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Umland Sanierung der Hochwasserschäden in Pirna kurz vorm Abschluss
Region Umland Sanierung der Hochwasserschäden in Pirna kurz vorm Abschluss
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16:36 22.01.2019
Der erneuerte Fußgängerboulevard Dohnaische Straße ist zum Aushängeschild der Pirnaer Altstadt geworden. Quelle: Daniel Förster
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Pirna

Fast zehn Meter hoch stand das Wasser im Juni 2013 am Pegel in Pirna. Tausende Einwohner mussten ihre Häuser verlassen, als die Elbe und deren Nebenflüsse die Straßen fluteten und Schäden in Höhe von 69 Millionen Euro anrichteten. Heute zeugt nichts mehr von der zerstörerischen Wucht der Wassermassen: Die städtische Maßnahmenliste zur Schadensbeseitigung ist zu 97 Prozent abgearbeitet. Pirna hat einen kräftezehrenden Aufbauprozess hinter sich – und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Sieben Jahre Wiederaufbau

Noch mal auf Anfang: Sofort nach Rückgang der Wassermassen begann die Stadt mit dem Wiederaufbau der städtischen Infrastruktur. Gemeinsam mit einem Projektsteuerer arbeitete die Verwaltung 123 Einzelmaßnahmen in einen Aufbauplan ein. Gebäude, Straßen, Brücken und Wege sollten repariert, Grünflächen und Gewässer neu angelegt werden. Bis Juni 2015 beantragte das Rathaus Fördergelder bei der Sächsischen Aufbaubank und dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Das Förder-Budget umfasste rund 37,2 Millionen Euro.

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Schnell erkannte man im Rathaus, dass die zahlreichen Maßnahmen nicht bis 2016 beendet werden könnten, wie es die Fördergeldgeber verlangten. „Die Behörden zeigten jedoch großes Verständnis und gewährten uns einen Aufschub bis Ende Juni 2019, um die komplexen Bauvorhaben abzuarbeiten. So konnten wir die engen Bauzeiträume für 17 Maßnahmen entzerren“, resümiert Bürgermeister Eckhard Lang (parteilos).

Die Liste der Sanierungsvorhaben war üppig: 2017 ließ die Stadt die marode Gottleuba-Brücke abreißen und im Folgejahr für eine Million Euro neu errichten. Der beschädigte Canalettoweg am Sonnenstein erhielt für 900 000 Euro eine neue Gabionenwand sowie einen frischen Untergrund. Und bei der Gestaltung der Fußgängerpassage Dohnaische Straße in der Altstadt durften sogar die Bürger mitreden: Letztlich entschied sich der Stadtrat für die Variante, die von der Mehrheit der Einwohner abgenickt wurde. Von März 2016 bis November 2017 ließ die Stadt in der Dohnaischen Straße Leitungen auswechseln und die Passage anschließend mit einem neuen Pflaster versehen. Rund 1,4 Millionen Euro hat das insgesamt gekostet.

Die teuersten Maßnahmen in der Sandsteinstadt

Platz 1: das Flutschutzprojekt am Hospital- und Schlosserbusch. Ab 2016 verlegten Bauleute den Bach um und erledigten umfangreiche Kanalbauarbeiten. Zudem entstand in Piependorf ein großes Rückhaltebecken. Im Oktober 2018 wurden die Arbeiten beendet. Kostenpunkt: 4,2 Millionen Euro.

Platz 2: das Alexa-Seniorenwohnheim am Scheunenhof-Areal musste vom Erd- bis ins Obergeschoss komplett saniert werden. Schon am 16. Mai 2014 wurde die Einrichtung feierlich wiedereröffnet. Die Bausumme betrug rund 3 Millionen Euro.

Platz 3: der neue Mischwasserkanal in der Klosterstraße. Die von den Stadtwerken durchgeführte Maßnahme kostete 2,4 Millionen Euro.

Platz 4: die Erneuerung des Mischwasserkanals in der Breiten Straße. Hier waren in den vergangenen Jahren ebenfalls die Stadtwerke zugange. Das Bauprojekt verschlang rund 1,7 Millionen Euro.

Platz 4: die Stützmauer an der S 174 in Pirna-Neundorf. Zu Beginn des vergangenen Jahres hat das Rathaus die neue Stützwand errichten lassen, weil die Flut das alte Bauwerk unterspült und beschädigt hatte. Der Bau kostete ebenfalls 1,7 Millionen Euro. Restarbeiten dauern noch an.

Wir dürfen stolz sein“

Nun steht der Wiederaufbau der Infrastruktur kurz vorm Abschluss. „Wir als Stadt dürfen stolz auf das Geleistete sein“, meint Bürgermeister Lang. Insgesamt 118 Maßnahmen hat die Stadt Pirna durchgeführt, Restleistungen werden bis April 2019 an drei Orten erbracht: Den letzten Feinschliff erhalten der Amalie-Dietrich-Weg in Copitz, die neue Stützmauer an der Staatsstraße 174 in Neundorf und das Maßnahmepaket Hospital- und Schlosserbusch in Piependorf. Die Neugestaltung des Friedensparks und der Bau des Fußwegs an der Hospitalstraße erfolgen nach Umplanungen nun außerhalb der Flutsanierung.

Für die Sandsteinstadt bedeutete der Wiederaufbau eine aufwendige organisatorische Abwicklung, zudem musste Pirna rund vier Millionen Euro an Eigenmitteln für die Bauplanungen locker machen. Dafür ist das Rathaus nun sicher: „Bei künftigem Hochwasser fallen die Schäden und der Sanierungsaufwand geringer aus. Bei der Sanierung wurde darauf geachtet, dass Straßen in gebundener Bauweise wiederhergestellt werden, was Aus- und Unterspülungen entgegenwirkt.“ Beim Neubau der Gottleuba-Brücke sei zudem auf eine größere Durchflussmenge geachtet worden. Gleichzeitig seien Umweltkriterien einbezogen worden, heißt es weiter.

Was den Flutschutz in Pirna angeht, hat auch die Landestalsperrenverwaltung noch das eine oder andere Ass im Ärmel: Die Behörde will in naher Zukunft parallel zum Bahndamm eine Schutzwand bauen. Außerdem schreiten die Planungen für ein Rückhaltebecken im Seidewitztal fort.

Von Junes Semmoudi