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Umland Schloss Hermsdorf wird Stück für Stück saniert – ein Besuch auf der Baustelle
Region Umland Schloss Hermsdorf wird Stück für Stück saniert – ein Besuch auf der Baustelle
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11:43 25.06.2019
Birgit Balzer vom Bauamt der Gemeinde Ottendorf-Okrilla. Sie ist Projektleiterin für die Sanierungsarbeiten im Schloss Hermsdorf und zeigt die marode Dachkonstruktion. „Sie hing quasi in der Luft, weil Balken und Balkenköpfe weggefault waren." Quelle: Fotos: Dietrich Flechtner
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Hermsdorf

Darauf war keiner gefasst. Die Gemeinde Ottendorf-Okrilla lässt seit dem Frühjahr 2018 das Dach des Schlosses Hermsdorf sanieren. Im August soll die Maßnahme abgeschlossen werden. Doch nun ist auch das erste Obergeschoss eine einzige Baustelle.

Großes Ausmaß der Schäden

„Die Dachkonstruktion hielt nur noch aus Gewohnheit, Balken und Balkenköpfe waren weggefault, Deckenbalken hingen in der Luft. Wir fanden sogar verfaulte Balken im Mittelgang im Flur“, erklärt Birgit Balzer vom Bauamt der Gemeinde Ottendorf-Okrilla. Sie ist Projektleiterin für die Sanierungsarbeiten im Schloss Hermsdorf, das der Gemeinde gehört.

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Im Erdgeschoss kann man nach wie vor in reizvollem Ambiente feiern, finden Veranstaltungen statt. Obergeschoss und Dachgeschoss des reizvollen Hermsdorfer Schlosses sind jedoch eine Baustelle.

„Wir haben vor Beginn der Bauarbeiten im Randbereich das Dach aufgemacht und nachgesehen. Wir wussten auch, dass es Schwamm im Haus gibt. Aber das Ausmaß der Zerstörung an der Tragkonstruktion war in dem Maße nicht ersichtlich“, so die Mitarbeiterin des Bauamtes weiter.

Weil die Decken des ersten Obergeschosses ohnehin geöffnet werden mussten, wurden bei dieser Gelegenheit auch nach dem Krieg eingezogene Zwischendecken und Trennwände in den Schlossräumen entfernt. Sie waren nach dem Zweiten Weltkrieg eingezogen worden, als man das Schloss zum Altersheim umbaute.

Barocksaaldecke stabilisiert

Auch die Konstruktion, die die Tonnendecke des bereits sanierten Barocksaales hält, war beschädigt. Es gelang, sie zu stabilisieren, ohne dass der Barocksaal Schaden nahm, ist Birgit Balzer froh. Geht man durch die anderen Räume im ersten Obergeschoss, sieht man an vielen Stellen der Außenwände das blanke Mauerwerk. Der Putz musste runter, um den schädlichen Pilz mit Hilfe von Injektionen zu bekämpfen. „Wenn wir all das nicht gemacht hätten, wäre der Schaden noch viel größer geworden.“

Dicker Brocken an Mehrkosten

„Laut einer ersten Kostenschätzung im Juli 2017 sollte die Dachsanierung 661 205 Euro kosten. Schon bei der Vergabe war aber klar, das der Schätzpreis aufgrund der gestiegenen Baupreise nicht gehalten werden kann. Jetzt liegt die Prognose bei 935 162 Euro“, so die Projektleiterin des kommunalen Bauamtes. „172 745 Euro Fördermittel kommen vom Bund, 322 246 Euro vom Land. Das heißt, wir werden am Ende auf einen Eigenanteil der Gemeinde von über 440 000 Euro statt wie geplant reichlich 166 000 Euro kommen.“ Das ist ein dicker Brocken für die kleine Kommune.

Die Mehrkosten bedeuten auch, dass jetzt nicht das gesamte Dachgeschoss saniert werden kann. „Wir beschränken uns auf das Mansarddach“, sagt Birgit Balzer. Das Spitzdach müsse noch warten. „Wir werden nun versuchen, im ersten Obergeschoss Raum für Raum nutzbar zu machen.“

Eingeschworene Truppe

Sie weiß, dass sie auf die Heinzelmännchen von Schloss Hermsdorf zählen kann. Das sind engagierte Hermsdorfer zwischen 50 und 80 Jahren, denen der Erhalt des gemeindeeigenen Schlosses eine Herzenssache ist. Fast 15 000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit hat der „harte Kern“ der IG – sechs Männer und zwei Frauen – schon geleistet und 30 000 Euro Spendengelder eingeworben und verbaut.

