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Umland Stadtgaleristin Karin Baum nimmt nach 34 Jahren ihren Hut
Region Umland Stadtgaleristin Karin Baum nimmt nach 34 Jahren ihren Hut
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16:15 31.01.2019
Stadtgaleristin Karin Baum verabschiedet sich in den Unruhestand. Quelle: privat
Radebeul

Am Donnerstagabend wird es noch einmal laut in der Stadtgalerie Radebeul. Nach mehr als 34 Jahren übergibt Karin Baum die Galerieleitung an ihren bisherigen Chef, den scheidenden Kulturamtsleiter Alexander Lange.

Eine durchaus eigenwillige Nachfolgeregelung, die ihre Gründe hat und irgendwie auch passt zum im besten Sinne eigenwilligen Kulturleben der Stadt. Und auch zu Baum, die sich nun daran gewöhnen muss, ohne ihren zweiten Vornamen, Stadtgaleristin, auszukommen. Mit ihr verschwinden zahlreiche ausgefallene Kopfbedeckungen, die sie in den zurückliegenden Jahren zu einem Markenzeichen gemacht haben. Mit ihr geht auch eine der profundesten Kunstkennerinnen der Stadt, die in den vergangenen Jahrzehnten das Kulturleben Radebeuls weit über die Grenzen der bildenden Kunst hinaus geprägt hat.

Im Juni 1984 übernahm sie die Leitung der eineinhalb Jahre zuvor gegründeten Stadtgalerie, die es ohne die Unterstützung der Verwaltung und Stadtverordneten nicht gegeben hätte, wie sie sagt. Wobei es in den 1980ern vor allem die zahlreichen Künstler der Lößnitz waren, die die Einrichtung einer kommunalen Galerie einforderten und sich später für deren Erhalt und Umzug nach Altkötzschenbroda einsetzten.

„Wir sind Dienstleister der Künstler“, sagt Baum nicht nur deswegen. „Es ist völlig unwichtig, was wir mit unseren weißen Wänden hier machen, wenn es nicht die Künstler gibt, die sich bei uns präsentieren.“ Ein Dienstleistungsgedanke, in dem auch jede Menge Understatement mitschwingt.

Die Anfangsjahre waren durch politische Zwänge und Aufbau geprägt, Personalausstellungen zu namhaften Künstlern wechselten sich mit politisch erwünschten Gemeinschaftsausstellungen zu DDR-Jubiläen ab.

Dann waren auf einmal Freiräume da. „Die politische Wende, die Jahre davor und die danach waren die spannendste Zeit“, erinnert sich Baum. Und die damals noch in Radebeul-Ost beheimatete Galerie mittendrin. Man denke an die Ausstellung „Altkötzschenbroda im Abriß?“, die die Frage nach Aufbau oder Abriss im heutigen Vorzeigeviertel stellte – ganz am Puls der Zeit. „Für uns stand dann auch fest, dass die Galerie dorthin ziehen muss. Im Rathaus war man dafür offen und sicherte sich den Dreiseitenhof Altkötzschenbroda 21“, sagt Baum.

Mit dem Umzug hat es dann doch etwas länger gedauert. 1997 feierte man am neuen Standort Eröffnung, da war der Galerie in Radebeul-Ost bereits gekündigt worden, weshalb man die Ausstellungen durch ungewohnte Orte wandern ließ, etwa Kreditinstitute und Autohäuser.

In Altkötzschenbroda fand die Galerie fruchtbaren Nährboden, Aufbruchstimmung. Nicht umsonst hatte Karin Baum dort mit der ebenfalls im Kulturamt angestellten Cornelia Bielig das Herbst- und Weinfest initiiert. „Das war damals noch ein reines Anwohnerfest, bei dem die Höfe geöffnet und Schnittchen geschmiert wurden“, sagt Baum. Heute ist es mit 60 000 Besuchern das gefragteste Radebeuler Fest. „Aus der Organisation habe ich mich dann schnell zurückgezogen, aber das Anschieben von etwas Neuem hat mir immer wieder Spaß gemacht“, sagt Baum. „Und immer wieder fanden sich Menschen, die einem bei der Realisierung der Projekte hilfreich zur Seite standen. Ohne diese Unterstützung wäre vieles so nicht möglich gewesen.“

