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Umland Für mehr Show auf der Felsenbühne
Region Umland Für mehr Show auf der Felsenbühne
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16:26 20.06.2019
Blick aus Richtung Zuschauerrängen: Das Modell zeigt das neue Funktionsgebäude mit Bühnenbereich und Orchesterpavillon.
Blick aus Richtung Zuschauerrängen: Das Modell zeigt das neue Funktionsgebäude mit Bühnenbereich und Orchesterpavillon. Quelle: Foto: meyer-bassin und partner
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Rathen

Ob „Winnetou I“ oder „Der Freischütz“ – Klassiker der Landesbühnen Sachsen sind nur noch in dieser Spielzeit in der jetzigen Inszenierung auf der Felsenbühne Rathen zu erleben. Denn nach dem Saisonfinale wird die Naturbühne zur Baustelle. Zunächst stehen ab September die Arbeiten am letzten Bauabschnitt beim Zugangsweg durch den Amselgrund an. Ab Anfang 2020 lassen die Landesbühnen dann ein neues Funktionsgebäude errichten sowie die Bühne modernisieren. Im April 2022 sollen die Bauarbeiten beendet sein. „Wir machen die Felsenbühne zukunftsfähig mit mehr0 Qualität beim optischen und akustischen Erlebnis für die Besucher“, sagt Landesbühnen-Intendant Manuel Schöbel. Rund 14,2 Millionen Euro an Baukosten sind dafür veranschlagt.

Vom Besucher-WC über Künstlergarderoben bis hin zu Lager für Technik und Requisiten – die verschiedenen Funktionen, die für den Spielbetrieb auf einer Freilichtbühne vonnöten sind, verteilen sich derzeit auf mehrere Gebäude, die in den 1930er, 1950er, 1970er und 1990er Jahren gebaut wurden. Aufgrund des Verschleißes und der Abnutzung sowie aus Brandschutzgründen reifte bei den Landesbühnen bereits im Jahr 2008 die Idee, das rund 1800 Zuschauer fassende Freilichttheater auf den Stand der heutigen Zeit zu bringen. „Die zehnjährige Vorbereitungszeit mündet nun in die Realisierungsphase“, sagt Schöbel.

Mit der Planung beauftragten die Landesbühnen das Architekturbüro von Lür Meyer-Bassin, das bereits Verantwortung bei der Erweiterung und Sanierung des Stammhauses in Radebeul trug. Sein Entwurf sieht einen zweigeschossigen Bau an der Stelle der jetzigen Funktionsgebäude vor. Was von deren Bausubstanz noch intakt ist, wird in den Neubau integriert. Das Erdgeschoss wird massiv aus Stahlbeton und das Obergeschoss als Holzkonstruktion hergestellt. Das Gebäude bekommt ein gewelltes Gründach. Es beherbergt neben den Sanitäranlagen eine Küche für die Pausenversorgung des Publikums, Garderoben für Künstler, eine Kantine für Mitarbeiter, Räume für Maske, Kostüme und Requisiten sowie Lager- und Technikräume. Das neue Funktionsgebäude werde mehr als das doppelte Volumen an Baumasse im Vergleich zu den jetzigen Bauten haben, informiert Meyer-Bassin.

Zum Bauvorhaben gehört auch eine umfassende Neugestaltung des Bühnenbereichs. Wegen der Hangneigung im Wehlgrund mit einem Höhenunterschied von rund fünf Metern, verschwindet in Richtung Zuschauerrängen die untere Etage des Funktionsgebäudes im Boden und bildet die Unterbühne. Das Obergeschoss grenzt mit einem überdachten Orchesterpavillon an die Bühnenfläche an. So können die Zuschauer künftig die Musiker nicht nur hören, sondern auch sehen. Der Orchestergraben verschwindet. Damit rücken Reiter und Kutschen bis zur Rampe und so näher an das Publikum heran. Die Reitwege werden verbreitert, was rasantere Stunts möglich macht. Zur Ausstattung gehört auch eine Hubbühne, mit der Schauspieler oder Bühnenbilder verschwinden oder plötzlich auftauchen. Mit der modernen Bühnentechnik können die Landesbühnen mehr Show auf die Felsenbühne bringen.

Während der Bauzeit in den nächsten beiden Sommern spielen die Landesbühnen im Interim: In Rathen wollen sie am Elbufer ein Theaterzelt aufbauen.

Von Silvio Kuhnert