Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Umland Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz will 300 Roteichen fällen
Region Umland Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz will 300 Roteichen fällen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:09 18.11.2019
Die Nationalparkverwaltung versprach, dass 2019 nicht mehr gefällt wird (Symbolbild). Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
Pirna

Wenn der Wanderer von Schmilka Richtung Rauschenstein läuft, kommt er dort, wo das Roßsteigel auf den Elbleitenweg trifft, an einem Eichenwäldchen vorbei. Auf dem Areal – fast so groß wie ein Fußballfeld – stehen etliche Roteichen, dünnere und dickere, richtige Baumriesen sind darunter. Ein Forstmann hat mit Farbspray jeden Baum mit grell-roten Punkten für die geplante Fällung markiert.

Ein Vorwand für Kahlschlag?

Die in Schmilka ansässige Annett Jäger ist bestürzt über das Vorhaben und hat mit einigen Unterstützern eine Plakataktion im Eichenwald initiiert, um gegen die Abholzung der Roteichen zu protestieren. „Rot statt tot“ ist ihr Leitspruch. In Anbetracht ausgedehnter, vertrockneter Fichtenmonokulturen im Elbsandsteingebirge, die vom Borkenkäfer befallen sind, sollten doch vielleicht gerade Laubbaumarten erhalten bleiben, meint sie.

Zur Baumart Roteiche, die ihren Namen ihren herbstlich gefärbten roten Blättern verdankt, hat Nationalparksprecher Hanspeter Mayr folgendes zu sagen: „Die Roteiche kommt aus Nordamerika und gehört zu den sogenannten Neophyten.“ Diese würden die für Mitteleuropa typische Pflanzenwelt negativ beeinflussen. Deshalb wird die Baumart im Pflegebereich des Nationalparks bekämpft. Im Gebiet beim Rauschenstein sollen 300 Roteichen gefällt werden.

„Die Problematik Roteiche als Neophyt ist mir bekannt. Unter diesem Vorwand soll nun ein Kahlschlag gemacht werden“, empört sich Annett Jäger. Verwurzelt mit der Sächsischen Schweiz begleiten Felsen und Wälder ihr Leben. Umso mehr belastet sie die Tatsache, dass nun gesunde Bäume gefällt werden sollen.

„Jeder lebende Baum zählt“

Im Nationalpark sterben wegen Borkenkäferbefall weitflächig alle Fichten. Das ist eigentlich gut für den Nationalpark, weil sich aus den monotonen Fichtenforsten ein natürlicher Wald entwickeln könne, so Jäger. Doch durch die trockenen Sommer haben selbst Buchen und Birken Hitzeschäden. Die Roteiche scheint besser klar zu kommen. In anderen Teilen Sachsens würden explizit Roteichen bei Aufforstungen verwendet.

Annett Jäger appelliert an die Nationalparkverwaltung: „Jeder lebende Baum zählt und dabei ist es im Moment völlig egal, ob er gebietsfremd ist. Bei der gegenwärtigen Klimaprognose solch ein Waldstück zu eliminieren, kann nicht der richtige Weg sein und ein Umdenken der Behörden wird nötig werden.“ Man hätte die Roteichen schon viel früher entfernen können, aber nun, da die Bäume groß sind, brächten sie mehr Geld. „Jetzt aber werden sie anders gebraucht und zwar als Wald und nicht als Bretter, sagt Jäger.“

Die Nationalparkverwaltung hingegen ist überzeugt, dass die Roteiche die heimische Vegetation verdrängen könne und deshalb ausgemerzt werden muss. Die Plakate gegen Abholzung und für Klimaschutz wurden mittlerweile entfernt. Die Nationalparkbehörde bietet ein Bürgergespräch an und beschwichtigt: „2019 wird kein Baum gefällt.“

Transparenzhinweis: Der Autor ist mit der im Text zitierten Annett Jäger verwandt.

Von Mike Jäger

Mehr als eine Million Menschen haben die Ausstellung zum Kultfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im Schloss Moritzburg schon gesehen. Jetzt geht die Schau in ihre neunte Saison - und gleich zum Auftakt gab es wieder großen Andrang.

18.11.2019

John ist acht Monate alt und unheilbar krank. Das teuerste Medikament der Welt kann ihm mehr Zeit verschaffen. Doch zugelassen ist es in Deutschland nicht. Die Krankenkasse hat zugestimmt, Zolgensma zu bezahlen, stellt jedoch das Handeln der Pharmaindustrie infrage.

18.11.2019

Verschuldet, politisch unbedeutend und bei den Untertanen nicht unbedingt beliebt: Die historisch zum Hochadel zählenden Grafen und Fürsten von Schönburg bewahrten ihre Eigenständigkeit bis ins 18. Jahrhundert hinein. Der Dresdner Hof war für sie eine latente Bedrohung.

18.11.2019