Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Umland Nach Stromausfall: Ausnahmezustand im Schmilkaer Bio-Hotel
Region Umland Nach Stromausfall: Ausnahmezustand im Schmilkaer Bio-Hotel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:47 30.12.2018
Das Bio- und Nationalparkhotel Helvetia in Schmilka ist vom Stromausfall schwer getroffen. Quelle: Daniel Förster
Anzeige
Bad Schandau

So hatte sich Sven-Erik Hitzer das Jahresende sicherlich nicht vorgestellt. Ausgerechnet an Heiligabend sind in seinem Bio- und Nationalparkhotel „Helvetia“ im Schandauer Ortsteil Schmilka die Lichter ausgegangen. Ursache: Ein Stromausfall, hervorgerufen durch einen Kabelfehler in der Erdleitung. Zwar konnten Techniker der Enso den Kabelschaden noch am selben Abend beheben, aber das Hotel hat noch immer mit den Folgen zu kämpfen. Viele Elektrogeräte sind nach der Störung defekt. Ein Schaden von mehreren zehntausend Euro sei entstanden, so der Hotelbesitzer.

„Leider gibt es noch erhebliche Einschränkungen. Von der Telefonanlage über die Raumthermostate, die Geschirrspülmaschine und die Fernseher ist alles kaputt“, sagt Hitzer. Auch Kühlschränke und Stromrelais, die Satelliten- sowie die Abwasserhebeanlage des Hotels mit seinen 22 Gästezimmern waren nach dem Stromausfall nicht mehr funktionsfähig.

Anzeige

Das Hotelpersonal versucht, sich mit der Ausnahmesituation zu arrangieren. Das Geschirr wird zur Zeit per Hand abgewaschen, auch die Abwasserhebeanlage wird per Hand betrieben. Anrufe werden momentan auf ein Diensthandy umgeleitet. Man habe bereits einzelne Bauteile nachbestellt und provisorische Netzteile angeschafft, doch das besondere Hotelkonzept erschwert die Suche nach neuen Geräten: „Viele Spezialgeräte waren an unser ökologisches Konzept angeglichen. Es wird schwer, so kurzfristig Ersatz zu finden“, so Hitzer weiter. In einigen Gästezimmern sei so schnell nichts zu reparieren gewesen. Zahlreiche Gäste des ersten zertifizierten Bio-Hotels in Sachsen seien daher abgereist, einige erhielten aus der Hotelkasse ihr Geld zurück.

Gegen 12 Uhr sind am 24. Dezember mehrere Häuser an der Durchgangsstraße im Elbtal vom Stromkreis abgeschnitten worden (DNN berichteten). Stundenlang mussten Anwohner, Urlauber sowie die Hotelgäste im „Helvetia“ und der betroffenen Villa „Waldfrieden“ ohne Elektrizität auskommen. „Wir hatten kein Licht, kein Warmwasser, die Heizung war ausgefallen. Die Köche konnten nichts mehr kochen. Sowas hat es noch überhaupt nie gegeben, außer beim Hochwasser“, erzählt Hitzer. Fachleute trennten das Bio-Hotel vom öffentlichen Netz und versorgten das Haus mit einem Notstromaggregat, sodass das Küchenpersonal ab 17 Uhr wieder arbeiten und das Festmenü zubereiten konnte.

Ursache des Stromausfalls war ein Kabelfehler im Niederspannungsnetz, teilt die Enso auf DNN-Anfrage mit. Auf der Elbwiese baggerten Mitarbeiter einer beauftragten Tiefbaufirma ein Loch aus und stießen sie auf ein Erdkabel mit einer defekten Kabelmuffe. Hinweise auf Fremdeinwirkung gebe es laut der Enso nicht. Das Kabelteil wurde ausgetauscht, zwölf Stunden nach dem Stromausfall gingen in den Häusern in Schmilka die Lichter an.

Doch wer kommt nun für den entstandenen Schaden im „Helvetia“ auf? Von der Enso heißt es, der Hotelbetreiber solle sich mit seinem Anliegen an die Versicherung wenden, die den Fall dann prüfe. „Alternativ können sich die betroffenen Enso-Kunden auch bei unserer Rechtsabteilung melden, falls Schadenersatz gefordert wird“, so der Energiedienstleister. Es passiere leider hin und wieder, dass Stromkabel ohne Einwirkung kaputt gehen. Äußerst bedauerlich sei jedoch, dass das ausgerechnet am Weihnachtsabend passieren musste und die Elektrogeräte durch einen „unglücklichen Zwischenfall“ nun nicht mehr funktionsfähig sind.

Diese Worte werden für Sven-Erik Hitzer wohl nur ein schwacher Trost sein. Das Bio-Restaurant „StrandGut“ im Hotel „Helvetia“ ist am Silvesterabend restlos ausgebucht. Der Besitzer gibt sich aber zuversichtlich: „Man muss in solchen Situationen improvisieren können.“ Das Silvester-Menü werde trotz der besonderen Umstände wie geplant serviert.

Von Daniel Förster und Junes Semmoudi