Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Umland Radeberg will vom Programm „Zukunft Stadtgrün“ profitieren
Region Umland Radeberg will vom Programm „Zukunft Stadtgrün“ profitieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
06:00 22.11.2017
Die Große Röder unterhalb des kleinen Parkplatzes an der August-Bebel-Straße. So konnte der Fluss im Zentrum Radebergs bisher kaum wahrgenommen werden. Aber das soll sich ändern. Quelle: Bernd Lichtenberger
Anzeige
Radeberg

Derzeit bietet sich den Radebergern an der August-Bebel-Straße gegenüber vom Kaiserhof ein ungewohntes Bild. Wo noch vor kurzem zwei große Häuser aus der Gründerzeit standen, erlaubt jetzt ein freier Platz den Blick über die Röder hinweg auf die Brauerei. Diesem Platz hat die Stadt einen ganz besonderen Zweck zugedacht. Er soll wichtiger Teil eines Grünstreifens quer durch die Röderstadt werden – so, wie die benachbarte Fläche an der Hauptstraße, auf der früher die Druckerei stand.
Dieses „Grüne Band“ auf einer Gesamtfläche von über 22 Hektar soll sich mittelfristig entlang der Großen Röder vom Hüttertal bis zum Seifersdorfer Tal durch die Stadt ziehen. Zwischen den Röderbrücken Dr. Albert-Dietze-Straße und Dresdener Straße soll aus dem Gelbke-Hain und den jetzigen Grünanlagen beiderseits der Röder sogar ein zusammenhängender Stadtpark entstehen. Damit will Radeberg nicht mehr und nicht weniger als zur „Grünen Stadt im Rödertal“ werden.

Doch bis es soweit ist, ist nicht nur eine Menge Detailarbeit zu erledigen. Vom Sinn des Ganzen sind auch noch eine Reihe von Skeptikern zu überzeugen. Einen von ihnen, Bernd Rieprich, als engagiertes Mitglied der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte bekannt, hatte die im Oktober 2015 gegründete Arbeitsgruppe „Grünes Radeberg“ zu ihrer jüngsten Beratung eingeladen. Dort machte der ehrenamtliche Historiker die AG-Mitglieder mit der Geschichte des Areals bekannt, weil sich auf ihm einst „der schönste Park Radebergs“ befand. So jedenfalls hatte seinerzeit Theodor Arlt (1878 – 1960) als in Radeberg wohnender Landeskundler das Gelände an der früheren Herrenmühle beschrieben. Ein kleiner Teil dieses Parks ist heute noch als mit Bäumen bestandene Grünfläche neben der AOK-Geschäftsstelle erlebbar.

Anzeige

Aber Rieprich kam nicht nur mit seinem Geschichtswissen, sondern stellte auch Fragen. Vor allem wollte er wissen, wie die Radeberger Öffentlichkeit in die städtischen Planungen einbezogen wird und welchen Nutzen die Radeberger vom „Grünen Band“ haben werden, das die Stadt und den Freistaat mit Sicherheit eine Menge Geld kosten wird. „Werden dort wirklich Kinder mit ihren Eltern spielen?“ Er verwies dabei auf das begrünte, gegenwärtig aber kaum zugängige Gelände, auf dem das Kulturhaus „Maxim Gorki“ stand. Auch der Zutritt zur früheren Druckerei-Fläche ist von der Röderstraße aus noch mit einem Tor versperrt. Dagegen war der Park der Herrenmühle seinerzeit stets öffentlich zugänglich und gut frequentiert.

Wissen wollte Rieprich auch, ob im zentralen Bereich des Grünen Bandes an eine Toilette gedacht ist. „Dort gab es immer eine Toilette“, betonte er in der AG-Beratung. Schon die im Radeberger Volksmund „Weizmann-Baude“ genannte Toilette an der Hauptstraße, die mit der Druckerei abgerissen wurde, hatte einen Vorgänger-Bau. Sehr kritisch äußerte sich der Stadtgeschichtler zum Abriss einer Halle auf dem Gelände der Wellpappen-Fabrik, einem Nachfolger der Herrenmühle. Grundlos sei das in einem guten Zustand befindliche und unter dem Aspekt der Industriearchitektur sehr interessante Gebäude abgerissen worden, ärgert er sich noch heute.

Ungeachtet dessen machte Rieprich auch Vorschläge. So sprach er sich dafür aus, in geeigneter Weise den einstigen Mühlgraben der Herrenmühle wieder erlebbar zu machen. Er erinnerte zudem daran, dass die Röder hinter der Brücke an der Dresdener Straße früher von den Radebergern zum Baden genutzt wurde, weil sich dort das Wehr der Herrenmühle befand. Das deckt sich weitgehend mit den Plänen der Stadt. Die denkt zwar an dieser Stelle nicht an ein Freibad, immerhin aber doch an die Gestaltung eines „Strandbereiches“. Eine Toilettenanlage steht allerdings nicht auf ihrem derzeitigen Programm. Die wäre hinsichtlich der Bewirtschaftung nicht zu unterhalten, bedauert Bauamtsleiterin Uta Schellhorn. Bestenfalls an eine zu besonderen Anlässen zeitweilig aufgestellte Toilette sei gedacht.

Im Detail will Schellhorn gemeinsam mit der AG die derzeitigen Pläne im Januar bei einer öffentlichen Begehung vorstellen. Vorerst liegt die konkrete Planung für das Gelände an der August-Bebel-Straße aber auf Eis. Denn noch fehlt dafür der Fördermittelbescheid. Der werde aber bis Ende November erwartet, informierte die Bauamtschefin die AG-Mitglieder. Im vergangenen Juli hatte der Stadtrat beschlossen, sich im Rahmen des vom sächsischen Innenministerium ausgeschriebenen Städtebauförderprogramms „Zukunft Stadtgrün“ um Gelder zu bewerben. Dieses Förderprogramm deckt sich mit den städtischen Absichten. Es soll die Städte und Gemeinden unterstützen, die Qualität und Attraktivität der öffentlichen Grün- und Freiflächen steigern, das Stadtklima verbessern und damit einen nachhaltigen Beitrag zur Verringerung der Folgen des Klimawandels leisten wollen.

Einen deutlichen Schritt weiter ist die Bierstadt hinsichtlich des einstigen Druckerei-Geländes. Unter anderem soll dort im kommenden Jahr eine Fußgänger-Brücke über die Röder errichtet werden, um die Verbindung zum Gelbke-Hain herzustellen, der sich zwischen Albert-Dietze-Straße und Hauptstraße entlang der Röder hinzieht. Die Genehmigung dafür liegt auf dem Tisch, auch die Gelder stehen im städtischen Haushalt dafür bereit, versichert Schellhorn.

Was aber in den kommenden Jahren für das Grüne Band benötigt wird, wird erst noch in der Haushaltdebatte 2019/2020 eine maßgebliche Rolle spielen. Immerhin hat der Stadtrat dafür die Leitlinie, schon vor einem Jahr vom Landschaftsarchitekten und AG-Mitglied Henning Kuschnig erarbeitet, gebilligt. „Bis zum 800-Jahre-Jubiläum im Jahre 2019 sollen wesentliche Schwerpunkte der Stadtgrün-Entwicklung bei Bewahrung bedeutsamer Elemente der historisch gewachsenen Kulturlandschaft entlang der Großen Röder durchgeführt werden“, heißt es im vom Stadtrat beschlossenen Programm „Die Grüne Stadt Radeberg“.

Von Bernd Lichtenberger

Anzeige