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Umland Stadt Radebeul möchte Bahnhof in West kaufen
Region Umland Stadt Radebeul möchte Bahnhof in West kaufen
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17:05 22.01.2019
Seit vielen Jahren steht das Bahnhofsgebäude in Kötzschenbroda leer. Der jetzige Eigentümer machte bislang keine wahrnehmbaren Anstalten, diesen Zustand zu ändern. Quelle: Foto: Martin Förster/Archiv
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Radebeul

Zum Kauf des Bahnhofs in Radebeul-West möchte die Lößnitzstadt einen neuen Anlauf starten. Der Stadtrat soll die Verwaltung auf der Sitzung am Mittwochabend ermächtigen, „alles in ihrer Macht stehende zu tun, um den Erwerb des historischen Empfangsgebäudes ... zu erwirken“, so lautet der entsprechende Beschlussvorschlag.

Im Jahr 2014 war der erste Kaufversuch gescheitert. Damals wollte die Stadt zusammen mit einem privaten Investor den Backsteinbau kaufen. Doch der Partner sprang kurz vor dem Notartermin ab, nachdem im Stadtrat über das Vorhaben heftig diskutiert und gestritten worden war, und ein Dritter schnappte sich das Gebäude. „Am Bahnhof ist seither nichts passiert. Und uns ist auch nichts bekannt, dass etwas passieren wird“, stellt OB Bert Wendsche (parteilos) fest. Bereits in seiner Neujahrsansprache bezeichnete er es als Fehler, die Chance des Erwerbs des Bahnhofsgebäudes in Kötzschenbroda „im politischen Kleinkrieg erst einmal verspielt zu haben“. Ohne eine Lösung für den Bahnhof werde das Sanierungsgebiet nur schwerlich zum Erfolg werden, so das Stadtoberhaupt.

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Zentrales Ziel ist die Belebung der Bahnhofstraße. Im Rahmen der Entwicklung eines Händlerleitbildes holte sich die Stadt externen Sachverstand ins Boot. Eine Umfrage unter wissenschaftlicher Begleitung bei Händlern, Anwohnern und Passanten ergab, dass der Erwerb des Bahnhofes durch die Stadt vielfach als notwendige Hauptmaßnahme und wichtige Inititalzündung erachtet werde. „Die meisten Radebeuler wünschen sich eine öffentliche Nutzung und empfänden eine Neukonzeption der Straße ohne Integration des Gebäudes als unvollkommen bzw. sogar misslungen“, nannte Prof. Dr.-Ing. Silke Weidner ein zentrales Ergebnis ihrer Untersuchung. Die Stadtplanerin hat den Lehrstuhl für „Stadtmanagement“ an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg inne.

Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) verweist auf das positive Beispiel im Stadtteil Ost. Dort ist der Kulturbahnhof mit Stadtbibliothek, Volkshochschule und dem einstigen Empfangssaal, der heute für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird, zu einem zentralen Anlaufpunkt geworden. „Wie man in Ost sieht, geht die Entwicklung wie schon im 19. Jahrhundert von den Bahnhöfen aus“, so Müller. Für das Bahnhofsgebäude in Kötzschenbroda strebt die Verwaltung ebenfalls eine öffentliche Nutzung als Bibliothek sowie weiterer kultureller Angebote an.

Im Gegensatz zu 2014 plant die Verwaltung nicht nur den Kauf eines Teils, sondern des kompletten Gebäudes. Damals war ein Kaufpreis für das Gesamtobjekt von 170000 Euro im Gespräch. Für die Summe wird sie den Bau heutzutage sicher nicht mehr bekommen. Durch die Satzung und den gesetzlichen Bestimmungen, die im Sanierungsgebiet „Zentrum Radebeul-West“ gelten, sind dem Eigentümer jedoch auch Grenzen gesetzt, welchen Kaufpreis er verlangen kann. Die Sanierungskosten wurden vor fünf Jahren auf rund 5,8 Millionen Euro geschätzt.

Während beim Bahnhofsgebäude an die Stadt bislang keine Verkaufsabsichten des Eigentümers herangetragen wurden, eröffnet sich dagegen bei der Fläche entlang der Güterhofstraße und dem Bahndamm ab dem S-Bahn-Haltepunkt und der Emil-Schüller-Straße die Möglichkeit des Erwerbs. Bislang hat die Deutsche Bahn alle Offerten der Stadt abgelehnt. Doch nun möchte sie die Fläche verkaufen. Ein Teil wird bereits jetzt als Stellplatz genutzt. „Die Parkfläche könnten wir deutlich erweitern“, informiert Müller. Zudem ist eine Grünanlage mit Spielplatz im westlichen Bereich des Areals geplant.

Von Silvio Kuhnert