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Umland Jens Kuhbandner bekommt Radebeuler Kunstpreis
Region Umland Jens Kuhbandner bekommt Radebeuler Kunstpreis
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07:59 19.10.2018
Jens Kuhbandner hat derzeit von Messe zu Bürgerladen viele Bücher zu schleppen. Am Sonnabend bekommt er den Kunstpreis in die Hand gedrückt. Quelle: Anja Schneider
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Radebeul

Jens Kuhbandner muss derzeit viel sprechen. Das war vergangene Woche schon so, als er auf der Frankfurter Buchmesse den Interessierten das Programm seines Notschriften-Verlags vorstellte. In dieser Woche hat er seinen gemütlichen Verlagsraum im Pfarrhaus der Friedenskirchgemeinde verlassen und ist gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Dorothee Kuhbandner, in den Bürgerladen an der Bahnhofsstraße gezogen. Auch dort geht es darum, Gespräche mit Besuchern zu führen. Nur am Sonnabend, da kann sich Jens Kuhbandner einmal ganz entspannt zurücklehnen und zuhören. Den lobenden Worten des Radebeuler Dichters Thomas Gerlach etwa und denen von Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Denn am Sonnabend wird Kuhbandner auf Schloss Wackerbarth mit dem Radebeuler Kunstpreis geehrt, einer inzwischen alle zwei Jahre vergebenen und mit 2500 Euro dotierten Auszeichnung.

Der 49-Jährige wird als „Verleger, Autor und Kulturinitiator“ geehrt – so steht es auf der Einladung. Dreht man die Reihung um, bekommt man so etwas wie einen roten Faden für den Werdegang Kuhbandners. 1992 rief der damalige Student gemeinsam mit anderen den Noteingang ins Leben. „In meinem Freundeskreis hatte schon zu DDR-Zeiten jeder irgendwelche Projekte, hat einen Film gedreht, mit Puppenspiel angefangen – irgendwas“, sagt Kuhbandner. Mit der Wende fehlten dafür auf einmal die Räume, weil die Kulturhäuser reihenweise zumachten. „Deswegen haben wir eine eigene Plattform gegründet und sie Noteingang genannt“, sagt Kuhbandner. „Wir wollten dem kulturellen Sterben etwas engegensetzen.“

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Das taten sie mit Musik, Performances, schrägen Sachen, die damals alle eine Wirkung in die Stadt hinein entfalteten. Lesungen gab es auch, unter dem Titel Notschriften. Kuhbandner war nicht nur einer der Veranstalter, sondern trug auch eigene Texte, Gedichte vor. Irgendwann hatte er die Idee, Notschriften-Texte im Copyshop in kleiner Auflage drucken zu lassen und dann in Wellpappe zu binden. „Das waren 30 Exemplare, die im Freundeskreis verteilt wurden“, erinnert er sich an diese Inkunabeln des Notschriften-Verlags. Den hob der rührige Kuhbandner gemeinsam mit einem stillen Teilhaber 1996 aus der Taufe, als ein Projekt unter vielen. Der Dresdner Musiker Bert Stephan verschaffte ihm dann den ersten Titel in größerer Auflage, 1998 war das. „Er sprach mich an und sagte, dass er sein Buch bei mir herausbringen will“, sagt Kuhbandner. Beide kannten sich von Veranstaltungen im Noteingang, wo Stephans Band „Die Rockys“ mit Olaf Schubert am Schlagzeug ihre ersten Auftritte hatte.

„Der Tisch der Frauen“ gehört heute noch zum Verlagsprogramm, bei Weitem nicht der einzige Titel, den der Einzelkämpfer Kuhbandner – er macht Layout, Satz und Marketing allein – mit großen Erfolg auf den Markt gebracht hat. Viel Resonanz hatte Tommy Lehmanns „Allein auf der Elbe“, für „Transit – Illegal durch die Weiten der Sowjetunion“ gab es 2010 von Globetrottern einen Preis fürs Reisebuch des Jahres. 2001 brachte Kuhbandner einen Radebeul-Bildband mit eigenen Fotografien auf den Markt. „Das war damals eine Marktlücke. Heute wird das Buch immer noch gekauft“, sagt er. Vielleicht gibt es bald den nächsten Band. „Ich bin dabei, neuere Fotografien zu sichten.“

Derzeit hat der Notschriften-Verlag mit der Übersetzung von Mat Oxleys „Gestohlene Geschwindigkeit“, das zu DDR-Zeiten auf dem Sachsenring spielt, großen Erfolg. Markenzeichen sind aber vor allem Regionalia von gehobenem Anspruch, etwa von Tine Schulze-Gerlach und Thomas Gerlach (beide übrigens ihrerseits Kunstpreisträger). Für sie findet der Notschriften-Verlag auch dankbare Abnehmer in den Buchhandlungen der Region. Wie sucht er Autoren? „Ich bekommen inzwischen viele Angebote, muss manches ablehnen“, sagt er. Wird das nicht irgendwann zu viel? „Nein. Der Verlag ist für mich Hobby, Leben, Arbeit. Das kann man gar nicht trennen.“

Von Uwe Hofmann

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