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Umland Junger Bauer führt die 100 Jahre alte Familientradition in die Bio-Zukunft
Region Umland Junger Bauer führt die 100 Jahre alte Familientradition in die Bio-Zukunft
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11:25 27.12.2018
Bauer Clemens Risse ist erst dann zufrieden, wenn es seinen Rindern gut geht. Das gehört zu seiner Art nachhaltiger Landwirtschaft. Quelle: Lars Müller Quelle: Lars Müller
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Niederau

Clemens Risse schaltet den Strom ab und versetzt den Weidezaun in der Nassau vor den Toren Meißens. Neun braune Mutterkühe kommen gemütlich angetrottet und beginnen sofort zu fressen. Den jungen Bauern würdigen die Tiere im Alter zwischen zwei und zehn Jahren nur im Vorbeigehen eines kurzen Blickes. Man kennt sich ja schließlich. „Es ist wohl das letzte frische Gras dieses Jahr, dann geht es in den Stall.“ Clemens Risse sagt es so halblaut, als sollten es die Kühe mithören.

Seit genau 100 Jahren ist der Bauernhof in Gröbern, einem Ortsteil von Niederau, in Familienbesitz. Sein Ururgroßvater hat ihn 1918 erworben. Clemens Risse, 26 Jahre alt, wuchs in der kleinen Landwirtschaft auf. Er ist Bauer mit Leib und Seele und von Kindesbeinen an. Dabei machen Ackerbau und Viehzucht nur einen Teil – wenn auch den größten – in seinem Leben aus. Eigentlich studiert der junge Familienvater nämlich Geografie und Wirtschaft auf Lehramt Oberschule.

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„Wir machen es eigentlich so, wie wir es von unseren Großeltern gelernt haben.“

„Wir bewirtschaften derzeit eine Fläche von 27 Hektar, 17 Hektar davon sind Eigentum“, sagt Risse. Um als Familienbetrieb ein sicheres Auskommen auch in klimatisch schlechteren Jahren zu erwirtschaften, seien 70 bis 80 Hektar nötig. „Es wird erst einmal nur zweigleisig zu machen sein“, sagt der Bauer und angehende Lehrer, dessen Freundin Romy Landwirtschaft studiert und wie der Rest der Familie das ganze Jahr über mit anpackt. Der trockene und heiße Sommer 2018 sei zwar eine Herausforderung, mit etwas öfterem Umsetzen der Tiere aber zu meistern gewesen, sagt er. Klagen liegt ihm nicht, schließlich muss er mit der Natur leben.

Risse ist Demeter-Bauer, bewirtschaftet seine Flächen also nach strengen biodynamischen Regeln. Das macht er aber nicht, weil Bio gerade schick ist und ein einträgliches Geschäft verspricht, sondern aus tiefer Überzeugung. „Wir machen es eigentlich so, wie wir es von unseren Großeltern gelernt haben.“ Nachhaltigkeit ist dem jungen Bauer wichtig. Die Böden regenerieren sich von selbst, gedüngt wird nur natürlich und nicht mit synthetischer Chemie. Zwischen seinen Äckern und den konventionell bewirtschafteten Nachbarfeldern hat er sechs Meter breite Grünstreifen als Schutz vor Abdrift angelegt. Dort wird das Grün gemulcht, wirtschaftlich hat er von den Flächen keinen Nutzen.

Bekommt er neue Äcker oder Weiden, dauert die Umstellung drei Jahre. In dieser Zeit, so der aktuelle Stand der Agrarwissenschaft, haben sich Rückstände von Pflanzenschutz- und Düngemittel abgebaut. Die aufwendige Demeter-Zertifizierung bringt dem Landwirt auch nützliche Kontakte zu Gleichgesinnten, betont er. Konventionell arbeitende und meist ältere Bauern in der Nachbarschaft stehen dem Jungspund mit seiner Bio-Philosophie eher kritisch gegenüber, räumt er ein. Risse pflegt alte Tugenden der Landwirtschaft, ist aber dabei aber ganz und gar nicht weltfremd oder altmodisch – im Gegenteil, er denkt schon für die nächste Generation voraus.

Bald gibt es auch einen Hofladen

Das Hauptaugenmerk legt der junge Landwirt derzeit auf seine Rinder. Die Herde ist in den vergangenen Jahren auf knapp 20 Kühe und einen Zuchtbullen angewachsen. Ab Januar werden wieder Kälbchen erwartet, dann wacht der Bauer auch nachts im Stall. Komplikationen seien nie gänzlich auszuschließen, sagt er. Das Wohl der Tiere, die alle einen Namen haben, ist ihm wichtig. Er setzt auf die gutmütige Rasse Simmentaler Fleckvieh. Selbst der Bulle ist so gelassen, dass er im Beisein des Bauern Fremde auf der Weide duldet. Der Charakter der einzelnen Tiere ist ihm wichtig. Zu temperamentvolle oder zu Streit neigende Kühe brächten die Herde aus der Ruhe, was er nicht braucht. Clemens Risse weiß, es wäre nicht klug für einen Menschen mit 80 Kilogramm, wenn er sich mit einer 700 oder 800 Kilo schweren Mutterkuh anlegte.

Auf seinen Äckern erzeugt Risse Kartoffeln, Möhren, Getreide und eben auch Stroh für die Kühe. Demnächst plant er einen eigenen Hofladen einzurichten. „Hierfür muss ich noch einiges investieren, insbesondere um gesetzliche Voraussetzungen für Hofschlachtungen zu schaffen“, sagt er. Transporte zum Schlachthaus seien unnötiger Stress für die Tiere. Und das sei auch der Fleischqualität abträglich. Außerhalb der Bio-Zertifizierung experimentiert Clemens Risse noch mit der für seinen Betrieb besten Hühnerrasse, die Fleisch und Eier bringt. Natürlich lässt der Bauer auch ausgebrütete Hähnchen am leben und mästet sie bis zur Schlachtreife.

http://www.bauernhof-risse.de

Von Lars Müller