Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Umland Rätselraten um Homann-Pläne in Leppersdorf
Region Umland Rätselraten um Homann-Pläne in Leppersdorf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:17 12.04.2018
Ob Homann Feinkost Salats künftig wirklich aus Leppersdorf vor den Toren Dresdens kommen, ist noch höchst ungewiss. Die Entscheidung könnte noch diese Woche fallen. Quelle: Fotos: dpa/
Leppersdorf

 Bis zu 1000 neue Jobs, eine Investitionen von einer halben Milliarde Euro: Als Müller-Milch vor einem Jahr die Erweiterung seines Standorts in Leppersdorf um eine Feinkostfabrik verkündete, war die Euphorie groß. Der Molkerei-Riese wollte das Tochterunternehmen und Traditionsbetrieb Homann von Nieder- nach Ostsachsen holen. Pläne, die zuletzt jedoch ins Wackeln geraten waren – und jetzt möglicherweise sogar gänzlich vor dem Aus stehen, wie jüngst der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) durchblicken ließ.

Im niedersächsischen Dissen, dort, wo Homann seit mehr als 140 Jahre produziert, war die Sichtweise von Beginn eine andere. Denn die Schließung des Werkes hätte mehrere Hundert Mitarbeiter betroffen. Entsprechend erfreut dürften die Dissener die Ausführungen des niedersächsischen Wirtschaftsministers Bernd Althusmann vernommen haben, als der vor wenigen Tagen gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ erklärte, Homann bleibe in Dissen. „Das Projekt Sachsen ist aus dem Spiel, Niedersachsen ist wieder im Spiel“, so der CDU-Politiker.

Konzernzentrale hält sich bedeckt

Der Minister beurteile die Chancen auf einen Verbleib Homanns am Standort in Dissen insgesamt positiv, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium in Hannover. Eine Einschätzung, die auf Eindrücken mehrerer Gespräche beruhe, die der Politiker in den vergangenen Wochen mit der Homann-Geschäftsführung geführt, und in denen er erneut für Niedersachsen als Produktionsstandort geworben habe, erklärt der Eike Frenzel, Sprecher des Ministeriums. Und, in diesen Gesprächen habe Bernd Althusmann außerdem den Eindruck gewonnen, „dass eine zentrale Zusammenfassung der Homann-Produktion in Sachsen nicht mehr unbedingt favorisiert werde.“

Die Müller-Gruppe hatte im April des vergangenen Jahres die Pläne zur Verlegung der Homann-Werke von Dissen und drei weiteren dazugehörigen Standorten in Niedersachsen, im Ruhrgebiet und in Thüringen nach Leppersdorf bei Dresden publik gemacht. Die sahen vor, bis 2020 neben dem schon vorhandenen Sachsen-Milch-Werk neben der A4 eine neue Fertigung zu errichten. An den bisherigen Produktionsstandorten wären dann mehr als 1000 Mitarbeiter betroffen – die entweder die Umzugskisten packen oder sich einen neuen Job suchen müssen.

In der Konzernzentrale bei Müller im oberbayrischen Freising halten sich die Verantwortlichen derweil noch bedeckt. Dort verweist der Unternehmenssprecher Alexander Truhlar auf die laufende Überprüfungsphase. „Wenn es eine finale Entscheidung gibt, werden wir zunächst die Mitarbeiter darüber informieren“, heißt es kurz und knapp aus Freising. Nach Informationen der DNN sollen konzernintern noch in dieser Woche Strategien zum weiteren Vorgehen in Sachen Homann vorgestellt werden. Eine endgültige Entscheidung könnte es bis Ende April geben.

