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Umland Operationsmarathon in zwei Wochen
Region Umland Operationsmarathon in zwei Wochen
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18:36 03.07.2019
Dr.Jens Kraßler ist Chefarzt der Abteilung Anästhesiologie und Intensivtherapie in Coswig. Quelle: Foto: S. Kuhnert
Coswig

Als Anästhesist und Intensivmediziner ist Dr. Jens Kraßler nicht nur für seine Patienten am Fachkrankenhaus in Coswig da. Einmal im Jahr nimmt der 54-Jährige für 14 Tage Urlaub und reist in das lateinamerikanische Bolivien. Zusammen mit seinen Kollegen von Interplast Germany e.V. führt er dringend benötigte plastisch-chirurgische Operationen durch und behandelt betroffene Patienten jeden Alters unentgeltlich vor Ort.

„Ich war zum vierten Mal dort“, berichtet Kraßler, für das Interplast-Team war es dagegen bereits der neunte Einsatz. Bislang griffen sie immer in Santa Cruz zum Skalpell, in diesem Jahr erstmals in Tarija, der südlichsten Großstadt des Andenstaats. Der OP-Mannschaft gehörten vier Chirurgen, drei Anästhesisten und zwei OP-Schwestern an. Während ihres zweiwöchigen Aufenthalts haben sie rund 200 Operationen getätigt, davon allein rund 150 in Tarija.

Der Kontakt zu Interplast ist durch einen Zufall zustande gekommen. „Ein Freund von mir – ebenfalls ein Anästhesist aus dem thüringischen Saalfeld – hat auf einer Feier in Südamerika Helga Richter kennen gelernt. Sie war in den 1960er Jahren als Lehrerin nach Bolivien gegangen. Sie berichtete ihm, dass es in dem Land viele Menschen gibt, die keinerlei Zugang zur medizinischen Versorgung haben“, erzählt Kraßler. Sein Freund machte daraufhin bei Interplast mit und über ihn stieß dann auch der Coswiger Mediziner zu der Hilfsorganisation. Schirmherrin der bolivianischen Interplast-Projekte ist Helga Richter, Vorstandsmitglied der Klinikkette Pro Salud.

Zu den plastisch-chirurgischen Operationen gehören insbesondere Verbrennungen, die vom Kochen an offenen Feuern herrühren, Hernien, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Schilddrüsenleiden, äußere Tumore sowie verschiedenste Missbildungen. Die Patienten nehmen für eine Behandlung lange Anreisen in Kauf. Nicht selten sind sie ein bis zwei Tage mit dem Bus unterwegs, um bei den deutschen Ärzten vorstellig zu werden.

Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg dieses Einsatzes leisten zahlreiche ehrenamtliche Helfer, die Verpflegung, Zelte für die vielen Patienten und ihre Angehörigen, Kinderbetreuung während des Krankenhausaufenthaltes und Patientenfahrdienste organisieren. Dazu zählt unter anderem der Rotarier Club vor Ort. „Dieses bewundernswerte Engagement und auch die Tatsache, dass viele Patienten über mehrere Jahre immer wieder kommen, um sich operieren zu lassen, lässt in einem das Gefühl entstehen, die eigene Freizeit für etwas Sinnvolles herzugeben“, so Kraßler.

Unterstützung erfährt der Arzt auch von den Rotariern aus Radebeul. Sie haben einen OP-Tisch, der im Klinikum Zschopau nicht mehr benötigt wurde, und dort auf dem Boden stand, in einen Container gesteckt und auf einem Schiff auf Reise nach Südamerika geschickt. Dessen Ankunft wird täglich in Bolivien erwartet.

Von Silvio Kuhnert

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