Vieles wirkt heute noch nach. Etwa die Gründung einer städtischen Kunstsammlung 1992 mit dem Ankauf einer ungewöhnlichen Lößnitzansicht von Heinz Drache. Wo sonst Weinberge und Elbblick auf die Leinwand kommen, ist das industrielle Radebeul mit Fabrikgebäuden und Schornsteinen zu sehen. „Mich haben vor allem die Werke mit kritischer Aussage interessiert“, sagt Baum. Solche mit Zeitbezug, Dokumente ihrer Gegenwart.

Was nicht heißt, dass unter den derzeit rund 2000 Werken nicht einige der bekannten Lößnitzmaler wie Paul Wilhelm, Karl Kröner oder Theodor Rosenhauer vertreten sind. „Wobei das wichtigste in der Ausstellungsarbeit die Beziehungen zu den hier lebenden Künstlern sind“, sagt Baum. Deshalb gibt es Veranstaltungsreihen wie das intermediale Kunstprojekt im Sommer, „Radebeuler Künstler – heute“, Künstlerfeste oder den Radebeuler Grafikmarkt, die regelmäßig hiesige Künstler und „ihre“ Galerie zusammenbringen.

„Das Beste an meiner Arbeit waren die Beziehungen zu vielen kreativen und engagierten Menschen, was sich auch prägend auf meine eigene Entwicklung ausgewirkt hat“, sagt Baum. Neugierig wie sie ist, legte sie Wert nicht nur auf Begegnungen innerhalb der Kulturszene. Die von ihr initiierten „Radebeuler Begegnungen“ – Wanderschaften von einem Stadtteil zum nächsten – haben diese Neugier in feste Formen gegossen. Der Spaziergang zwischen Heimatgeschichte, Stadtteilfest und Plattform für Bekanntschaften wird von Hoflößnitz-Historiker Frank Andert fortgeführt.

Und die Stadtgalerie? Die sieht Karin Baum in guten Händen. „Ich wünsche Alexander Lange, dass er den seit Langem diskutierten Galerieanbau einweihen kann“, sagt sie. Über diesen wird in Radebeul seit 20 Jahren diskutiert, die Verwirklichung ist immer noch nicht abzusehen.

Am Freitag ist der erste Tag im neuen Leben der Karin Baum. Wie sieht das aus? „Es beginnt mit einer selbstverordneten Denkpause“, sagt Baum. Im Sommer wird das Radebeuler Kunsthaus, das Baum gemeinsam mit ihrem Mann Karl-Uwe bewohnt, reaktiviert.

Und so ganz geht man eben nie, auch Karin Baum nicht. Sie bleibt Redaktionsmitglied im Monatsheft „Vorschau und Rückblick“ sowie in der von ihr mitgegründeten Kultur- und Werbegilde Altkötzschenbroda. „Und der Aufnahmeantrag für den Förderkreis der Stadtgalerie liegt schon auf dem Tisch“, sagt sie. Zudem bleibt sie vielleicht der Kunstsammlung ehrenamtlich erhalten. Das ist sicher: Auch nach dem lauten Donnerstagabend wird es nicht still um Karin Baum.

Zur Person

1953 in Radebeul geboren

nach der Berufsausbildung mit Abitur unter anderem als Schmuck- und Wurstverkäuferin sowie Fabrik- und Weinbergsarbeiterin tätig; zwischendurch ein Semester Philosophie; später Pädagogikstudium in der Fachrichtung Kunsterziehung/Germanistik; Diplomarbeit im Wissenschaftsbereich Kunstgeschichte

seit 1984 Leiterin der Radebeuler Stadtgalerie; Gründungsmitglied des Monatsmagazins „Vorschau und Rückblick“, Mitinitiatorin der Radebeuler Begegnungen u. des Herbst- und Weinfests, verantwortlich für Grafikmarkt; Aufbau der städtischen Kunstsammlung

Karin Baum ist verheiratet, hat ein Kind, ein (Stief)Kind und zwei Enkelkinder

Von Uwe Hofmann

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