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Umland Kalter Krieg verdient kein Denkmal
Region Umland Kalter Krieg verdient kein Denkmal
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08:33 11.03.2019
Im Gelände deutlich sichtbar, aber kaum bekannt: Der frühere Atombunker bei Bischofswerda führt ein verborgenes Dasein. Quelle: Uwe Menschner
Bischofswerda

Die Liste der in der Stadt Bischofswerda registrierten Denkmäler umfasst weit mehr als 300 Positionen. Der Evabrunnen und das Rathaus gehören dazu, zahlreiche Wohnhäuser im gesamten Stadtgebiet, viele davon mit Klinkerfassade oder Korbbogenportal,

der Tierpark, der Bahnhof und das Postamt sowie zahlreiche Grabmäler auf den städtischen Friedhöfen. Der Status als Denkmal ist – das wissen die Eigentümer sehr genau – im Falle eines geplanten Bauvorhabens oder auch nur einer kleinen Veränderung mit erheblichen Erschwernissen verbunden. Andererseits besteht aber auch weitgehende Einigkeit darüber, dass wichtige Zeugnisse der Vergangenheit erhalten bleiben müssen.

Pressevertreter aus der ganzen Welt reisten an

Zu dieser Vergangenheit zählt freilich nicht nur die Zeit des Klassizismus, die ja gerade Bischofswerda besonders prägte. An einem ganz bestimmten Tag streifte der Hauch der Weltgeschichte die ostsächsische Kleinstadt mehr als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt: Am 24. Februar 1988 verließen die zuvor in der Nähe stationierten Atomraketen des Typs SS 12 der sowjetischen Armee von hier aus die DDR.

Pressevertreter aus der ganzen Welt waren angereist, um zu beobachten, wie der Ostblock die Bestimmungen des so genannten INF-Abkommens erfüllte, der die Vernichtung aller landgestützten Mittelstreckenraketen durch die USA und die Sowjetunion vorsah. Eben jenes INF-Abkommens, das derzeit durch den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump infrage gestellt wird.

„Vier einsatzbereite Mehrfachsprengköpfe lagerten dort“

Zeugnisse dieser Geschehnisse sucht man allerdings auf der Bischofswerdaer Denkmalliste vergeblich. Obwohl es sie noch gibt – in Form eines Lagerbunkers, wie sie auch – weitaus bekannter – im nahe gelegenen Taucherwald in der Gemeinde Burkau noch vorhanden sind. Er versteckt sich im Wald am Rande des Gewerbegebietes Bischofswerda-Nord, welches sich auf dem Gelände der früheren sowjetischen Kaserne befindet und das die Stadt gern erweitern möchte. Im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung für das entsprechende B-Plan-Verfahren haben die Bischofswerdaer Bürger Sigrun und Falk Nützsche jetzt auf dieses Relikt des kalten Krieges aufmerksam gemacht.

„Der Atomkopf-Lagerbunker in der Bischofswerdaer Kaserne war ständig in Nutzung“, schreiben sie. „Vier einsatzbereite Mehrfachsprengköpfe lagerten dort in einem rotierenden System im Austausch mit den Sprengköpfen im Taucherwald sowie den zugehörigen Einheiten.“ Dieser Ort sei der NATO bekannt gewesen und habe daher als „vorrangiges Angriffsziel für Kernwaffenschläge“ gegolten.

Antrag auf Unterschutzstellung eingereicht

„Das in Bischofswerda zurückgelassene Relikt – ein oberirdischer Bunker, verfüllt mit Abrisssteinen der Kaserne – ist im Gelände deutlich sichtbar, aber kaum bekannt. Es sollte zugänglich gemacht und nachkommenden Generationen als Mahnmal für den Frieden erhalten werden“, fordern Sigrun und Falk Nützsche. Bereits im März 2018 haben sie daher bei der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Bautzen einen Antrag auf Unterschutzstellung eingereicht.

Die Stadt Bischofswerda als Herrin des B-Plan-Verfahrens sieht hinsichtlich dieses Anliegens keinen Handlungsbedarf: „Der ehemalige Bunker befindet sich nicht im überbaubaren Bereich des Bebauungsplanes, sondern im als Wald festgesetzten Randbereich“, schreibt Bauamtsleiter Holger Berthel im Abwägungsbeschluss.

Im Gelände deutlich sichtbar, aber kaum bekannt

Und weiter: „Mit der Prüfung durch die untere Denkmalschutzbehörde ist dem Anliegen ausreichend Rechnung getragen.“ Zwischenzeitlich hat diese Prüfung stattgefunden – allerdings mit einem für Sigrun und Falk Nützsche enttäuschenden Ergebnis: Die amtlichen Denkmalschützer kommen zu der Einschätzung, dass die Anlage „keine ausreichende historische Aussagefähigkeit mehr besitzt“ und daher nicht schützenswert sei. Anders als jedes x-beliebige Wohnhaus aus dem 19. Jahrhundert, sofern es nur über eine Klinkerfassade oder ein Korbbogenportal verfügt.

Von Uwe Menschner

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