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Umland Künstler in der Trickfilmwelt – DNN-Interview mit Marion Rasche, Kuratorin der neuen Ausstellung im Stadtmuseum
Region Umland Künstler in der Trickfilmwelt – DNN-Interview mit Marion Rasche, Kuratorin der neuen Ausstellung im Stadtmuseum
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08:11 29.11.2018
Kuratorin Marion Rasche weist auf ein Bild von Helge Leiberg (Acryl auf Leinwand, 1996), das in der neuen Ausstellung im Stadtmuseum Pirna zu sehen ist. Quelle: Silvio Kuhnert
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Pirna. Im Stadtmuseum Pirna öffnet am 24. März eine neue Sonderausstellung. Unter dem Titel "Ausflug zum Film – Malerei, Graphik und DEFA-Filmbilder" werden unabhängige bildkünstlerische Arbeiten und Plastiken von bekannten Künstlern wie Jürgen Böttcher, Gerd Mackensen, Helge Leihberg und Gottfried Reinhardt mit ihren Arbeiten für den Animationsfilm gezeigt. Zu sehen sind auch original Filmausschnitte und die Biografien der Künstler. Im DNN-Interview berichtet Kuratorin Marion Rasche, wie die Idee zur Ausstellung entstanden ist, und sie macht auf einige Details der Ausstellung neugierig.

Frage: Wie ist die Idee zur Ausstellung entstanden?

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Marion Rasche: Die Idee entstand bei einem Rückblick auf meine Zeit bei der DEFA. Von 1971 bis 1991 arbeitete ich als Dramaturgin, Autorin, Regisseurin und zum Schluss als Künstlerische Leiterin im VEB DEFA-Trickfilmstudio Dresden. Und als ich die 25 Jahre so Revue passieren ließ, bemerkte ich, dass sehr interessante Künstler im Filmstudio immer wieder tätig waren.

 Wie kam die Ausstellung nach Pirna?

 Da die Filmstudios sich in Dresden befanden und wir aus der Landeshauptstadt kommen, lag es nahe, die Idee in der Region umzusetzen. Die Ausstellung zeigt verschiedene Künstler mit unterschiedlichen Positionen. Ihre Arbeiten wirken nicht, wenn man sie in einem Raum eng aufeinander quetscht. Im alten Kloster in Pirna sind die Bedingungen sehr optimal. Es gibt große Räume. Über drei Etagen können die verschiedenen Arbeiten der Künstler wie Malerei, Grafik und Fotografie im Kontext ihrer filmischen Versuche gezeigt werden. Hinzu kommt, dass Professor Werner Schmidt ein guter Freund von mir war. Ihm trug ich meine Idee einmal vor, und er war gleich ganz begeistert und riet mir, die Ausstellung im Stadtmuseum Pirna zu zeigen.

 Mit der Ausstellung wollen Sie Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen der künstlerischen Arbeit und den Arbeiten für den Film aufzeigen. Bei wem spiegelt sich die künstlerische Handschrift im Trickfilm wieder?

 Eine Kongruenz ist zum Beispiel unschwer bei Gerd Mackensen zu erkennen. Er gestaltete den Zeichentrickfilm "Leben und Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski". Seinen wunderbaren Strich findet man in seinen grafischen Blättern wieder. Die Handschrift ist deckungsgleich. Bei anderen Künstlern ist das nicht der Fall. Zum Beispiel bei Maja Nagel. Für das Trickfilmstudio in Dresden schuf sie den Kindertrickfilm "Die große Reise der alten Schildkröte". Ihre Kinderfiguren unterscheiden sich ganz wesentlich von ihrem künstlerischen Werk. Mit der Ausstellung möchte ich auch zeigen, dass Künstler nicht nur an der Staffelei im Atelier stehen, sondern auch stille Nebenlieben wie eben den Trickfilm haben. Wobei es nicht immer nur bei einer Liebelei blieb. Lutz Dammbeck, heute Professor für Neue Medien an der Hochschule für bildende Künste in Dresden, hat den Film zum Beruf gemacht.

 Ein Reiz ist für Sie, auch Blickpunkte zu öffnen und ins Bewusstsein zu holen. Welche sind dies?

 Jürgen Böttcher ist den meisten Menschen als Dokumentarfilmregisseur bekannt. Allerdings ist vielen noch unbekannt, dass er ein richtig guter Maler ist. Auch, wenn man den Namen Achim Freyer hört oder liest, denkt man sofort an den weltberühmten Opernkünstler. Unbekannt sind dagegen seine frühen Filmarbeiten. Seine Puppenentwürfe lieferten allerdings dem Trickfilmstudio wichtige Impulse.

 Kann man die Trickfilme der Künstler heute noch sehen?

 Normalerweise werden die Filme heute im Deutschen Institut für Animationsfilm aufbewahrt. Für die Ausstellung haben wir vier Programme zusammengestellt, wo wir Filme der Künstler zeigen. Die Termine sind der 5. und 19. Mai, der 7. Juli sowie der 31. August. Interview: Silvio Kuhnert

 Sonderausstellung "Ausflug zum Film – Malerei, Graphik, und DEFA-Filmbilder" bis 31. August im Stadtmuseum Pirna, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Bestandteil der Ausstellung ist die Dokumentation "Filmgespräche" von Marion Rasche, in der die Künstler über ihre Filmarbeit berichten. Diese Dokumentation ist wochentags, 15 Uhr, und sonnabens/sonntags, 11 und 15 Uhr, zu sehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.03.2012