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Umland Qualitätsweinprüfung: Dürresommer beschert viele Weinfehler
Region Umland Qualitätsweinprüfung: Dürresommer beschert viele Weinfehler
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15:03 14.05.2019
Gabriele Krieghoff vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie wacht streng über den korrekten Ablauf der Qualitätsweinprüfung. Quelle: Lars Müller
Meißen/Pillnitz

Bitter, dünn, untypische Alterungsnote oder nicht die angegebene Spätlese: Der von einigen Winzern propagierte Jahrhundertjahrgang 2018 überfordert offenbar manche sächsische Kellermeister. Wegen dieser und weiterer Weinfehler wurden bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung im ersten Quartal 2019 ungewöhnlich viele Weine abgelehnt, wie das zuständige Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) auf Anfrage mitteilte.

Nicht nur ausgebildete Winzer versuchen sich am Wein

Fachkundige Winzer hatten stets davor gewarnt, den Jahrgang 2018 als Jahrhundertjahrgang zu bezeichnen und verwiesen auf den Hitzestress, unter dem die Rebstöcke zu leiden hatten. Weinfehler seien zu befürchten, so ihre Mahnung, zumal in Sachsen nicht nur ausgebildete Winzer sich an Wein versuchen.

„Gründe für die erhöhte Anzahl von Ablehnungen im Rahmen der sensorischen Qualitätsweinprüfung im Vergleich zu den Vorjahren sind die außergewöhnlichen Witterungsbedingungen im Jahr 2018“, bestätigen denn auch die Zuständigen vom Landesamt. „Die Wirkung von Hitze und Trockenheit“ sei „im Anbaugebiet jedoch abhängig von den Lagen, den Böden, der Niederschlagsverteilung, der Rebsorte und dem Alter der Rebstöcke sowie den Pflegemaßnahmen und den Maßnahmen zur Ertragsoptimierung“, wie es aus der Landesbehörde des Freistaats heißt. Im Klartext: Winzer, die ihr Handwerk verstehen und wirklich gelernt haben, sind dem Klima nicht machtlos ausgeliefert.

Nach Angaben des Landesamtes wurden von Januar bis März 256 Proben eingereicht, einige nach anfänglicher Ablehnung mehrfach. Letztendlich sei für 177 Weine eine Prüfungsnummer beantragt worden, hieß es. Nur 141 Weine erhielten die Prüfungsnummer, 113 davon im ersten Anlauf.

In der Mehrzahl wurden junge Weine des Jahrgangs 2018 vorgestellt, darunter mehr als 100 noch nicht abgefüllte Tankproben. Bislang haben den Angaben zufolge in diesem Jahr 28 der insgesamt rund 70 Weinbaubetriebe, die in Sachsen eigne Weine auf den Markt bringen, bei der Qualitätsweinprüfung Proben eingereicht. Jede Prüfung kostet Gebühren, die sich nach der verfügbaren Menge des jeweiligen Weins berechnen.

Abgelehnte Weine dürfen noch als Landwein unters Volk gebracht werden

Zweifel an der Kompetenz aller inzwischen 24 vom sächsischen Landwirtschaftsministerium bestellten Prüfer weist das Landesumweltamt zurück. Immer wieder äußern Winzer Unverständnis über die Bewertung ihrer Weine. Im Gegenzug sind aber auch Prüfer – viele selbst Winzer – verwundert darüber, was für grob fehlerhafte Weine sie zur Bewertung vorgesetzt bekommen. Offen über die Prüfungsrunden reden, dürfen sie nicht.

Laut Landesumweltamt besitzen acht Sachverständige einen Prüferpass der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Die restlichen zwei Drittel verfügten aber über vergleichbare Schulungen, hieß es auf wiederholte Nachfrage lapidar von den Verantwortlichen im Amt. Die Geschäftsordnung zur Qualitätsweinprüfung, die auch die Voraussetzungen für die Prüfkompetenz regelt, stammt aus den 1990er-Jahren und damit aus den Anfängen des sächsischen Weinbaus nach der Wende. Einen verbindlichen Nachweis des DLG-Prüferpasses regelt diese Verordnung nicht.

Auf Wunsch des Weinbauverbandes fanden in diesem Jahr bis Mai nahezu wöchentliche Qualitätsweinprüfungen in Pillnitz statt, dazu wurde die Prüfkommission um drei Mitglieder aufgestockt. Im vergangenen Jahr waren 46 Weine (knapp 10 Prozent) bei der Qualitätsweinprüfung durchgefallen. Teile der Winzerschaft waren empört, dass diese Zahlen auf Anfrage veröffentlicht worden waren. Abgelehnte Weine dürfen noch als Landwein unters Volk gebracht werden.

Von Lars Müller

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