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Umland „Giganten aus Stahl“ werben für Geopark in Dorfhain
Region Umland „Giganten aus Stahl“ werben für Geopark in Dorfhain
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09:34 24.04.2020
21.04.2020, Sachsen, Dorfhain: Jens Jähnig, Chef der gemeinnützigen Stiftung Georado, sitzt auf seinem Firmengelände in einem «Mercedes SLR 300 Uhlenhaut Coupe», gefertigt aus Altmetall. Quelle: Robert Michael/dpa
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Dorfhain

Sachsen ist steinreich, wenn auch nur im übertragenen Sinne. Doch Bergbau hat einst den Wohlstand des Landes begründet und geologisch gesehen ist der Freistaat noch heute ein Paradies oder auch Eldorado. Noch längst sind hier nicht alle Schätze gehoben, beispielsweise in der Region des Tharandter Waldes zwischen Dresden und Freiberg. Seit 2016 kümmert sich eine gemeinnützige Stiftung namens Georado darum, der landschaftlich reizvollen Gegend wieder mehr Leben einzuhauchen - mit Bildung, Forschung, Kunst und auch einem geplanten Geopark.

Gesteine aus nahezu jedem Erdzeitalter

„Wir wollen etwas für diese Region tun. Denn touristisch gesehen sind wir abgehängt“, sagt der Unternehmer und Stifter Jens Jähnig. Der Tharandter Wald könne es nun mal nicht mit der Sächsischen Schweiz oder dem Elbland aufnahmen. Dennoch habe man eine ganze Menge zu bieten. Jähnig verweist auf die geologische Fülle des Gebietes. Gesteine aus nahezu jedem Erdzeitalter und alle Hauptgesteinstypen der Erde seien wie in einem Bilderbuch versammelt, ein Geotop reihe sich an das andere. Mit Georado solle eine geotechnische Erlebniswelt entstehen, die Wirtschaft, Tourismus und Kunst verbindet.

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Dabei ist der Name der Stiftung nicht nur an das sagenhafte Goldland Eldorado angelehnt. Bis zur Wende gab es in der Gemeinde Dorfhain das Unternehmen Elrado - Elektro- und Radiozubehör Dorfhain. Der Betrieb mit rund 2400 Beschäftigten sponserte das Leben in der Region, Ferienlager, Sportstätten und die Kultur. Jähnig ist in Dorfhain aufgewachsen, sein erstes Lebensdrittel spielte sich im Dunstkreis von Elrado ab: „Von der Zuckertüte bis zum ersten Kuss geschah alles im Sozialgebäude von Elrado.“ Dem Werk ist nun ein Museum gewidmet, die Stiftung unterstützt es.

Schnittmenge zwischen Bildung, Forschung, Umwelt und Kunst

Ein Herzstück des Projekte ist der Geopark. Der Stiftung schweben etwa geologische Lehrpfade, thematisch geführte Wanderungen, Fachexkursionen oder Projekttage vor. Derzeit gibt es in Deutschland 16 Geoparks - von den Regionen Schwäbische Alb über Kyffhäuser bis hin zum Schieferland oder zur Vulkaneifel. Einige Geoparks sind länderübergreifend, Sachsen hat gemeinsam mit Brandenburg den Park Muskauer Faltenbogen. Sie alle haben steinerne Sehenswürdigkeiten, die Einblicke in die Erdgeschichte geben. „Sachsens Mitte“ braucht bis zur Zertifizierung noch Zeit, bekommt dann ein Gütesiegel.

„Giganten aus Stahl“ in Dorfhain

Die definierten Leitlinien für nationale Geoparks sehen eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Entwicklung der Region unter Wahrung, aber auch Nutzung des erdgeschichtlichen Erbes vor, heißt es auf der Webseite der Georado-Stiftung. Die Schnittmenge zwischen Bildung, Forschung, Umwelt und Kunst will Jähnig in den Mittelpunkt seiner Arbeit als Stifter stellen. Er verstehe Georado als Schwungrad für eine Regionalentwicklung. Die Liste der Vorhaben ist lang und reicht von einem Seminarzentrum über Werkstätten bis einer Dauerausstellung.

Unter dem Namen „Geoart“ ist ein Netzwerk aus Künstlern, Kunstfreunden und Unterstützern entstanden. Jähnig spricht von Begegnungen zwischen Kunstschaffenden und ihrem Publikum. Mit Geoart soll man praktisch Kunst im Moment ihres Entstehens erleben können. Die Übergänge zwischen Wissenschaft, Bildung, Natur, Kultur und Kunst fließend sind, beschreibt der 54-Jährige das Anliegen der Stiftung. Auch der Nachwuchsförderung will man sich widmen. Eine „Geoallianz“ soll Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen, Hoteliers genauso eingebunden sein wie andere Dienstleister der Region.

Jähnig ist quasi der Außenminister von Dorfhain

Olaf Schwalbe, Bürgermeister der 1100-Seelen-Gemeinde Dorfhain, ist glücklich über das Engagement. Jähnig sei eine Art Außenminister von Dorfhain und mache den Ort eines Tages vielleicht sogar weltweit bekannt. Der Bürgermeister hofft darauf, dass die Corona-Krise keinen Strich durch die Rechnung macht und die Vollendung des Geoparks nicht über Gebühr hinauszögert. Wenn das in zwei Jahren gelinge könnte, würde er ein „Hallelujah“ anstimmen.

Vom Coronavirus wollen sich die Macher aus Dorfhain nicht ausbremsen lassen. Mitte Mai wollte Jähnig, der eine Firma für Felssicherung und Spezialtiefbauarbeiten betreibt, einen „Geotechnischen Praxistag“ veranstalten. Da das wegen der verordneten Einschränkungen nicht möglich ist, hat er kurzerhand ein digitales Messekonzept erstellt.

Doch auch vor Ort gibt es einen Hingucker. Aus Norddeutschland hat Jähnig „Giganten aus Stahl“ geholt - Skulpturen aus Altmetall von Armin Cieselski und Steffi Glück. Ganz nebenbei werben sie für ein Projekt, das aus Dorfhain wieder ein kleines Eldorado machen soll.

Von Jörg Schurig/dpa