Dass unter den Mitgliedern der IG viele Handwerker sind, sei ein großer Vorteil, so Angelika Frenzel. Sie ist nicht nur die Chefin der Betreibergesellschaft, die das Schloss mit verschiedenen Veranstaltungen belebt und Hochzeitsfeiern organisiert, sondern arbeitet auch ehrenamtlich in der IG mit.

Lange Liste erledigter Aufgaben

„Wir haben – bei einigen Arbeiten unterstützt von Firmen – den Gartensaal saniert und für Feiern hergerichtet, die Türme trockengelegt, die Heizung und die Glastüren im Rittersaal eingebaut, im Prinz Hermann Saal den Fußboden neu aufgebaut und unter der Anleitung eines Restauratoren bis zu 28 Farbschichten an den Wänden mühsam Stück für Stück abgetragen, die Wege im Schlosshof erneuert und Rabatten angelegt, am Parkende ein großes Tor gebaut“, nennen Angelika Frenzel und ihre IG-Mitstreiterin Monika Klink Beispiele von der langen Liste der bereits erledigten Aufgaben.

Mit der Sanierung der Küche wurde begonnen. Zudem reparieren und streichen die IG-Mitglieder die vielen, vielen Fenster von Ober- und Mansardgeschoss. Die Aufzählung ließe sich noch weiter fortsetzen. Geld für Material, Maschinen und Sonderarbeiten stellt die Gemeinde zur Verfügung.

Unbezahlbares Engagement

Des Weiteren unterstützt die IG die Gemeinde bei kommunalen Veranstaltungen wie dem Tag des offenen Schlosses. Sie bietet Führungen an und hat für stilgerechtes Interieur im Schloss gesorgt, damit es überhaupt genutzt werden kann. „Wir sind sehr dankbar für die Arbeit, die die Interessengemeinschaft hier leistet“, betont Birgit Balzer vom kommunalen Bauamt ausdrücklich. „Die Gemeinde müsste sonst noch viel mehr Geld in das Schloss stecken und es würde viel länger dauern, es nutzbar zu machen.“

Große Herausforderung

Mit der Wiederherstellung der Räume im ersten Obergeschoss des Schlosses stehen die Heinzelmännchen von Schloss Hermsdorf nun vor einer großen Herausforderung. Aber Bange machen gilt nicht, ist die Devise. „Ja, wir werden uns jetzt hier Raum für Raum vornehmen“, geht Volker Dressler, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft, ganz pragmatisch an die Sache heran.

Aber auch die IG-Mitglieder kommen mal an ihre Grenzen. Rundkehlen wiederherzustellen und Schilfdecken zu verputzen – dafür müssen speziell ausgebildete Fachleute ran. Birgit Balzer, mit der die IG die Arbeiten immer abstimmt, ist das bewusst.

Spenden dringend nötig

Bleibt die Frage des Geldes. „Wir brauchen Spenden. Wir werden versuchen, noch weitere Fördermittel aufzutun“, so Birgit Balzer. „Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, dass es weitergeht und dass das Schloss weiter entwickelt wird“, so Michael Harig, Landrat des Landkreises Bautzen, wenig konkret auf einer kleinen Dankeschön-Veranstaltung.

Die wurde für die am Bau beteiligten Handwerker und die Mitglieder der Interessengemeinschaft ausgerichtet. Harig betonte gegenüber DNN jedoch auch, dass es „wichtig ist, Ideen zu entwickeln, wie das Schloss auf lange Sicht genutzt werden kann“.

Ideenwettbewerb läuft

Diese Ideensuche ist in vollem Gange. „Der Ideenwettbewerb läuft noch bis zum 31. Juli“, so die Auskunft von Birgit Balzer. Der Zuspruch sei bislang groß. „Die Bürger aus der gesamten Gemeinde freuen sich, dass was passiert und dass sie mitdenken dürfen. Es ist wichtig, ihnen das Gefühl zu geben, dass das hier ihr Schloss ist.“

Von Catrin Steinbach