Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Umland Obstbaubetrieb Görnitz investiert in Schutz vor Dürre und Hagel
Region Umland Obstbaubetrieb Görnitz investiert in Schutz vor Dürre und Hagel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:05 13.08.2018
Die Äpfel von Michael Görnitz reifen dank Bewässerungsanlage gut. Damit Hagelschäden künftig ausbleiben, hat er die Plantage mit Netzen überspannt.
Die Äpfel von Michael Görnitz reifen dank Bewässerungsanlage gut. Damit Hagelschäden künftig ausbleiben, hat er die Plantage mit Netzen überspannt. Quelle: Foto: Silvio Kuhnert
Anzeige
Coswig

Die Meinung von Obstbauer Michael Görnitz über eine Entschädigung für Dürreverluste in der Landwirtschaft durch den Bund ist eindeutig: „Das ist unfair!“ Denn die Zahlung eines Ausfallgeldes von bis zu 80 Prozent – wie von einigen Bauern und Agrarverbänden gewünscht – für die durch die lange Trockenheit- und Hitzeperiode in diesem Jahr verursachten Ernteeinbußen sei der falsche Weg. Vielmehr müsste die Politik Anreize für Investitionen schaffen, mit denen sich Landwirte und Obstbauern künftig besser für Extremwetterlagen wappnen können, sagte der 32-Jährige, als Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) die Apfelplantage des Coswiger Obstbaubetriebs Görnitz im Ortsteil Sörnewitz am Montag besuchte.

Die diesjährige extreme Dürre ist nicht die erste Wetterkapriole, die der junge Geschäftsführer des Familienbetriebs, der vor 27 Jahren aus der ehemaligen LPG „1. Mai Coswig“ hervorging, miterlebt. Rund 300 Hektar bewirtschaftet er gemeinsam mit Seniorchef Volker Görnitz sowie rund 30 festen Mitarbeitern und bis zu 100 Saisonkräften. Sie bauen Erdbeeren, Kirschen, Johannisbeeren, Äpfel sowie Aroniabeeren an. Ihre Obstplantage blieb weder von den beiden letzten großen Elbefluten, vor Hagel, Trockenheit oder Spätfrösten wie 2017 verschont.

Ob Beeren, Weintrauben oder Äpfel – „Wir wollen Früchte und Obst der Qualitätsklasse eins liefern“, so lautet der Anspruch des Obstbauern. Um diesen auch in Zukunft erfüllen zu können, hat Michael Görnitz investiert. Rund 300000 Euro nahm er für den Bau einer Bewässerungsanlage in die Hand. Dazu zählte das Aushieven von Brunnen, Leitungen und Tröpfchenanlagen, um die Böden seiner Anlagen in Trockenperioden wie in diesem Jahr feucht zu halten. Die neun Hektar große Apfelplantage ließ er mit Hagelschutznetzen überspannen – ebenfalls eine Investition im oberen sechsstelligen Bereich.

Der Hagelschutz ist rund vier Wochen alt, kam jedoch circa drei Wochen zu spät, so dass in diesem Jahr Hagelschäden leider nicht ausblieben. „Die Apfelernte wird dennoch gut“, zeigt sich Michael Görnitz optimistisch. Damit sein Obst gut reift, wurde jeder Baum in den vergangenen Wochen täglich mit zwei bis drei Litern bewässert.

Die Witterung ist nur ein Problem, womit die Obstbauern zu kämpfen haben. Ein weit größeres ist die Konkurrenz innerhalb der EU. Hier nennt Görnitz konkrete Zahlen: Während in Deutschland ein Mindestlohn von 8,84 Euro in der Landwirtschaft gelte, zahlten Bauern in Polen nur 2,90 Euro die Stunde. Während er seinen Gewinn mit bis zu 45 Prozent versteuern muss, bräuchten seine polnische Kollegen aufgrund anderer Steuerregeln nichts an den Fiskus überweisen.

Damit die sächsische Landwirtschaft konkurrenzfähig bleibt, gab Görnitz dem Ministerpräsidenten neben der Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen weitere Vorschläge mit auf den Weg: „Der jetzige Fördersatz von 30 Prozent für Investitionen ist zu gering.“ Außerdem sollten Landwirte und Gärtnereien in guten Geschäftsjahren eine steuerfreie Risikorücklage bilden können, auf die sie in Zeiten von Ernteausfällen zurückgreifen könnten. Außerdem fordert Görnitz eine Mehrgefahrenversicherung für landwirtschaftliche Betriebe.

Von Silvio Kuhnert