Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Umland Haie – einst in der Lausitz daheim, jetzt zu Besuch
Region Umland Haie – einst in der Lausitz daheim, jetzt zu Besuch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:35 24.04.2019
Kurator Jens Czoßek präsentiert einen prähistorischen Haizahn. Quelle: Foto: Uwe Menschner
Anzeige
Kamenz

Was haben Haie mit der Lausitz zu tun? Mehr, als man denken mag. „Vor 80 Millionen Jahren bildete unsere Region eine Insel inmitten eines tropischen Meeres, in dem es von Haien nur so wimmelte“, weiß Jens Czoßek. Eigentlich arbeitet er am Museum der Westlausitz Kamenz als Geologe; doch für die neue Sonderausstellung zum Thema „Haie – Räuber seit Jahrmillionen“ schlüpft Czoßek als Kurator in die Haut eines Zoologen. „Wobei die Grenzen angesichts des Gegenstands der Ausstellung fließen, denn bei der Beschäftigung mit den Haien sind auch geologische Fachkenntnisse gefragt“, wie die Leiterin der Einrichtung, Friederike Koch-Heinrichs, weiß.

Denn: Hai-Fossilien, insbesondere die Zähne der Raubfische, gelten als „Marker“ für die Bestimmung des Alters von Sedimenten – „so verknüpfen sich Biologie und Geologie miteinander“, betont Czoßek. Das kann schon einmal zu Datierungen von bis zu 400 Millionen Jahren führen, denn so lange gibt es bereits Haie auf der Erde.

Anzeige

Haie haben nicht nur die Dinosaurier (vor 235 bis 66 Millionen Jahren) kommen und gehen gesehen, sie waren auch schon da, als sich vor etwa 355 Millionen Jahren die ersten Insekten entwickelten. Bis heute gelten Haie aufgrund ihrer weiten Verbreitung und Artenvielfalt als Erfolgsmodelle der Evolution und haben dennoch mit einem miesen Image als „Killer“ zu kämpfen. „Dabei sterben pro Jahr weltweit nur etwa zehn Menschen infolge von Haiattacken, und das auch noch zumeist aufgrund von eigenem Fehlverhalten“, wie Czoßek erklärt. Denn Menschen stellen für Haie keine Beute dar, sondern „einfach nur eine Kuriosität, mit der sie nicht viel anfangen können.“ Anders herum hingegen ist der Mensch für den Hai die wohl größte Bedrohung seit Bestehen der Tierfamilie. Die Meeresforscherin Sylvia Earl formulierte es einmal so: „Du solltest Angst haben, wenn du in einem Meer schwimmst, in dem es keine Haie gibt.“

Doch wie kommen die Haie nun nach Kamenz? „Es handelt sich um eine vom Naturhistorischen Museum Schleusingen in Thüringen gestaltete Wanderausstellung, die nach Stationen in Chemnitz, Magdeburg und Braunschweig jetzt ins Museum der Westlausitz gekommen ist“, informiert Koch-Heinrichs. Die Ausstellungsstücke stammen von Fundorten in der ganzen Welt, beispielsweise der Abguss eines Unterkiefers aus Russland, Zähne und Wirbel aus Marokko oder das Gebiss eines Schwarzhais von den Philippinen. Einige kommen aber auch aus der unmittelbaren Nachbarschaft, wie zwei Haizähne, die in der Nähe von Dresden gefunden wurden. „Auch aus dem Schotter des früheren Elbtals bei Ottendorf-Okrilla sind solche Funde bekannt“, weiß Czoßek.

Freilich will das Museum der Westlausitz mit seiner neuen Ausstellung nicht nur unterhalten, sondern auch bilden. „Wir haben entsprechende Angebote für alle Altersgruppen konzipiert“, betont Leiterin Koch-Heinrichs. Zum Begleitprogramm zählen Vorträge zu Haien der Früh- und der Jetztzeit sowie spezielle Führungen für Kinder zum Weltkindertag und zum Welttag des Meeres.

Bis 17. November dieses Jahres (Di. bis So. sowie an Feiertagen 10-18 Uhr). Informationen zum Begleitprogramm unter www.museum-westlausitz/programm-bildung.

Von Uwe Menschner