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Umland Rekord-Ebbe in den Talsperren: Ist die Trinkwasserversorgung gesichert?
Region Umland Rekord-Ebbe in den Talsperren: Ist die Trinkwasserversorgung gesichert?
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06:45 24.12.2018
Im Sommer stand das Wasser der Talsperre Lehnmühle so tief, dass eine alte Brücke zum Vorschein kam. Noch immer herrscht Ebbe in der Talsperre. Quelle: Foto: Archiv/Tino Plunert/dpa
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Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Die Talsperre Lehnmühle war in diesem Sommer Schauplatz eines besonderen Spektakels, das zahlreiche Wanderer und Schaulustige anlockte: Durch den niedrigen Pegelstand kam eine ruinöse Brücke zum Vorschein, die Mauern der ehemaligen Siedlung Steinbrückmühle. Trotz Niederschlägen in den vergangenen Wochen herrscht in den Talsperren im Landkreis auch weiterhin Ebbe. Die DNN beantworten die wichtigsten Fragen.

Wann waren die Wasserstände in diesem Jahr am niedrigsten?

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In den vergangen Wochen sind die Wasserstände in den Talsperren noch einmal auf ein neues Rekordtief gesunken. „Die niedrigsten Füllstände der Trinkwassertalsperren treten momentan auf oder liegen mehrheitlich im Zeitraum der letzten zwei bis drei Wochen“, teilt die Landestalsperrenverwaltung (LTV) mit. Die Talsperre Gottleuba ist derzeit etwa zur Hälfte gefüllt, die Talsperre Lehnmühle mit rund 3,8 Millionen Kubikmetern sogar nur zu einem Viertel. Das Speichersystem Altenberg sowie die Talsperre Klingenberg sind momentan zu rund 70 Prozent ausgelastet. „Die aktuellen Niederschläge haben einen geringfügigen Einfluss auf den Stauinhalt. Erst wenn der Boden bis zu einem gewissen Grad gesättigt ist, werden sie abflusswirksam“, heißt es von Seiten der LTV.

Wirken sich die Niedrigpegel negativ auf die Trinkwasserversorgung aus?

Die Trinkwassertalsperren erfüllen derzeit genau den Zweck, für den sie gebaut wurden. Ihre Aufgabe ist es, in Zeiten mit vielen Niederschlägen Wasser für Trockenperioden zwischenzuspeichern. Bedenklich seien die niedrigen Füllwerte deswegen laut der LTV nicht. „Die sächsischen Talsperren werden so bewirtschaftet, dass sie mehrere Trockenjahre überstehen können. Die Rohwasserversorgung für Trinkwasser aus den sächsischen Talsperren ist auch im nächsten Jahr gesichert“, sagt LTV-Sprecherin Katrin Schöne.

Bedenklicher sei hingegen der Einfluss des Füllstandes auf die Wasserqualität. Daher wird derzeit das Wasser aus dem Talsperrenverbund Lehnmühle/Klingenberg hauptsächlich in Klingenberg gespeichert. In Lehnmühle sei der Pegel deswegen sehr gering.

Welche Gebiete versorgen die großen Talsperren des Landkreises?

Die Wasserversorgung von Freital erfolgt vollständig aus der Talsperre Klingenberg, die mehr als 14 Millionen Kubikmeter Wasser fassen kann. Auch Dresden bezieht rund 60 Prozent des Wassers aus dieser Talsperre. Von dort aus wird das Wasser direkt an die Wasserwerke in Klingenberg und Coschütz abgegeben. Die Talsperre Gottleuba, die durch die Zuflüsse aus der Gottleuba und dem Oelsenbach gespeist wird, stellt Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung für den Großraum Pirna bereit. Das Speichersystem Altenberg, bestehend aus zwei Stauanlagen, liefert Rohwasser an das Wasserwerk Altenberg. Es versorgt die Orte rund um den Kurort mit Trinkwasser.

Was für eine Rolle spielen die Talsperrenverbunde?

Durch die Talsperrenverbundsysteme wie Lehnmühle/Klingenberg kann die LTV Wasser aus Regionen mit einem größeren Wasserangebot in trockenere Regionen leiten – und umgekehrt. „So können längere Trockenperioden ausgeglichen werden. „Die Leistungsfähigkeit von Überleitungen ist allerdings durch die Pumpenkapazität begrenzt. Zudem verursachen Überleitungen zusätzliche Kosten“, teilt die LTV mit.

Wird durch die Schneeschmelze bald viel Wasser in den Talsperren landen?

„Bildet sich im Winter eine Schneedecke aus, kann man für die jeweiligen Einzugsgebiete berechnen, wie viel Wasser davon bei einer Schneeschmelze in den Talsperren landen wird“, sagt Schöne. Parameter wie Verdunstung oder Bodensättigung werden dabei mit einberechnet. Ist es wärmer, fällt der Niederschlag als Regen. „Jedoch führt Niederschlag oder Schmelzwasser nicht sofort zum Anstieg der Pegelstände in den Talsperren“, so die Sprecherin weiter. „Zuerst werden die Bodenspeicher aufgefüllt, die aufgrund der Trockenheit in diesem Jahr stark angegriffen wurden.“

Von Junes Semmoudi