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Umland Heidenauer Kleingärtner haben Angst um ihre Parzellen
Region Umland Heidenauer Kleingärtner haben Angst um ihre Parzellen
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15:48 10.08.2018
Blick auf eine Kleingartenanlage. Quelle: ZB
Heidenau

Beinahe jeden Tag ist er in seinem Kleingarten in der Heidenauer Anlage „Schöne Aussicht“, erzählt Lothar Gernegroß. Seit nunmehr 50 Jahren pflegt der emsige Rentner seine Parzelle an der Zschierener Straße. Er hängt sehr an seinen Obstbäumen, den Sträuchern und Blumenbeeten. Doch nun hat der 80-Jährige zum ersten Mal Angst um seinen Garten.

Das bange Warten auf ein Zeichen

Seitdem der Vorbesitzer, die Immobiliengesellschaft MS Gartenreich, die 90 Parzellen große Kleingartensparte am 4. Juni versteigern ließ, herrscht Ungewissheit. Mehr als zwei Monate sind verstrichen, und noch immer warten die Kleingärtner auf ein Zeichen. Sie wissen weder, wer ihr neuer Eigentümer ist, noch was er mit der Gartenanlage vorhat. Das Auktionsbüro der Sächsischen Grundstücksauktionen AG gibt sich dahingehend weiterhin bedeckt. „Wir haben keine Ahnung, was nun kommt, das bereitet uns natürlich Sorgen. Viele Pächter sind verunsichert. Wir wollen unsere Gärten auf keinen Fall verlieren“, sagt Gernegroß. Schwacher Trost für ihn und die Gärtner im Verein „Schöne Aussicht“: Sie sind mit ihrem Schicksal nicht allein.

Denn den Mitgliedern zweier weiterer Kleingartenvereine im Umkreis geht es derzeit nicht viel besser. So etwa den Pächtern der Kleingartenanlage „Elbtalblick“ in Graupa. Die Anlage mit 34 Parzellen kam auf derselben Auktion für rund 39 000 Euro unter den Hammer. Und auch ein kleiner Teil der Heidenauer Kleingartensparte „Borsbergblick“ wurde verkauft.

Lothar Gernegroß, Vereinsmitglied im Gartenverein "Schöne Aussicht", hat Angst um seinen Garten. Quelle: Junes Semmoudi

Von den neuen Eigentümern wissen die Kleingärtner allesamt noch nichts, selbst der TerritorialverbandSächsische Schweiz“ der Gartenfreunde hat keine Auskunft. „Es ist derzeit viel Bewegung zu spüren, was die Kleingärten im Umkreis angeht. Mehr können wir nicht sagen“, so Susanne Russig, Vorsitzende des Territorialverbandes, der allein in Heidenau 16 Gartensparten verwaltet.

Territorialverband gibt sich optimistisch

Über zwei Monate ist die Auktion nun her – genug Zeit, damit Gerüchte wie die Sommerblumen in den verkauften Kleingartenanlagen sprießen. Gernegroß fürchtet etwa, dass der neue Inhaber die Pacht erhöht. „Viele Rentner können die Summe dann nicht mehr stemmen“, meint der Hobbygärtner. „Wenn man den Garten verlieren würde, den man bereits seit einer Ewigkeit pachtet, wäre das schon wirklich dramatisch.“

Dramatisch wäre wohl auch, wenn der Eigentümer die Gartenfläche bebauen lassen würde. „Es wird ja immer mehr Raum für Wohnungen und Gewerbe gesucht“, weiß Russig. „Der Speckgürtel von Dresden ist für Grundstücksspekulanten sicher nicht uninteressant, denn hier ist viel Land preiswert zu erwerben.“

Zumindest vorerst sieht sich der Territorialverband aber auf der sicheren Seite. Schließlich sollen die betroffenen Vereinsgrundstücke laut Entwurf des städtischen Flächennutzungsplans weiterhin als Grünland und nicht als Baugrund genutzt werden. Außerdem liegt der Stadt Heidenau derzeit keine Sonderverfügung zur Umnutzung der Gartenfläche vor. Und laut Angaben der Stadtverwaltung ist davon auszugehen, dass sich für die Hobbygärtner auch weiterhin nichts ändern wird.

Ob es tatsächlich beim Status quo bleibt, wird sich zeigen. „Wir können die Situation momentan nur aussitzen und auf unser Recht pochen. Mal sehen, wie weit wir damit kommen“, sagt Steffen Donnerhack, Vorsitzender des Kleingartenvereins „Schöne Aussicht“. Wenn es sein muss, würde Donnerhack einen Rechtsstreit eingehen, um die Gärten zu schützen. Das sei er den Mitgliedern schuldig, meint der Vereinschef.

Auch Naturschutzorganisationen wie der BUND und der NABU könnten im Ernstfall ein gutes Wort für den Erhalt der Gartenanlage einlegen. Das jedenfalls hofft Donnerhacks Stellvertreter, Knut Teske. „Hier im Kleingarten leben Zauneidechsen, Frösche und viele Schmetterlinge. Wenn man jede Oase versiegelt, gibt es irgendwann keine Vielfalt mehr“, sagt der Vorstandsvize. „Die Stadt Heidenau sollte doch eigentlich daran interessiert sein, seinen Bürgern eine grüne Lunge zu bieten.“

Steffen Donnerhack (re.), Vorstände des Gartenvereins "Schöne Aussicht" Quelle: Junes Semmoudi

Anderthalb Jahre Stillschweigen

Eine Odyssee der besonderen Art erlebt derweil der Kleingartenverein „Deutsche Reichsbahn An der Güterbahnhofstraße“ in Heidenau: Bereits am 1. Dezember 2016 hat der Vorbesitzer, die Bahn-Landwirtschaft, die Gartenfläche mitsamt aller 72 Parzellen an eine Immobiliengesellschaft aus Regensburg verkauft. Doch erst im Mai dieses Jahres erfuhren die Kleingärtner davon. „Es ist mir noch immer ein Rätsel, warum der Vorbesitzer erst nach anderthalb Jahren sein Stillschweigen gegenüber uns Kleingärtnern bricht“, sagt Jörg Schubert, Vorsitzender des Gartenvereins. „Natürlich verängstigt das die Vereinsmitglieder.“

So halten sich auch in der KleingartensparteDeutsche Reichsbahn An der Güterbahnhofstraße“ hartnäckig Gerüchte: Der neue Besitzer wolle eine Wohnsiedlung oder gar einen Solarpark auf der Gartenfläche bauen, heißt es etwa. „Wir machen uns jetzt aber wegen solcher wilden Spekulationen nicht verrückt. Mit der Immobiliengesellschaft haben wir bereits den Kontakt aufgenommen und besprechen derzeit die gegenseitigen Interessen sowie die Grundlagen für die Zahlung der Pacht“, erklärt Schubert. Sollten die Verträge in absehbarer Zeit abgeschlossen werden, könnte wieder Ruhe einkehren – zumindest in einem der betroffenen Kleingärten im Raum Heidenau.

Von Junes Semmoudi

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