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Umland „Für ein demokratisches Wir-Gefühl“: Robert Habeck besucht Uhrenmanufaktur Nomos
Region Umland „Für ein demokratisches Wir-Gefühl“: Robert Habeck besucht Uhrenmanufaktur Nomos
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17:24 14.03.2019
Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, begutachtet Armbanduhren von Nomos Glashütte. Quelle: dpa
Glashütte

Als es im August 2018 in Chemnitz zu einem Streit zwischen Asylbewerbern und Deutschen kam, bei dem ein Mann durch Messerstiche tödlich verletzt wurde, war ein syrischer Asylbewerber rasch als mutmaßlicher Täter ermittelt. Danach gab es tagelang rechtsextreme Aufmärsche und gewaltsame Auseinandersetzungen mit Demonstranten und Polizei. Chemnitz geriet weltweit in die Schlagzeilen, die Stadt wurde zu einem Sinnbild für Fremdenhass und Rassismus in Sachsen, im Osten.

Es war die Uhrenmanufaktur Nomos in Glashütte, die sich damals und seitdem mit politisch klaren Worten einmischte. „Da war eine Grenze überschritten, das konnte man nicht so stehen lassen“, sagte am Donnerstag Vorstandsmitglied Judith Borowski. Die Firma veranstaltet seitdem freiwillige Workshops für die Mitarbeiter, hat sich immer wieder deutlich zu diesen Fragen positioniert, nennt auch gesellschaftliches Engagement und den Einsatz für Demokratie als wesentlichen Teil der Unternehmenskultur.

Das alles hatte Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Grüne, bewogen, am Donnerstag zu einem Besuch zu Nomos nach Glashütte zu kommen. Natürlich war dabei auch das Erstarken der AfD und rechtsextremer, nationaler Bewegungen gerade im Osten ein Thema – und das Beispiel Glashütte: dank der fulminanten Uhrenindustrie einer der wohlhabendsten Orte im Osten, aber auch mit einem AfD-Anteil von rund 40 Prozent bei der letzten Wahl.

Da sei ein Motiv, das ihm einleuchte, sagte Habeck: „Die Unzufriedenheit – die einen haben viel, die anderen gar nichts.“ Außerdem gab er zu, dass es den Grünen wie den anderen Parteien „nicht gelungen ist, eine ostdeutsche Identität anzunehmen – diese Kritik nehme ich an.“ Ziel müsse es sein, „eine Art demokratisches Wir-Gefühl zu erreichen“. Daran arbeitet auch Nomos mit seinen Aktivitäten. „Ohne Demokratie und Freiheit gäbe es uns hier nicht“, erinnerte Roland Schwertner. Er hatte die Firma 1990 kurz nach der Wende gegründet. Auch deshalb trete Nomos für diese Werte ein. Man hätte sich allerdings gewünscht, dass nach Chemnitz auch andere Firmen sich stärker artikuliert hätten. „Wir fühlen uns etwas alleingelassen“, konstatierte Judith Borowski.

Das politische, gesellschaftliche Engagement der Firma verkörpert ganz praktisch auch Geschäftsführer Uwe Ahrendt, Er ist seit 20 Jahren für die CDU im Glashütter Stadtrat und kandidiert jetzt bei den Kommunalwahlen im Mai wieder – allerdings das erste Mal für die Grünen. Eine Premiere erlebte am Donnerstag auch Robert Habeck: Es sei sein erster Besuch überhaupt in einer Uhrenmanufaktur, sagte er; und eine Führung durchs Werk gehörte natürlich auch dazu.

Von Bernd Hempelmann

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