wir haben das immer wieder angesprochen“, er­klärt Andrea Ohm (CDU), Ortsvorsteherin in Ottendorf-Okrilla.

Und die Liste der Vorwürfe ließe sich fortsetzen, wie Gemeinderat Re­né Edelmann (Die Linke) erklärt, der zugleich Ortsvorsteher von Medingen ist, und dazu als Beispiel auf die Ju­gendarbeit verweist. „Uns geht es da­rum, dass Herrn Rößler die Zu­ständigkeit für die Kitas und das Personal jetzt entzogen wird.“

Der Antrag war bereits zu Beginn der Woche im Ottendorfer Rathaus eingegangen. Auf Nachfrage zeigte sich Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) zurückhaltend. Im De­tail will er sich derzeit nicht zu den Vorwürfen äußern. Vom Vorgehen der Gemeinderäte zeigt er sich aber enttäuscht. „Die Qualität der Zu­­­arbeiten von Herrn Rößler ist stets gut oder sehr gut“, bewertet er die Ar­beit seines Hauptamtsleiter. Und: Angesichts des ge­waltigen Aufgabenpensums sei eben nicht immer al­les gleich und sofort machbar.

Wann genau der Antrag im Ge­meinderat nun auf der Tagesordnung steht, wird aktuell noch ge­prüft. In jedem Fall wird das Gremium in den nächsten Wochen eine Entscheidung treffen müssen, kann mit einer Zweidrittelmehrheit auch ohne das Einverständnis des Bürgermeister die Abberufung durchsetzen – wozu sich die Antragsteller fest entschlossen zeigen. „Spätestens im zweiten Wahlgang ist das durch“, er­klärt Andrea Ohm.

Für diesen Fall kündigt Michael Langwald aber bereits sein Veto an. Das dürfen Bürgermeister eingelegen, wenn sie davon überzeugt sind, dass ein Beschluss des Rats der Ge­meinde schade. Und das tue dieser, ist Michael Langwald überzeugt, der einerseits auf die drohenden arbeitsrechtlichen Folgen verweist. Zudem sei es schwierig, auf die Schnelle einen geeigneten Er­satz zu finden. „Wer glaubt, Ottendorf damit einen Gefallen zu tun, der irrt“, warnt der Bürgermeister.

Von Sebastian Kositz