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Umland Halbzeitbilanz für den Citybus Pirna fällt nüchtern aus
Region Umland Halbzeitbilanz für den Citybus Pirna fällt nüchtern aus
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14:42 20.08.2018
Zwei Jahre lang testet die Stadt Pirna gemeinsam mit der Oberelbischen Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz (OVPS) den Citybus. Quelle: Foto: Daniel Förster
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Pirna

Der bunt beklebte Mercedes Sprinter verlässt pünktlich um 10 Uhr den Bahnhofsvorplatz in Richtung Altstadt. Auf der Anzeige über der Windschutzscheibe flimmert der gelbe Buchstabe „C“. Fahrgäste sind nicht an Bord. Der Fahrer hat den Citybus für sich allein, wie so oft schon im vergangenen Jahr.

Seit nunmehr zwölf Monaten tourt der Citybus durch die Pirnaer Innenstadt, die Testphase ist bereits zur Hälfte vorbei. Am Donnerstag wird der Zwischenstand im Stadtentwicklungsausschuss evaluiert. Die Bilanz lässt zu wünschen übrig.

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Nur 1,5 Insassen pro Stadtrunde

Im Durchschnitt nutzen täglich 24 Fahrgäste den Citybus, besagt eine aktuelle Statistik der Oberelbische Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz (OVPS). Auf jeder Innenstadt-Tour fahren folglich nur 1,5 Personen im Kleinbus mit – plus Fahrer. Im Monat März lag der durchschnittliche Wert sogar lediglich bei 0,9 Personen. Dabei bietet das Wageninnere Platz für 15 Fahrgäste, zudem gibt es einen Rollstuhlplatz.

„Das Linienangebot ist speziell aus Touristen, ältere Menschen, Behinderte oder Familien mit Kinderwagen zugeschnitten. Doch leider fährt der Citybus bislang am Bedarf und an seiner Zielgruppe vorbei“, sagt Rolf Bäns von der Seniorenvertretung der Stadt Pirna. „Bei all dem Geld, das in den Citybus investiert wird, müsste er deutlich mehr Fahrgäste haben.“

Dabei hat sich die Seniorenvertretung in jüngster Vergangenheit dafür stark gemacht, die Mängel der Buslinie C zu beheben. So hat die Gruppe um Rolf Bäns erreicht, dass die Mitfahrt seit diesem Jahr nicht mehr 2,30 Euro, sondern nur noch 1,50 Euro kostet. Dank engagierter Seniorenvertreter hält der Mercedes-Bus zudem nicht mehr am Zentralen Omnibusbahnhof, sondern direkt auf dem Bahnhofsvorplatz. So können Bahnreisende direkt in den Citybus umsteigen, um in die Altstadt zu gelangen.

Geändert hat das kaum etwas am dauerhaften Leerstand im Stadtbus, und auch die zahlreichen Werbekampagnen der Stadt haben bislang nicht die gewünschte Wirkung erzielt. „Das ist eine Katastrophe, wenn man es so nennen darf“, meint Ludwig, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion. „Momentan ist nicht zu erkennen, dass der Citybus den Nutzen bringt, den die Stadt sich erhofft hat. Es ist ein wirtschaftlicher Verlust eingetreten, der nicht mehr rückgängig zu machen ist.“

Rathaus und OVPS halten am Projekt fest

Rund 183 000 Euro lässt sich die Stadt das zweijährige Citybus-Projekt kosten. Der Testlauf soll die Buslinie eigentlich auf eine dauerhafte Etablierung ab nächstem Sommer vorbereiten. Im kommenden Jahr entscheidet der Stadtrat dann über weiteren den Verbleib des Kleinbusses. Dass die Fraktionen einem Dauerbetrieb ohne jegliche Änderungen zustimmen, ist angesichts der Fahrgastzahlen unwahrscheinlich. „Es wäre falsch, den Citybus ohne Rücksicht auf Verluste nach der Testphase weiterfahren zu lassen“, sagt Ludwig. „Zumindest dann, wenn sich an der aktuellen Situation nichts ändern sollte.“

Stadtverwaltung und OVPS warnen jedoch davor, das Projekt Citybus vorschnell als gescheitert zu betrachten. Das Rathaus weist darauf hin, „dass die Etablierung einer neuen Buslinie nicht innerhalb weniger Wochen und Monate gelingen kann.“ Deshalb sehe man vorerst keinen Änderungsbedarf. „Die Stadt Pirna empfiehlt in Abstimmung mit der OVPS, die aktuelle Linienführung, die Taktung und die Fahrtzeiten weiterhin beizubehalten“, sagt Stadtsprecher Thomas Gockel.

Die Stadtverwaltung möchte lediglich prüfen lassen, ob die Haltestelle Badergasse/Markt an die Südostecke des Marktes oder den Eingang der Schloßstraße verlegt werden könnte. Diese Maßnahme soll den Citybus noch zentraler ins Blickfeld rücken, heißt es aus dem Rathaus.

Wenig Spielraum für Änderungen

Eins ist unbestreitbar: Der Citybus polarisiert. Die Pirnaer Bürger beteiligen sich rege an der Debatte, sie geben Hinweise und Änderungsvorschläge. Seit der Citybus durch die engen Gassen der Innenstadt tourt, wurden 22 Ideen und Wünsche bei der Stadtverwaltung eingereicht. Doch fast alle Vorschläge haben die Verkehrsplaner der OVPS und die Mitglieder der Fachgruppe Stadtentwicklung zurückgewiesen. Viele Punkte seien nicht so leicht umzusetzen, begründet Gockel.

Die Seniorenvertretung wünscht beispielsweise, dass bestimmte Stadtgebiete in die Linienführung integriert werden. So etwa der Friedhof an der Dippoldiswalder Straße oder das Seniorenheim an der Einsteinstraße. Der Citybus darf allerdings nicht auf Straßen verkehren, die bereits von anderen Buslinien angefahren werden. „Der Sondertarif kann nur angeboten werden, wenn durch den Citybusbetrieb keine Konkurrenzsituation zu anderen Buslinien entsteht. Damit ist die Routenführung des Citybusses nur innerhalb der Altstadt möglich“, erklärt Gockel. Auch bei der Taktung gebe es nur wenig Spielraum. Der vertraglich festgelegte Halbstundentakt sei im Fall einer Streckenverlängerung nicht einzuhalten, heißt es von der Stadt. Und ein zweiter Citybus ist im Finanzplan nicht vorgesehen.

Die Kultur- und Tourismusgesellschaft prüft derzeit, wir der Bus bei Touristen und Bürgern künftig noch stärker ins Bewusstsein gerückt werden kann. Unter anderem steht diesbezüglich das Angebot einer „fahrenden Stadtführung“ an Bord des Citybusses im Raum. Rolf Bäns hofft, dass die neuen Ansätze wirken und der kleine Linienbus im nächsten Jahr besser angenommen wird. Denn in puncto Inklusion, davon ist der Seniorenvertreter überzeugt, leiste der Citybus einen wesentlichen gesellschaftlichen Beitrag.

Von Junes Semmoudi

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