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Umland Mangelnder Grünschnitt: Sachsens Städtebahn wirft Deutscher Bahn Schikane vor
Region Umland Mangelnder Grünschnitt: Sachsens Städtebahn wirft Deutscher Bahn Schikane vor
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10:07 27.12.2017
Heruntergefallene Äste und umgestürzte Bäume bereiten der Städtebahn Sachsen Probleme. Für die Pflege zuständig ist ein Tochter der Deutschen Bahn.  Quelle: Städtebahn Sachsen
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Dresden

 „Entlang der Strecken der Städtebahn Sachsen GmbH fahren unsere Züge wie im Strauch- und Baumtunnel“, sagt Torsten Sewerin. Der Geschäftsführer der in Dresden sitzenden Städtebahn Sachsen GmbH (SBS) macht mit diesen Worten seinem Ärger über die Deutsche Bahn Luft. „Seit Übernahme des Bahnbetriebes durch unser Unternehmen 2010 vernachlässigt die DB Netz AG den kompletten Vegetationsschnitt entlang der Strecken“, kritisiert er. Und das, obwohl die SBS an die DB Netz AG jedes Jahr rund zehn Millionen Euro Trassennutzungsgebühren zahlt und die Bahntochter zum Rückschnitt verpflichtet ist.

Anlass für die Tirade ist der letzte Zusammenstoß eines Städtebahn-Zugs mit einem Baum am 14. Dezember. Dabei sei es nur der Geistesgegenwart des Lokführers zu verdanken, dass der zwischen Kamenz und Pulsnitz verkehrende Zug nicht mit 110 Stundenkilometern in den auf den Gleisen liegenden Baum gekracht sei. Nach sofortiger Schnellbremsung konnte er die Geschwindigkeit auf immer noch 50 Kilometer in der Stunde drosseln, so dass zwar ein „hoher Sachschaden am Triebzug“ entstand, aber keine Menschen zu Schaden gekommen sind.

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Alleine in den letzten zwei Jahren zählte die Städtebahn zehn Einschläge in umgekippte Bäume auf Ihren Strecken. Das Sachschadenvolumen an den Fahrzeugen belaufe sich auf etwa eine Million Euro Reparaturkosten. Dazu kämen Kosten für Schienenersatzverkehr und erhebliche Aufwendungen wegen Zugumleitungen, sowie der Ärger der Fahrgäste wegen ausgefallenen Zugleistungen.

Der Verkehrsverbund Oberelben (VVO) als Besteller der Züge erklärte, dass das Problem mit Vegetationspflege deutschlandweit bekannt sei. Eine Statistik zu solchen Havarien führe der Verkehrsverbund jedoch nicht. VVO-Sprecher Christian Schlemper sagte: „Wir erwarten, dass die DB Netz AG ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommt und einen sicheren Zugbetrieb auf allen Strecken ermöglicht.“ Der Freistaat habe sich mit der neuen Finanzierungsverordnung auch zum Bahnverkehr auf den Strecken in der Region bekannt und stelle dafür auch in Zukunft viel Geld zur Verfügung, heiß es weiter. „Da ist es kontraproduktiv, wenn DB Netz als Gesellschaft des Bundes dann den Verkehr auf den Strecken im ländlichen Raum nicht sicherstellen kann.“ Bahnkunden in betroffenen Zügen erhalten nach VVO-Angaben eine Entschädigung auf Kulanzbasis, da derlei Vorfälle rechtlich als „höhere Gewalt“ eingestuft würden.

Der Lack ist ab: An den Zügen und am Verhältnis

Eine Sprecherin der DB Netz AG erklärte, die Städtebahn Sachsen fahre auf Strecken, auf denen der Vegetationsrückschnitt entsprechend rechtlicher Vorgaben nach forstwirtschaftlicher Praxis erfolge. „Das Konzept des Vegetationsrückschnitts der DB erfolgt auf Basis des Natur- und Umweltschutzes.“ Bäume an den Strecken würden regelmäßig im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben inspiziert und zurückgeschnitten. Für Neupflanzungen würden ausschließlich tiefwurzelnde Baumarten wie Eiche oder Blutahorn eingesetzt. „Pro Jahr investiert die DB für dieses Programm einen rund dreistelligen Millionenbetrag. Insgesamt sind über 1000 Mitarbeiter im Vegetationsmanagement im Einsatz.“

Die Bahnsprecherin verwies auf Abstimmungen mit Umweltbehörden und anderen Waldbesitzern entlang der Bahnstrecken. Diese müssten ebenfalls sicherstellen, dass keine Bäume auf Bahnanlagen stürzten. Laut der Sprecherin stehe die Deutsche Bahn in Kontakt mit der Städtebahn Sachsen.

Das sieht deren Geschäftsführer Sewerin offenkundig anders: „Der Vorstand der DB Netz AG sowie deren Vertriebs- und Rechtsabteilungen scheinen taub auf Ihren Ohren zu sein“, sagt er. „Mehrfach haben wir in den vergangenen Jahren den desolaten Zustand und die mangelhafte Pflege, sowie den Rückschnitt der Bäume an unseren Strecken angesprochen und schriftlich platziert. Es passiert rein gar nichts – ganz im Gegenteil die Strecken wachsen immer mehr zu, so dass auch der Lack an den Zügen im Außenbereich zerstört wird und das Erscheinungsbild des Unternehmens erheblich leidet.“

Ein Zustand, den Sewerin so nicht weiter akzeptieren will. Mittlerweile hat sein Unternehmen die Aufsichtsbehörde, das Eisenbahnbundesamt eingeschaltet und eine Kanzlei beauftragt, strafrechtliche Haftbarhaltungen des Vorstandes der DB Netz AG zu prüfen. Der habe schließlich Kenntnis von den Vegetationszuständen auf den Strecken der SBS, argumentiert Sewerin.

Die Deutsche Bahn AG sorgt seit Jahren für Schlagzeilen, wenn nach Stürmen und Gewittern selbst auf Hauptstrecken der Verkehr eingestellt wird. Unlängst hatte die Bahn die Höchstgeschwindigkeit ihrer ICE-Züge vorsorglich gedrosselt, weil Schnee angekündigt war. Die Deutsche Bundesbahn warb einst dafür, das „sicherste Antifrostmittel“ zu sein und zeigte in einem Werbespot, wie eine legendäre 103er E-Lok durch Schneegestöber fährt. Die Deutsche Reichsbahn der DDR musste nicht zuletzt wegen der Energieversorgung im Winter funktionieren und Kohlezüge mit Vorrang vor dem Personenverkehr fahren.

Von Lars Müller und Uwe Hofmann

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