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Umland Hausgeschichten im Heimatmuseum Maxen
Region Umland Hausgeschichten im Heimatmuseum Maxen
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20:07 11.03.2020
Alte Postkarte: Gruß vom Finckenfang bei Maxen. Quelle: Quelle: Museum
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Maxen

„Kein schöner Land in dieser Zeit, / als hier das unsre weit und breit, / wo wir uns finden / wohl unter Linden / zur Abendzeit, Abendzeit“, heißt es in der ersten Strophe eines alten Volksliedes. Aber so schön Linden sind, vor der Haustür machen sie mitunter auch Arbeit. Vor einem Haus in Maxen, vor dem zwei Linden standen und das deshalb Lindenhof genannt wurde, wurden immer zur Blütezeit große Äste abgesägt und die Blüten gepflückt und getrocknet. Bei der Arbeit spannte Hermann Reinhardt, der im Haus wohnte, Jahr für Jahr seine Enkeltochter mit ein – die empfand die Arbeit als mühselig, was sie wohl auch war, aber eben getan werden musste.

Der Lindenhof, der seit 1782 in mittlerweile 9. Generation in Besitz der Familie Preußker ist, ist nur eines von vielen Gebäuden, an die die kleine, unlängst eröffnete Sonderausstellung „Maxener Hausgeschichten“ im Maxener Heimatmuseum erinnert. Das Museumsteam unter Leitung von Elke Bunk hat Interessantes zum ehemaligen Spritzenhaus, zu Hühnes Drogerie, zum Lindenhof an der Straße zum Finckenfang und zu anderen Häusern zusammengetragen. „Es gab einst viele kleine Läden in Maxen, die voller Geschichte stecken und die wir entsprechend dokumentieren wollten“, sagte Bunk gegenüber den DNN.

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Das Spritzenhaus wurde auch als Gefängnis genutzt

Ein Foto zeigt das Spritzenhaus von Maxen hinter Bäumen in den 1950er-Jahren. Zeitweilig diente das Spritzenhaus auch als Gefängnis, Elke Bunks Vater zeigte ihr einmal die Gitter und ließ sie wissen: „Da kommst Du rein, wenn Du nicht parierst.“

Wie zu lesen ist, stand östlich vorm Spritzenhaus eine große Linde. Dort befanden sich die Anschlagtafel der Gemeinde und die Milchrampe für das Oberdorf. Täglich zwischen 6 und 7 Uhr wurde dort von den Bauern die Milchkannen abgestellt und das Leergut gegen Mittag dann wieder abgeholt.

Da in diesem Jahr auch der 220. Geburtstag von Friederike Serre ansteht, hat Jutta Tronicke eine Vitrine neu gestaltet, in der die wohltätige Rittergutsbesitzerin und Mäzenin, die aus einer Dresdner Kaufmannsfamilie stammte und 1817 den preußischen Major Friedrich Anton Serre geheiratet hatte, gewürdigt wird. Apartes Kleinod: Ein Kissen, das die ab 1819 auf Schloss Maxen lebende Friederike Serre um 1848 bestickt hat und das 2016 beim Umräumen für die anstehende Sanierung der Kirche gefunden wurde. „Es ist gut erhalten und wird seitdem bei Einsegnungen benutzt“, wie zu lesen ist. Friederike Serre und ihr Mann müssen großzügige Gastgeber gewesen sein, der Pianist Robert Schumann schreib 1838 der Zwickauer Verwandtschaft: „ … es fließt da alles von Freude und Reichtum über; dann kann jeder tun, was ihm eben gefällt; ich möchte gar nicht wieder fort …“

Karl May wohnte im Tempel

Auch ein Mann namens Karl May lebte mal in Maxen, allerdings nicht der bekannte Schöpfer von Winnetou und Kara Ben Nemsi, sondern ein Schuhmachermeister gleichen Namens. Er wohnte im Tempel! Da stutzt man erst mal, aber so heißt in Maxen schlichtweg der Teil des Ortes unterhalb des Pfarrhauses, der nach dem Mühlbach hin abfällt. Wie man erfährt, ist Tempel „eine in Sachsen vorkommende Flur- oder Ortsbezeichnung, meist bezogen auf eine Häufung von Häusern auf engem Raum“. Zum Tempel gehörten in Maxen 22 Familien, die die sogenannte Tempelgemeinschaft bildeten. Früher gab einmal im Jahr ein großes Tempeltreffen, bei dem bis tief in die Nacht gefeiert wurde, bevor man sich morgens dann zum Resteessen und Frühschoppen wieder einfand. Die meisten Häuser im Tempel wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut, Schlusssteine über den Eingangstüren weisen – mittels Initialen – auf den Erbauer sowie das Baujahr hin.

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Es war dann wohl Karl Mays Sohn Arthur, der 1914 das Haus Nr. 42 im Tempel übernahm. Der hat – zeitweise jedenfalls – nicht nur Schuhe angefertigt und repariert, sondern die neuen Schuhe auch verkauft. Ausgestellt waren sie, sofern es die Witterungsverhältnisse hergaben, in einem Kasten am Zaun.

Apart auch eine kleine Texttafel, in der einst gängige, heute aber kaum noch einem etwas sagende Begriffe und Maße erklärt werden. Unerzogene Kinder, das waren einst erst mal unmündige Kinder, Besessene waren keine Mitmenschen, an denen ein Exorzismus praktiziert hätte werden müssen, sondern einfach Besitzende. Häusler waren Einwohner, die über keinen Landbesitz verfügten, während Hüfner Bauern waren, die (mindestens) eine Hufe Land ihr eigen nannten. Die Größe der Hufen variierte in Deutschland. Für Sachsen galt: 1 Hufe Land = 60 Morgen = 166027 Quadratmeter = 16,6027 Hektar. Noch Fragen?

Das Heimatmuseum Maxen in der Maxener Straße 71 ist bis Jahresende jeden Sonntag von 13-16 Uhr geöffnet. Die 14 ehrenamtlichen Mitarbeiter freuen sich sehr auf viele Besucher in den vier Ausstellungsräumen, in denen auch über vieles andere informiert wird. Der Eintritt ist frei – um eine Spende wird gebeten. Kontakt: museum@heimatverein-maxen.de oder Tel. (0179) 2421518 (Jutta Tronicke) www.heimatverein-maxen.de

Von Christian Ruf