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Umland Machtkampf in Ottendorf-Okrilla entschieden: Hauptamtschef muss gehen
Region Umland Machtkampf in Ottendorf-Okrilla entschieden: Hauptamtschef muss gehen
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08:12 23.04.2019
Ottendorfs Bürgermeister Michael Langwald sah sich nun gegen sein Willen zum Handeln veranlasst. Quelle: Archiv/Gemeindeverwaltung Ottendorf-Okrilla
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Ottendorf-Okrilla

Über viele Monate hinweg la­gen der Gemeinderat und der Ottendorfer Hauptamtsleiter über Kreuz – jetzt ist der Machtkampf im Rathaus entschieden. Die Gemeindeverwaltung trennt sich vom langjährigen Hauptamtsleiter Udo Rößler. Beide Seiten haben ei­nen Aufhebungsvertrag unterschrieben. Der Rat hatte zuvor ge­schlossen in ei­­nem Antrag die Abberufung des Amtschefs gefordert.

Abberufung, um weiteren Schaden abzuhalten

Die Gräben zwischen den Ge­meinderäten und dem Amtsleiter hatten sich schon länger aufgetan. Die Räte warfen Udo Rößler Untätigkeit vor – etwa bei dem von dem Gremium in Auftrag gegebenen Konzept für die Kindertagesstätten. Zoff gab es auch wegen der Personalpolitik in den Kitas. Da­rüber hin­aus hätten zahlreiche Mitarbeiter im Rathaus darauf gedrungen, dass für ihre Tätigkeit eine Stellenbeschreibung und Überprüfung ihrer tariflichen Eingruppierungen vorgenommen wird. Doch auch in diesem Fall sei nichts ge­schehen, so die Kritik.

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Um den Jahreswechsel herum war der Streit dann endgültig eskaliert. Konkret ging es dabei um die Pläne für eine neue Kita – und den möglichen Verlust von Fördermitteln, was die Gemeinderäte ebenfalls den Hauptamtschef anlasten. Dessen Abberufung sei daher „er­forderlich, um weiteren Schaden von der Gemeinde Ottendorf-Okrilla ab­zuwenden“, wie es in der Begründung des Antrags hieß.

Bürgermeister äußert Bedauern

Rückendeckung hatte der Verwaltungsleiter unterdessen von seinem Chef, Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) erhalten. Er wies die Vorwürfe als unbegründet zurück, verwies auf „die gute und sehr gute“ Qualität der Arbeit. Doch angesichts des immensen Drucks durch den Gemeinderat war Mi­chael Langwald nichts anderes übrig geblieben, als zu handeln. „Zu meinem großen Bedauern haben wir in beiderseitigen Einvernehmen das Ar­­beitsverhältnis aufgelöst“, er­klärt der Bürgermeister.

Inzwischen ist die Stelle neu ausgeschrieben, bis zum 2. Mai läuft die Bewerbungsphase. Den Schaden, den die Gemeinderäte mit ih­rem Vorgehen abwenden wollten, sieht Michael Langwald nun allerdings eingetreten: „Uns fehlt jetzt ein wichtiger Mitarbeiter, der mit vielen Themen bestens vertraut war. Die Ar­beit müssen nun andere mit erledigen.“ Offen sei außerdem, ob die Gemeindeverwaltung in absehbarer Zeit auch einen entsprechend kompetenten Amtschef finde – angesichts der großen Nachfrage in Sachsens öffentlichen Verwaltungen.

Linke sieht Bürgermeister in der Pflicht

Der Gemeinderat und Medinger Ortsvorsteher René Edelmann (Die Linke) bewertet derweil den Ausgang naturgemäß anders, spricht von einem positiven Ergebnis und hofft nun auf einen guten Neustart. In der Zeit des Übergangs sieht er vor allem den Bürgermeister in der Pflicht, der nun mit anpacken müsse. „Hätte er in der Vergangenheit ge­handelt und seine Mitarbeiter entsprechend angeleitet, wäre diese Si­tuation sicher auch nicht eingetreten“, sagt René Edelmann.

Von Sebastian Kositz