Kein Kommentar aus dem Wirtschaftsministerium

Noch im Herbst hatte der damalige niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) gegenüber den DNN festgestellt, dass die Verlagerung nach Sachsen durch sei – dem wenige Wochen später jedoch völlig überraschend die Ankündigung von Müller-Milch folgte, dass die Pläne nun doch noch einmal intern überprüft werden. Auf die Frage nach dem Warum gab es keine Antwort. Dieser Zeitung hatte Sprecher Alexander Truhlar lediglich gesagt, dass „bestimmte Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren eine weitergehende Überprüfung erfordern.“

Verschlossen zeigt sich unterdessen auch das sächsische Wirtschaftsministerium. Vor einer offiziellen Entscheidung des Unternehmens wolle das Ministerium keine Kommentare abgeben, erklärt Marco Henkel, Mitarbeiter in der Pressestelle. Auch auf die Frage, ob das Land weiterhin zu seiner gemachten Zusage, die Neuansiedlung mit Fördermitteln in Höhe von elf Millionen Euro zu alimentieren, steht, will das Ministerium nicht eingehen. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ hatte zuletzt darüber spekuliert, dass diese Summe inzwischen infrage gestellt worden sei.

Gewerkschaft: Alles ist noch offen

Der Zuschuss hatte ohnehin für reichlich Zoff auf bundespolitischer Ebene gesorgt. Wenn öffentliche Mittel dazu verwendet werden sollen, „reine Verlagerungsprozesse zu finanzieren und in der Summe mehrere Hundert Arbeitsplätze abzubauen, dann ist dies wirtschafts- und arbeitsmarktpolitisch unvertretbar“, lautet die Kritik aus dem Wirtschaftsministerium in Hannover. Um das künftig zu verhindern, hatte Niedersachsen bereits 2017 einen Vorstoß zur Änderung der Förderregeln unternommen. Mit Erfolg. Künftig, so Eike Frenzel, müssen alle Förderfälle mit Betriebsverlagerungen vorab zwischen den beteiligten Bundesländern abgestimmt werden. „Die Wiederholung des Falles Homann ist damit ausgeschlossen“, sagt der Sprecher.

Doch anders als im Wirtschaftsministerium teilen nicht alle in Niedersachsen die Zuversicht über den Verbleib. Der Chef der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) in der Region Osnabrück, Uwe Hildebrand, warnt vor voreiligen Schlüssen und macht damit Sachsen wieder Hoffnung. „Es ist alles noch offen“, erklärt der Regionalgeschäftsführer. Seine Gewerkschaft wolle deshalb weiter für den Erhalt kämpfen. „Das Werk in Dissen ist für die Region sehr wichtig.“

Das betont auch Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann (SPD). Viele Menschen aus Dissen und der Umgebung haben ihren Arbeitsplatz bei Homann. Ein Grund, weshalb Müller den Standort aufgeben wollte, waren auch Lärmprobleme. „Ich habe der Geschäftsleitung einen Vorschlag unterbreitet, wie die Lärmprobleme künftig gelöst werden könnten. Man hat mir versprochen, diese zu prüfen“, sagt Nümann. Da sich in Leppersdorf nichts mehr bewegte, habe er inzwischen durchaus die Hoffnung für „seine“ Standorte.

Von Sebastian Kositz

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadt Radebeul ließ ihre Vergaben der vergangenen vier Jahre unter die Lupe nehmen. Ob Aufträge im Hoch- und Tiefbau, für Handwerksleistungen oder die Pflege der Grünanlage – sowohl von der Anzahl als auch vom Volumen gehen über 95 Prozent der Aufträge an Firmen aus Sachsen.

11.04.2018

Die Landesbühnen Sachsen verwandeln die Lößnitzstadt in eine Bühne. Denn beim „Radebeuler Bilderbogen“ verlassen Schauspieler und Publikum das Stammhaus an der Meißner Straße und gehen oder fahren zu sechs Stationen, um Geschichten zu erleben. Premiere ist am Freitag.

11.04.2018

Bei einem Kamenzer Politiker waren Hunderte Dateien auf dem Rechner gefunden worden. Das Landgericht in Bautzen milderte jetzt ein vorangegangenes Urteil ab. Dennoch droht ihm jetzt der Verlust seiner Mandate.

11.04.2018