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Umland Spiel mir das Lied von Effi ….
Region Umland Spiel mir das Lied von Effi ….
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12:23 23.10.2019
„Effi Briest“ in der Opernfassung von Siegfried Matthus. Quelle: Marlies Kross/Theaterfotografin
Cottbus

Seit seinen Lehrjahren bei Hanns Eisler und Walter Felsenstein ist Siegfried Matthus (85) als Komponist etabliert. Und erfolgreich. Auch nach der Wende hat er sich eine respektable Bühnenpräsenz gesichert. Seine Verdienste ums Rheinsberger Schlosstheater sind unumstritten und für etliche junge Sänger ein Sprungbrett.

So wie für die Effi in seiner jüngsten Oper. Liudmilla Lokaichuk, die gerade in Halle Furore macht, vorher in Cottbus engagiert war und der Matthus jetzt eine umjubelte Effi in die glockenklare Kehle schrieb. Das Staatstheater Cottbus hat die Oper fürs Fontanejahr (für den Wanderer durch die Mark Brandenburg vermerkt der Kalender 2019 den 200. Geburtstag!) in Auftrag gegeben. Komponistensohn Frank hat das Libretto geschrieben. Alexander Merzyn am Pult des Philharmonischen Orchesters und der Regisseur Jakob Peters-Messer haben die Novität mit allem, was das verbliebene brandenburgische Mehrspartenhaus zu bieten hat, in Szene gesetzt. Als Spiel mit der Erinnerung an eine lange zurückliegende Lektüre bei der Mehrheit des Publikums. Als ein repräsentatives Geschenk des Landes an seinen großen Sohn Fontane.

Ein geschmeidiges Parlando

Der Komponist verlässt sich ohne jeden Verstörungsehrgeiz auf die Prominenz von Dichter und Werk. Und auf sein eigenes Handwerk. Das ermöglicht ihm immer noch ein geschmeidiges Parlando oder wie selbstverständlich wogende Melodien. Auch versucht er sich an einem Quartett, das so durchsichtig bleibt, dass man jedes Wort versteht. Was man für einen Vorzug halten kann, aber nicht muss. Schließlich komponiert er für Effi und Crampas ein ausführliches Liebesduett. Da Martin Shalita den Crampas wegen Indisposition nur spielen und nicht singen konnte (Jens Klaus Wilde war am Nothilfepult an der Seite heillos überfordert), blieb der mögliche vokal schwelgerische Höhepunkt der Effi vorbehalten. Musikalisch bleibt Matthus mit dem Selbstbewusstsein eines Routiniers ganz bei sich und schert sich nicht um das, was man heute im Allgemeinen an Irritation oder auch Verstörung mit Neuer Musik verbindet.

Andreas Jäpel ist ein sonorer Innstetten, den weder der Komponist noch die Regie als Figur bloßstellt. Schwach dagegen bleibt Crampas. Zwischen Konvention und ständischem Selbstbewusst lavierend sind der alte Briest (Ulrich Schneider) und seine resolute Gattin (Debra Stanly) Effi-Eltern wie aus dem Bilderbuch.

Das Libretto bleibt Schwachstelle des Abends

Genauso setzt sie der Regisseur zum Auftakt und am Ende auch an das Grab der Tochter. Mit einer Projektion der leer schwingenden Schaukel auf dem Zwischenvorhang davor. Und mit der in den allgemeinen Wortschatz übergegangenen Redensart des alten Briest vom sprichwörtlichen (zu) weiten Feld. Was sich dann entspinnt ist eine schnell und handwerklich perfekt geschnittene Folge von 46 Szenen (13 davon als instrumentale Zwischenspiele) mit schnörkellosem und durchweg wortverständlichem Parlando.

Die Bühne von Guido Petzold wird von einem Mauerhalbrund beherrscht. Außen: Theodor Fontane Zitate in Stein gemeißelt. Diese Hervorhebung der Worte steht (unfreiwillig) auch dafür, dass das Libretto die Schwachstelle des Abends ist. Nicht nur, wenn der Komponistensohn selbst fröhlich drauflos reimt. Auf dem Weg vom Roman in die Opernvorlage ist einiges verdampft, an feinem Humor, subtiler Doppelbödigkeit. Und damit auch an dem gewissen Quantum Zeitlosigkeit, den die Geschichte ja doch immer noch hat. Auch wenn eine Affäre wie sie Effi mit Crampas hatte, heute höchstens im parallelgesellschaftlichen Ausnahmefall tödlich enden und die Eltern ihre Tochter so lange verstoßen würden, bis es zu spät ist. Damals war das die Norm beim preußischen Adel, wo ein kolportiertes „Bismarck schätzt ihn“ einem Orden gleichkam.

Artifizielle Szenen und realistische Versatzstücke

Die schwarze Innenseite der Wand aus (Fontanesätzen) ist der Hintergrund für artifizielle Szenen mit realistischen Versatzstücken.

Für die Hochzeitsreise nach Venedig reicht ein reichliches Dutzend stumm erstarrter Gondoliere und ein musikalisches Santa Lucia Zitat. Die Stärke von Peters-Messers Inszenierung liegt in einer Präzision, die neben dem Libretto und der Musik auch selbst noch mal bei Fontane nachschlägt. Beim Duell setzt die Musik plötzlich für eine kleine Ewigkeit aus. Innstetten und Crampas greifen zu Pistolen, die dann auch wirklich knallen.

Siegfried Matthus hat mit seiner „Effi Briest“ aus einem weiten Feld einen übersichtlichen Garten gemacht. Mit gut bekannter heimischer Bepflanzung. Die(Text-)Wege mittendurch sind da etwas allzu grade geraten. Ein Geburtstagspräsent, bei dem so viel Ehrfurcht im Spiel war, dass der Geehrte möglicherweise ein gewisses Quantum Mumpitz eingefordert hätte.

Weitere Vorstellungen:

Do 24. Oktober, 19.30 Uhr; Do 31. Oktober, 19 Uhr; Fr 22. November, 19.30 Uhr; Sa 21. Dezember, 19.30 Uhr

Karten sind erhältlich im Besucherservice des Staatstheaters Cottbus sowie online über www.staatstheater-cottbus.de, Ticket-Telefon 0355/ 7824 24 2

Von Joachim Lange

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