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Umland Städtevergleich: Radebeul gibt das Doppelte für Kultur aus
Region Umland Städtevergleich: Radebeul gibt das Doppelte für Kultur aus
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15:46 22.10.2018
Jens Kuhbandner, Schöpfer des Radebeuler Notschriften-Verlags hat für sein Engagement den Kulturpreis Radebeuls erhalten. Quelle: Anja Schneider
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Radebeul

Radebeuls jährliche Ausgaben für Kunst und Kultur übersteigen den Durchschnitt vergleichbarer Städte um das Doppelte. Ähnlich verhält es sich, wenn man die Ausgaben ostdeutscher Flächenländer mit westdeutschen vergleicht. Das sagte Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) bei seiner Festrede zur Verleihung des diesjährigen Kunstpreises an den Verleger und Autoren Jens Kuhbandner. Demnach gebe eine Stadt in ähnlicher Größe wie Radebeul jährlich 44,11 Euro je Einwohner für die Förderung von Kultur und Kunst aus – die Hälfte der Radebeuler Quote. „Und dies, obwohl wir im Vergleich der Städte und Gemeinden unseres Landkreises – allen Legenden zum Trotz – nur über eine durchschnittliche Finanzausstattung verfügen.“ Der Unterschied liege darin, wie und wofür man sein Geld ausgebe.

„Müssen wir uns dafür schämen oder gar entschuldigen?“, fragte Wendsche rhetorisch. „Nein! Im Gegenteil, es zeugt von Beharrlichkeit, Verantwortung und Selbstbewusstsein.“ Dies im Sinne von Bewahrung kultureller Werte, die der OB durchaus als Standortvorteil etwa im Wettbewerb um Touristen und Einwohner begreift. Aufgabe von Kunst und Kultur sei aber noch viel mehr, wie Wendsche mit seinem „Lob auf die Kleinteiligkeit“ und einem „Plädoyer für Heimat und Identität“ zum Ausdruck brachte. Es gehe darum, Radebeul als Stadt zu bewahren und zu entwickeln, die einen eigenständigen Charakter, eine eigenständige Identität habe. „Dieses Besondere gilt es zu suchen, zu erkennen, darüber ins Gespräch zu kommen und durchaus gelegentlich auch mal zu streiten, aber vor allem gilt es dies zu bewahren und fortzuentwickeln.“

Feste im Sanierungsgebiet gefeiert

Beispiele, bei denen das gelungen sei, seien etwa die Entwicklung des leerstehenden und sanierungsfälligen Bahnhofsgebäudes in Radebeul-Ost zu einem belebten Ortsteilzentrum auch mit kulturellem Angebot oder die Etablierung von Herbst- und Weinfest, Internationalem Wandertheaterfestival und Stadtgalerie in Altkötzschenbroda zu einer Zeit, als dieser Stadtteil noch Sanierungsgebiet und kein Touristenmagnet war. „Sicher, alle diese Projekte müsste man als Stadt nicht machen, man hätte diese Objekte dem Selbstlauf oder dem privaten Eigennutz überlassen können, es wäre vielleicht gar im ersten Moment auch preiswerter geworden, man hätte die eigenen Probleme stattdessen mit anderswo bewährten Standardlösungen bewältigen können“, sagte Wendsche. Das hätte aber zu einem Verlust der Heimat geführt.

Unter diesem vor allem in letzter Zeit durchaus belasteten Begriff bittet Wendsche jedoch nicht eine rückwärtsgewandte Nabelschau oder die Abwehr alles Fremden zu verstehen. „Dies darf jedoch weder verwechselt werden mit Provinzialität, mit Verweigerung gegenüber den Impulsen von außen, gegen neue Trends und Entwicklungen, noch mit der Aufgabe der eigenen Identität durch deren unreflektierte Übernahme“, erläutert der OB. Es gehe darum, die rechte Balance zu finden. Eine Aufgabe, der sich auch eine Stadtgesellschaft zu stellen habe.

Von Uwe Hofmann