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Umland Kampf um den Bus: Petition zum Erhalt der Direktverbindung Radeburg-Klotzsche
Region Umland Kampf um den Bus: Petition zum Erhalt der Direktverbindung Radeburg-Klotzsche
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10:00 18.09.2018
Medingens Ortsvorsteher René Edelmann ist mit den Plänen für die künftige Linienführung nicht zufrieden. Er fordert Nachbesserungen – und hat mit seinen Mitstreitern dafür bereits fast 1700 Unterschriften gesammelt. Quelle: Dietrich Flechtner
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Ottendorf-Okrilla

Wenn gar nichts mehr geht, kommt die Polizei. Weil sie sich nicht mehr anders zu helfen wussten, schalteten Eltern und Schulvertreter vor eineinhalb Jahren die Sicherheitskräfte ein. Die Beamten stoppten da­rauf hin ei­nen rappelvollen Bus der Linie 308, der mit Dutzenden Schulkindern von Medingen nach Radeburg unterwegs war. Es war der vorläufige Gipfel im Gezerre um ein besseres Angebot auf der als Pro­blem­li­nie verschrienen Verbindung zwischen Radeberg, dem Dresdner Norden und Ra­deburg. Doch ei­ne Lösung zu finden, das ist offenbar al­les andere als einfach, wie nun der neueste Knatsch um den Bus im nördlichen Dresdner Speckgürtel zeigt.

Schulkinder wurden stehen gelassen

Doch der Reihe nach. Bereits seit mehr als sechs Jahrzehnten rollt zwischen Ra­de­burg und Weixdorf ein Linienbus, bindet unter anderem auch Großdittmannsdorf und Medingen mit an. Alles Orte, die unabhängig von ihrer heutigen Zugehörigkeit zum Kreis Meißen, Bautzen oder zur Stadt Dresden traditionell miteinander eng verbunden sind. Viele Kinder aus Medingen, einem Ortsteil der Gemeinde Ottendorf-Okrilla, lernen nicht an der Oberschule im Hauptort, sondern pendeln nach Radeburg – oder zum Gymnasium nach Klotzsche. Der Bus bringt auch ältere Menschen zum Arzt nach Dresden, schildert Medingens Ortsvorsteher René Edelmann (Die Linke). Die Linie 308 ist quasi das Rückgrat im Nahverkehr für die Re­gion allgemein und Medingen speziell.

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Doch mit der Buslinie 308 gibt es schon länger enorme Problem. Sie ist zu lang, fährt unterwegs buchstäblich im Zickzack jede Milchkanne am Straßenrand an. Für Au­ßenstehende ist das Geflecht mit Ne­ben­routen und variierenden Abfahrts- und Zielorten ohnehin kaum zu durchschauen. Und: Oft wird das Angebot dem Bedarf nicht gerecht, vor allem im Schülerverkehr: Weil die Bus­se ständig überfüllt sind und sogar schon Kin­der stehen gelassen wurden, rief ge­nau das die Verkehrspolizei auf dem Plan, die kontrollieren sollte, dass der Bus nicht zu voll ist.

Seit Jahren machen Vertreter aus Me­dingen und anderen betroffenen Kommunen und Schulen Druck auf die Be­hörden. Mit Erfolg. Zuständig für die Be­stellung des Busverkehrs ist im Fall der Linie 308 das Landratsamt in Bautzen. Dort hatten die Verantwortlichen die Linie und den Be­darf bis ins Detail unter die Lupe ge­nommen und vor einigen Monaten eine Lö­­sung präsentiert. Doch von diesen Plänen sind die Medinger nicht begeistert. „Die seit Jahrzehnten bewährte Busverbindung durch Medingen wird zerschnitten, viele müssen dann umsteigen, das macht den Nahverkehr unattraktiv“, kritisiert Ortsvorsteher René Edelmann.

Praktisch, so formuliert es der Politiker, bleibt von der Linie 308 im Dorf nicht viel übrig. Denn die Pläne se­hen vor, dass die Linie 318 künftig die Route von Radeburg über Medingen nach Ottendorf-Okrilla fährt. Die Linie 317 wür­de von Ot­tendorf über Medingen nach Weix­dorf fahren. Zwar steuern die Busse einige ge­meinsame Bereiche in Medingen an. Die Be­wohner der Siedlung in Hufen beispielsweise verlieren damit aber ihre Di­rekt­verbindung nach Radeburg, weil die Linie 318 den Süden des Orts links liegen lässt. Zu­dem soll die Verbindung von Medingen nach Hermsdorf wegfallen – wo der Zug in Richtung Dresden fährt.

Hoffen auf „planerische Weitsicht“

Nur in den Morgenstunden sollen zwei Direktfahrten für Schüler in Richtung Ra­deburg und Klotzsche erhalten bleiben. „Durchgängige Rückfahrten sind für die Ober­schüler nicht vorgesehen“, so René Edelmann. Kinder aus Hu­fen müssten auf dem Heimweg in Me­dingen um­steigen. Und auch das ist laut vorliegendem Fahrplankonzept mit längeren Wegen zwischen den Haltestellen und langen Wartezeiten verbunden. Das sei weder Schulkindern noch äl­teren Leuten zuzumuten.

„Es war von Anfang an unsere Forderung, dass das Angebot durch eine Überarbeitung nicht schlechter wird“, sagt der Ortsvorsteher. Zwar gebe es, auch das be­tont René Edelmann, eine Stärkung der Verbindung zwischen Medingen und Ot­tendorf. „Wir wollen aber auch das behalten, was wir haben.“ Deshalb stellten die Me­­dinger eine Petition zum Erhalt der Linie 308 von Radeburg über Medingen nach Dresden auf die Beine, sammelten inzwischen fast 1700 Unterschriften. „Un­terschrieben haben Menschen aus dem Ort, aber auch aus Radeburg und Klotzsche“, sagt René Edelmann. Die Listen mit den Unterschriften haben die Medinger am Montagnachmittag in Bautzen an den Landrat Michael Harig (CDU) übergeben.

In Bautzen zeigen sich die zuständigen Mitarbeiter allerdings bereits im Bilde – und kündigen Nachbesserungen an. „Die Entwürfe zur Buslinie wurden mit den Ge­meinden und Schulen diskutiert und es stellte sich heraus, dass noch einige Nachbesserungen erforderlich sind“, er­klärt Landratsamtssprecherin Dunja Reichel auf Nachfrage. Die Untersuchungsergebnisse aus dem Bereich würden ins Konzept für den Kreis eingearbeitet.

Das soll Ende 2019 vorliegen und als Basis für die Ausschreibung des Busverkehrs ab 2022 dienen. Mit dem Fahr­plan­wechsel Ende 2018 werde es zunächst kei­ne Änderungen auf der Linie 308 ge­ben, so die Sprecherin. Für René Edelmann und die Medinger heißt es also ab­warten und hoffen – auf planerische Weitsicht, wie es der Ortsvorsteher formuliert. „Damit wir in Zukunft den Bussen nicht von Weitem hinterherschauen müssen.“

Von Sebastian Kositz