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Umland Kunstverlag „Brück & Sohn“: Nach sieben Generationen ist Schluss
Region Umland Kunstverlag „Brück & Sohn“: Nach sieben Generationen ist Schluss
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15:51 12.07.2019
Im dritten Obergeschoss des Altstadthauses hat Helmut Brück ein Archiv für die vom Verlag herausgegebenen Ansichtskarten eingerichtet. Quelle: Foto Silvio Kuhnert
Meißen

Die Schreibtische sind verwaist, die Regale leergeräumt. Wer die Obergeschosse des Geschäftshauses Burgstraße 1 in der Meißner Altstadt betritt, bekommt derzeit eine Kiste, einen Stuhl oder Sessel in die Hand gedrückt und muss diese die Treppe hinuntertragen, wenn er wieder geht. Früher verließen Kunden das Altstadthaus mit Postkarten, Kalendern und Kunstdrucken.

Bereits Anfang dieses Jahres hat der Kunstverlag „Brück & Sohn“ seine Tätigkeit eingestellt und nahm keine Aufträge mehr an. Nun sind Inhaberin Annette und ihr Ehemann Helmut Brück dabei, das Familienunternehmen abzuwickeln. Wenn sie voraussichtlich Ende dieses Jahres offiziell das Gewerbe abmelden, geht nach 226 Jahren und sieben Generationen die Geschichte eines Familienunternehmen und damit eine Ära in Meißen zu Ende.

Im Jahr 1793 begann die Firmengeschichte.

Mit der Gründungsurkunde aus dem Jahr 1793 begann die Firmengeschichte. Quelle: Silvio Kuhnert

Nach erfolgreich bestandener Meisterprüfung ließ sich Carl Friedrich August Brück 1793 als Buchbinder in der Domstadt nieder. Eine eingerahmte Urkunde zeugt im Büro der Firmenleitung noch heute von der Geburtsstunde des Verlags, der sich auf Kalender und später auf Postkarten spezialisierte. Sein Enkel Otto Julius begann 1885 Ansichtskarten herzustellen. „Er war damit einer der ersten Verleger von Postkarten weltweit“, sagt Helmut Brück, der in die Familie eingeheiratet und den Nachnamen seiner Frau angenommen hat. 33 729 Bilder und Motive sind in 133 Jahren entstanden. Das letzte Postkartenmotiv zeigt eine historische Aufnahme des Firmensitzes sowie die beiden Inhaber. Anlässlich des 225-jährigen Bestehens des Verlages brachten der heute 64- und die 63-Jährige in 2018 die Karte heraus.

Annette und Helmut Brück übernahmen 1987 den Verlag.

Es gehörte zur Familientradition, dass der Verlagsinhaber die Geschäfte an eines seiner Kinder übergibt. „Meine Frau hatte von Kindheit an den Wunsch, das traditionsreiche Unternehmen der Familie eines Tages zu übernehmen und fortzuführen“, berichtet Helmut Brück. 1987 war es soweit. Annette Brück bekam den Verlag von ihrem Vater Dietmar Ernst Albrecht Brück überschrieben.

Als das Ehepaar Anfang 50 war, begannen in der Familie die Überlegungen, wie die Nachfolge geregelt werden soll. Ihr Sohn hatte schon als Kind abgewunken und seine Einstellung nicht verändert. „Er lebt in Berlin und ist als Fotograf viel in Asien unterwegs“, berichtet der Vater. Auch die Tochter wollte die Firma nicht übernehmen. So machten die Eheleute erst einmal weiter.

Die Suche nach einem Nachfolger blieb ohne Erfolg.

Als sie das 60. Lebensjahr überschritten hatten, drängte immer mehr die Frage, wie sie die Nachfolge lösen wollen. An einem Fortbestand war ihnen sehr gelegen. „So kam die Idee, den Verlag zu verkaufen“, berichtet Brück. Es gab zehn Interessenten. „Mit zwei haben wir intensive Gespräche geführt“, informiert er. Doch die Verkaufsverhandlungen blieben erfolglos. So kam der Entschluss, den Verlag geordnet zu schließen. Zuletzt hatte das Ehepaar Brück vier Mitarbeiter.

Der Verlagssitz wird ein Geschäftshaus. Quelle: Silvio Kuhner

Im Verlagsraum stapeln noch einige Kartons mit Adventskalendern. Es handelt sich hierbei um die letzten Aufträge, die von der Druckerei kommen und zu den Kunden versandt werden müssen. Ansonsten ist das Ehepaar dabei, das erste und zweite Obergeschoss des Verlagssitzes auszuräumen, um anschließend zu renovieren. Anfangs wollten sie die Räumlichkeiten zu Wohnungen umbauen lassen. Doch der Brandschutz sprach dagegen, so dass sie den einstigen Verlag nun als Büro- und Geschäftsräume vermieten wollen. Im Erdgeschoss hat sich in das Ladengeschäft der „Papiersalon“ der Dresdner Buchhandlung „Shakespeares Enkel“ eingemietet.

Von dem Verlag wird außer dem Namen an der Straßenfassade nur noch das dritte Geschoss zeugen. Dort wird es ein kleines Firmenmuseum geben, das Interessenten nach vorheriger Anmeldung besuchen und wo sie unter anderem im Postkartenarchiv stöbern können. Bis auf rund 300 Ansichtskarten blieb der gesamte Produktionsfundus erhalten. Nach den fehlenden Motiven wird Helmut Brück im (Un)Ruhestand weiter suchen.

Von Silvio Kuhnert

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