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Umland Krumbholz – der Meister der Ornamente aus Großschönau
Region Umland Krumbholz – der Meister der Ornamente aus Großschönau
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19:32 23.09.2019
Dieser Schreibtisch ist – als Leihgabe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – im Deutschen Damast- und Frottiermuseums zu bewundern. Quelle: C. Ruf.
Dresden

Was für ein Schreibtisch. Eigentlich traut man sich gar nicht, auf dem guten Stück einen Kaffeepott abzustellen oder gar mit Tinte was zu schreiben. Bloß keinen Fleck machen. Der Prunktisch wurde aus Eiche und Nadelholz gefertigt, in Ebenholz furniert und weist auch Einlagen aus Ebenholz sowie geschwärzte Gravuren auf. Der Tisch ist ein Blickfang im Krumbholz-Zimmer des Deutschen Damast- und Frottiermuseums in Großschönauin der Oberlausitz, wobei es sich um eine Leihgabe des Dresdner Kunstgewerbemuseums handelt.

Preise und Medaillen

Geschaffen wurde das gute Stück 1896 von Otto Bernhard Friedrich – basierend auf einem Entwurf von Karl Gotthelf Krumbholz (1819–1907), seines Zeichens nicht nur ausgezeichneter Musterzeichner, sondern auch Autor, Freimaurer, ja sogar Museumsförderer – ein wahrer Tausendsassa! Was den Prunktisch angeht, habe Krumbholz „in Proportion, Material, Ornamentik und eingelegten Bildfeldern ein Meisterwerk der sogenannten Neorenaissance“ entworfen, wie auf der Texttafel vermittelt wird. Krumbholz habe, dem Zeitgeschmack entsprechend, auf die Formensprache von Renaissancemöbeln des 16. Jahrhunderts zurückgegriffen.

Der Tisch wurde auf der Pariser Weltausstellung von 1900 präsentiert, 1907 kam er als Geschenk von Friedrich ins Kunstgewerbemuseum. Friedrich war ein Chemnitzer Kunsttischler, der 1862 die „Kunst- und Luxusmöbel-Fabrik O.B. Friedrich in Dresden gründete, die immerhin 52 Jahre Bestand hatte. Für seine auf nationalen wie internationalen Ausstellungen präsentierten Möbel, die meisten von ihnen im Neorenaissance-Stil (für den hatte man in der Gründerzeit ein absolutes Faible), erhielt er viele Preise und Medaillen.

Krumbholz’ Karriere wiederum begann mit einer Lehre als Musterzeichner – und zwar in seiner Heimatstadt Großschönau, wo am 16. Januar 1819 als drittes Kind des Damastfabrikanten Johann Gotthelf Krumbholz und seiner Ehefrau Johanna geboren worden war. Von Ostern 1836 bis 1839 setzte Karl Gotthelf Krumbholz seine Ausbildung in Dresden an der Zeichen- und Modellieranstalt der Technischen Anstalt fort – vor allem Pflanzenstudien standen im Fokus.

Nach England, Paris und Westfalen

Zurückgekehrt nach Großschönau arbeitete Krumbholz zunächst zwei Jahre als Musterzeichner für die Damastweberei. Danach begab er sich auf Wanderschaft, um seine Fertigkeiten zu vertiefen. Bayern, Belgien, Frankreich waren Stationen. In Lyon arbeitete er vier Jahre als Kompositeur und Musterzeichner, weitere drei Jahre dann in Paris – und zwar in einem Atelier für Seidenweberei. 1847 trat er ein Lehramt im Fach Ornamenten- und Musterzeichnung an der Technischen Bildungsanstalt an, blieb jedoch nicht lange, denn die Wege führten ihn erst nach Bradford in England, dann nach Paris und schließlich nach Elberfeld in Westfalen.

Dann landete er wieder in Dresden, 17 Jahre wirkte er an seiner ehemaligen Ausbildungsstätte, der Königlichen Schule für Modellieren, Ornamenten- und Musterzeichnen, die 1875 dann schlicht in Kunstgewerbeschule umbenannt wurde. Schon früh setzte er sich für die Einführung eines Musterschutzgesetzes ein. Nachdem 1876 dann endlich ein solches Gesetz in Kraft trat, war er im Auftrag des Innenministeriums bei Streitfällen der Textilbranche wiederholt als Sachverständiger tätig.

Immer wieder gab er theoretische Schriften heraus, als da wären etwa Publikationen wie „Pflanzenstudien nach der Natur“, „Mode und Prinzip“ oder auch „Ornamentteile und Ornamente der italienischen Renaissance“. Für das Ornament brach Krumbholz wieder und wieder eine Lanze, Adolf Loos’ apodiktisches wie selbstgefälliges Credo „evolution der kultur ist gleichbedeutend mit dem entfernen des ornamentes aus dem gebrauchsgegenstande“ lag noch in weiter Ferne. 1880 trat Krumbholz aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand, u. a. wurde er dabei mit dem Ritterkreuz 1. Klasse des Albrechtsordens bedacht.

Krumbholz Vermächtnis fällt der Inflation zum Opfer

Offensichtlich war die Liebe zur Heimat nie erloschen, jedenfalls setzte er sich in Großschönau zur Ruhe. Er engagierte sich für seine Heimatstadt, 1905 spendete er 8660 Mark für die Gründung des Großschönauer Museums, ihm zu Ehren „Krumbholz-Museum“ genannt. Zudem verfügte er testamentarisch, dass nach seinem Tod die Großschönauer Infrastruktur gefördert, die Jugend weitergebildet und die Armen unterstützt werden sollten.

Und da von nichts nun mal nichts kommt, ließ er nach dem Tod, der am 9. Juli 1907 im Alter von 89 Jahren eintrat, seiner Heimatgemeinde 49.100 Mark für wohltätige Zwecke zukommen.

Vom Kuchen bekamen viele etwas ab. 2500 Mark gingen als Krumbholzfonds an die Freiwillige Feuerwehr Großschönau für kranke Wehrleute, über 1000 Mark zur Unterstützung Armer „besonders während des Winters“ durfte sich der Frauenverein freuen. Auch nach Dresden floss ein kleines Sümmchen – 300 Mark an den Tierschutzverein zur „Bekämpfung der sogenannten wissenschaftlichen Tierfolter“. Von Krumbholz Vermächtnis profitierten viele Stiftungen, die dann aber später ein Opfer der Inflation wurden.

Von Christian Ruf

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