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Umland Fünfkinderstein und andere aparte Zeugnisse des Glaubens in Lommatzsch
Region Umland Fünfkinderstein und andere aparte Zeugnisse des Glaubens in Lommatzsch
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09:03 23.09.2019
Unterer Teil von einem der Glasfenster, das, wie die Inschrift bezeugt, einst von Richard Illing aus Dresden gestiftet wurde. Quelle: Christian Ruf
Lommatzsch

Es ist ein altes Lied, ungemein populär in den Gefilden südlich des Erzgebirgskamms. Selbst die Hussiten stimmten auf ihren Kriegszügen„Heiliger Wenzel, Herrscher des böhmischen Landes …“ an, obwohl sie eigentlich die „Heiligen“ der Papstkirche ablehnten. Und während in Böhmen an Kirchen, die dem Heiligen Wenzel geweiht sind, kein Mangel ist, sind sie in hiesigen Breiten doch eher selten.

Wurzen weist eine auf, auch Naumburg. Und dann wäre da Lommatzsch, wo bereits vor 1190 eine Wenzel geweihte Kirche bestand, wobei der heutige Bau zwischen 1504 und 1514 als spätgotische dreitürmige einschiffige Kirche errichtet wurde, nachdem die Hussiten im Glaubenseifer mal wieder den Vorgängerbau samt der keinen antihussitischen Schutzwall, sprich Stadtmauer, aufweisenden Stadt zerstört hatten.

Markant: der querrechteckige Westturm

Baumeister war Peter Ulrich (genannt Meister Peter), der vermutlich aus Heilbronn stammte und maßgeblich in den Bau der spätgotischen Hallenkirchen St. Marien in Pirna und St. Annen in Annaberg involviert war. Ein Pirnaer war es auch, nämlich der Bildhauer Heinrich Schneider, der den Taufstein schuf, wobei der gar nicht so alt ist, wie er ausschaut. Der Taufstein stammt von 1900/01 und ist eine Nachbildung eines Taufsteins aus der Renaissance nach einer Entwurfszeichnung von Theodor Quentin.

Alles in allem vier Engel entzücken am Fuß des Taufsteins, geschaffen vom Pirnaer Heinrich Schneider. Quelle: Christian Ruf

Markant für die Silhouette ist der querrechteckige Westturm, der mit drei nadelspitzen schiefergedeckten Helmen schließt und damit an thüringische Kirchen wie zum Beispiel die Severikirche in Erfurt erinnert. Dieser in hiesigen Gefilden unkonventionelle Abschluss entstand 1523 und wurde mehrfach erneuert, wie die Wetterfahnen mit den Jahreszahlen 1851 und 1971 beweisen. In den Jahren 1852 bis 1854 wurde das Innere der Kirche im populären neogotischen Stil umgebaut. Ernst Hermann Arndt aus Dresden leitete als Baumeister diesen Umbau, die künstlerische Beratung übernahm der Malereivorsteher der kgl. Porzellan-Manufaktur Meissen, Carl Samuel Scheinert. Der war es auch, der 1862 ein Abendmahlsbild schenkte, das in der Predella des Altars angebracht wurde.

Innenraum mit dem hochbarocken Altar. Die dezent farbig gefasste Kanzel wurde 1619/20 geschaffen. . Quelle: Christian Ruf

Sehenswert im Innern sind auf alle Fälle die Kanzel (1619), die bunten Glasfenster (von denen eines von Richard Illing aus Dresden gestiftet wurde, wie auch inschriftentechnisch bezeugt wird) und eine Reihe von Grabdenkmalen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, als da wäre etwa die Grabplatte für Johannes Kaulpersch, der am 15. Juni 1614 in Lommatzsch starb. 24 Jahre lang war dieser Mann Bürgermeister gewesen, außerdem seit 1580 Mitglied der renommierten Kantoreigesellschaft. Was Grabmale anging, barg St. Wenzel einige Überraschungen. Bei Bauarbeiten im Jahr 2007 wurden doch glatt neun Grabplatten unter einer Betonschicht im Altarraum gefunden und in der Kirche aufgestellt.

