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Umland OVG entscheidet: Kein Neubau an der Kolbe Villa in Radebeul
Region Umland

OVG entscheidet: Kein Neubau an der Kolbe Villa in Radebeul

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07:00 20.10.2021
Seit Jahrzehnten verwahrlost der Renaissancebau samt des englischen Parks in Radebeul.
Seit Jahrzehnten verwahrlost der Renaissancebau samt des englischen Parks in Radebeul. Quelle: privat
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Radebeul

Einst war sie ein imposantes Bauwerk im Stil der Neorenaissance, das 1891 mit einem englischen Park erbaut wurde. Seit Mitte der 90er Jahre steht die Kolbe Villa in Radebeul an der Ecke Zinzendorfstraße und Meißner Straße leer. Stadtverwaltung und Eigentümer befinden sich im Clinch darüber, wie es mit der Villa weitergehen soll. Währenddessen bleibt das Bauwerk sich selbst überlassen und verwahrlost zunehmend. Heute wirkt der frühere Prunkbau heruntergekommen. Dazu trägt auch der verwucherte Wildwuchs rund um die Anlage seinen Teil bei.

Stadt Radebeul verlor 2019 vor dem Verwaltungsgericht Dresden

Die Auseinandersetzung um die Kolbe Villa in Radebeul dauert nunmehr über 20 Jahre an. Seitdem hat der Streit mehrere gerichtliche Instanzen passiert, die Ergebnisse fielen dabei sehr unterschiedlich aus. 2019 hatte die Stadt Radebeul vor dem Verwaltungsgericht Dresden verloren. Daraufhin ging die Lößnitzstadt in Berufung – und fuhr nun vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen einen Sieg ein. Vorbei ist der Rechtsstreit aber noch nicht, wie Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) informiert.

In Bautzen gaben die Richter der Lößnitzstadt recht, einen positiven Bauvorbescheid aus dem Jahr 1999 nicht zu verlängern. Demnach darf die Stadtverwaltung aus Gründen zum Denkmalschutz dem Eigentümer die Baugenehmigung verweigern. „Von einer solchen durch den beabsichtigten Neubau bewirkten dauerhaften und erheblichen Beeinträchtigung des Kulturdenkmals in seinem Erscheinungsbild ist der Senat (…) überzeugt“, heißt es in dem OVG-Urteil. Bert Wendsche ergänzt: „Der Kläger hat kein Recht auf einen Neubau. Der Denkmalerhalt ist zudem zumutbar.“

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Laut OB handle es sich um zwei Klagen, die das OVG zu einem Verfahren zusammengefasst hat. „Nun haben wir in beiden Klagen vollumfänglich obsiegt“, sagt Bert Wendsche. Das bedeute, dass alle entstandenen Gerichtskosten vom Kläger zu tragen seien. Bereits vor zwei Jahren betrugen die Kosten 140 000. In der Zwischenzeit dürfte da noch einiges hinzugekommen sein.

Alles beginnt damit, dass die Eigentümergemeinschaft Zinzendorfstraße 16 GbR die Villa Kolbe sanieren will. Außerdem möchte man den Neorenaissancebau um einen viergeschossigen Anbau mit einem Grundriss von 15 mal 15 Metern erweitern. Der entscheidende Streitpunkt ist aber ein anderer: An der Rathenaustraße soll ein Mehrfamilienhaus mit 15 mal 28 Meter Grundfläche entstehen. Damals, vor über 20 Jahren, gab die Verwaltung einer Bauvoranfrage für das Vorhaben grünes Licht – im Einvernehmen mit der Denkmalschutzbehörde.

Stadtrat und Stadtverwaltung ändern ihre Meinung

Lange Zeit geschah nichts. Da ein solcher Vorbescheid nur drei Jahre lang gültig ist, muss der potenzielle Bauherr diesen regelmäßig in einem weiteren Antrag verlängern. Jahrelang stimmte dem die Lößnitzstadt zu, doch Stadtverwaltung und Stadtrat änderten ihre Meinung dazu.

Inzwischen ist der geplante Neubau ein Dorn im Auge der Lößnitzstadt. Gegen den Bauvorbescheid aus dem Jahr 2012 hatte sich die Denkmalbehörde gestellt. 2015 lehnte der Stadtrat einen Bauantrag ab und beschloss noch im selben Jahr die Aufstellung eines Bebauungsplanes. Der sollte jegliche neue Bebauung auf dem Villen-Areal verhindern. Damit wollte die Stadt die Villa Kolbe und den englischen Park in seiner jetzigen Form erhalten. Einen zurückhaltenden Anbau an der Südseite akzeptiert die Stadt inzwischen. Einen Neubau lehnt man aber nach wie vor ab.

OVG lässt keine Revision zu – weiterer Ausgang ungewiss

Vom ursprünglichen Bauplan will der Eigentümer nicht abrücken. Weil ihm die Stadt das Baurecht verwehrt hatte, klagte er schließlich dagegen. In erster Instanz mit Erfolg, in zweiter aber nicht. Vor dem OVG beklagte der Eigentümer unter anderem, dass eine abgespeckte Form des Bauvorhabens unwirtschaftlich sei. Der Richter wies das zurück. Eine Revision hat man in Bautzen ebenfalls nicht zugelassen. Dabei wird das Urteil der vorherigen Instanz auf Rechtsfehler überprüft. Im Jahr 2019 hatte das Verwaltungsgericht Dresden entschieden, dass sich der Neubau sehr wohl in die Umgebung einfügen würde. Eine Baugenehmigung sei daher zu erteilen, hieß es damals.

Darauf könnte sich der Eigentümer noch berufen und die nicht zugelassene Revision in Form einer Zulassungsbeschwerde anfechten, betont Bert Wendsche. „Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig“, sagt der OB. Vorbei ist der Streit um die Kolbe Villa also noch nicht.

Von Sabrina Lösch