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Umland Wie eine Kleinnaundorferin ihr Leben nach dem Krebs umkrempeln will
Region Umland

Krebsdiagnose: Yvonne Heibertshausen sammelt Spenden für ihren Traum

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11:00 20.11.2020
Yvonne Heibertshausen hat sich ihrer Erkrankung gestellt, musste dabei aber manchen Rückschlag ertragen. Quelle: privat
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Kleinnaundorf

2020 stellt das Leben von Yvonne Heibertshausen auf den Kopf. Corona ist dabei das kleinere Problem. Im Februar begibt sich die 40-Jährige mit starken Blutungen ins Dresdner Diakonissenkrankenhaus. Die Mediziner führen eine Ausschabung durch und beruhigen Yvonne Heibertshausen. „Die Ärzte führten meine Blutungen auf die in der Gebärmutter vorhandenen harmlosen Myome zurück“, erinnert sie sich.

Doch es kommt anders: Nur wenige Tage nach dem ambulanten Eingriff klingelt das Telefon von Yvonne Heibertshausen. Der histologische Befund zeige veränderte Zellen, sie solle in die Sprechstunde kommen. „Da war mir bereits klar, dass es Krebs sein könnte“, berichtet sie. Die Ärzte bestätigten ihre Vorahnung. Diagnose: Gebärmutterhalskrebs. Da sich Yvonne Heibertshausen schon vorher mit dieser Möglichkeit auseinandergesetzt hatte, reagiert sie ruhig und wenig überrascht. Die Realität holt sie wenig später ein: „Als ich meiner Familie davon erzählte, bin ich emotional zusammengebrochen“, sagt sie.

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Lehrerberuf war passé

Doch Yvonne Heibertshausen stellt sich ihrer Erkrankung. Wie sie selbst sagt, sei sie stets positiv mit der Diagnose umgegangen und habe sogar Freundschaften im Krankenhaus geknüpft. Erst, als sie die vierte Operation über sich ergehen lassen muss, verlässt sie der Mut. Ihr wird die Gebärmutter entnommen, dabei finden die Ärzte eine Metastase. Für Yvonne Heibertshausen bedeutet das Chemotherapie und Bestrahlung. „Ich hatte große Angst vor der Therapie“, sagt sie. Als wären die heftigen Nebenwirkungen nicht schon schlimm genug, muss sie das Ganze auch noch allein durchstehen. „Wegen Corona und des Lockdowns konnten mich meine Eltern nur aus der Ferne unterstützen“, sagt Yvonne Heibertshausen.

Die Krebserkrankung macht der 40-Jährigen nicht nur Angst, sie löst auch etwas anderes in ihr aus. Denn schon lange ist Yvonne Heibertshausen unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation. „Ruhelos“ nennt sie es. Ihre Karriere beginnt schon während der Uni. Sie studierte damals Lehramt für das Gymnasium in den Fächern Mathe und Französisch. „Ich merkte recht bald, dass das nicht das Richtige für mich ist“, erinnert sie sich. Trotzdem blieb sie dran und suchte sich einen Nebenjob bei einem Dresdner Programmkino. Dort wurde Yvonne Heibertshausen nicht nur im Service eingesetzt. Ihr Mathematik-Studium ermöglichte ihr auch Arbeiten im Bereich Buchhaltung. „Im Laufe der Zeit habe ich immer mehr Aufgaben und Verantwortung übernommen und mir wurde eine Festanstellung angeboten“, berichtet sie. Es folgten 15 Jahre Arbeit am Kino. Der Lehrerberuf war passé. „Vor drei Jahren habe ich mich dann selbstständig gemacht und für verschiedene Dresdner Veranstalter gearbeitet“, erzählt die 40-Jährige. Und dann kam die Diagnose Krebs.

Das Lehren hat sie nie ganz losgelassen

Wenn Yvonne Heibertshausen heute auf ihr Arbeitsleben zurückblickt, weiß sie, dass sie schon lange unzufrieden war. Der Wunsch, als Lehrerin zu arbeiten, schlummerte immer noch in ihr. Jedoch nicht am Gymnasium, sondern an einer Grundschule. Vor allem aus finanziellen Gründen habe sie sich nicht getraut, noch einmal zu studieren. Bis jetzt. „Erst im Krankenhaus gab es einen Moment, der wie eine Eingebung war. Ich war mir so sicher wie noch nie, dass ich meinen Wunsch verfolgen sollte und mich für ein Grundschullehramtsstudium bewerben muss“, sagt sie.

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Seit Oktober studiert Yvonne Heibertshausen nun Grundschullehramt an der TU Dresden. Der Grund ist ganz einfach: Sie liebt es, mit Kindern zu tun zu haben. „Ich selber habe keine Kinder, liebe es aber, wenn zum Beispiel die Nachbarkinder um mich herum sind, wenn wir gemeinsam Dinge unternehmen und ich ihnen die „Welt erklären“ kann“, sagt sie. Auch das Lehren hat sie nie ganz losgelassen. Schon während der Abitur-Zeit gab sie ihren Mitschülern Nachhilfe oder unterrichtete privat Gitarre. Im Kino hatte sie nach eigenen Aussagen am meisten Spaß daran, neue Mitarbeiter einzuarbeiten.

Kein Anspruch mehr auf Bafög

Yvonne Heibertshausen ist inzwischen krebsfrei. Dennoch raten ihr die Ärzte dringend von einem Nebenjob ab. Aufgrund ihrer Erkrankung zählt sie zur Corona-Risikogruppe und soll direkten Kontakt zu anderen Menschen meiden. Im Studium klappt das gut, denn die meisten Veranstaltungen finden aufgrund der Pandemie online statt. Das löst jedoch nicht das finanzielle Problem: „Leider haben Studenten meines Alters keinen Anspruch mehr auf Bafög, Hartz 4 oder ermäßigte Krankenversicherung“, sagt Yvonne Heibertshausen. Um weiter an ihrem Traum festhalten zu können, sammelt sie deshalb Geld mithilfe einer Spendenkampagne. Insgesamt benötigt sie 10 000 Euro für Lebenshaltungskosten wie Miete, Nahrungsmittel und für die Krankenversicherung. 340 Euro sind bereits gespendet worden.

Yvonne Heibertshausen hofft, dass sie Unterstützer findet, damit sie ihren Traum verwirklichen kann. Aktuell ist ihr Immunsystem von den Therapien noch sehr geschwächt und ihre Beine ermüden schneller, als sie es gewohnt ist. Doch davon lässt sie sich nicht entmutigen. Die 40-Jährige blickt positiv in die Zukunft und will nach Ende ihres Studiums endlich ihren Traum leben und Kinder unterrichten.

Hier kann gespendet werden: de.gofundme.com/f/studium-als-neuanfang

Von Lisa-Marie Leuteritz