Äußerst ungewöhnlich – die Geburt von Fünflingen

Und dann wäre da der Fünfkinderstein, von dem in einer Chronik berichtet wird: „Anno 1688 d 25 Junii hat Fr. Maria Samuel Kühnens Bürgers und Kürschners in der Meißnischen Gasse Eheweib 5 Kinder auf einmahl innerhalb rund halben Tages als 3 Söhne und 2 Töchter zur Welt gehohrn abgelegt.“ An sich hatte man mit Zwillingen gerechnet, 1683 hatte es in dem damals gerade mal 1150 Einwohner zählenden Städtchen innerhalb eines Jahres zweimal Zwillinge gegeben, wie auf einer Tafel zu lesen ist.

Der an eine Mehrlingsgeburt erinnernde Fünfkinderstein aus dem 17. Jahrhundert ist heute in der Brauthalle zu finden. Quelle: Christian Ruf

Die im Beisein einer Hebamme entbundenen Fünflinge von Lommatzsch sind einer der ersten genauer dokumentierten Fälle einer höhergradigen Mehrlingsgeburt. Ein Kind verstarb gleich nach der Geburt, zwei weitere nach zwei Tagen. Das vierte Kind lebte etwa sechs Tage und das letztgeborene verstarb im Alter von acht Wochen. Dieses Ereignis war für damalige Zeiten derart ungewöhnlich, dass der sächsische Kurfürst Johann Georg III. in einem Brief darüber unterrichtet wurde.

Dann wäre da die Orgel, bei der ein Orgelbaumeister aus Dresden zum Zuge kam, nämlich Johann Christian Kayser, der ab 1809 mit seinen Söhnen eine 1814 eingeweihte Königin der Instrumente schuf. Die neue Orgel war nötig geworden, weil im Siebenjährigen Krieg, als die Kirche zeitweise von den Preußen als Getreidespeicher genutzt wurde, die alte Orgel schwer gelitten hatte.

Metallspende aus Orgelpfeifen für den Kriegsgewinn

Um eine Einheit von Orgel und Altar zu erzielen, wurde 1886 ein neuer Orgelprospekt eingebaut. Um den (trotz allen Einsatzes dann doch ausbleibenden) Sieg im Völkerringen 1914/18 zu erringen, opferte man 1917 insgesamt 29 Prospektpfeifen aus Zinn. Auf 158 Kilo belief sich das Gewicht dieser „Metallspende“ für die Kriegswirtschaft. Die entstandenen Lücken im Orgelprospekt konnten erst 1931 durch eine Neugestaltung nach einem Entwurf des Dresdner Architekten Adolf Fischer-Guhrig geschlossen werden.

Apart auch der Altar, der vom Dresdner Hofbildhauer Paul Heermann geschaffen und am 27. Juni 1714 geweiht und seiner Bestimmung übergeben wurde. Dieser sogenannte Himmelfahrtsaltar zeigt in einem architektonischen Rahmen mit Säulen und einem Gesims die Auferstehung Christi und zwei Apostel als vollplastisches Relief, flankiert von zwei Engelsfiguren, darüber das Auge Gottes mit Wolken und Strahlenkränzen.

An Leben und Wirken Heermanns erinnern diverse Texttafeln. Heermann war selbstständiger Bildhauer bei Balthasar Permoser am Zwinger in Dresden, wo er verschiedene Plastiken schuf, darunter die Darstellung des Urteils des Paris am Wallpavillon, den Flötenspieler am Kronentor sowie diverse Hermen, also an einem Pfeilerschaft aufgesetzte Köpfe samt Schultern. Im Jahr 1732 wurde Heermann zum Hofbildhauer am sächsischen Hof ernannt. Er arbeitete auch als Holzbildhauer und Restaurator antiker Plastiken. Ebenso ist eine Mitarbeit für Johann Friedrich Böttger ab 1708 belegbar. 1701 schuf Heermann verschiedene Elfenbeinfiguren für das berühmte „Goldene Kaffeezeug“ Augusts des Starken.

Was das Privatleben angeht: Paul Heermann heiratet am 30. Juni 1705 in der Dresdner Dreikönigskirche Anna Elisabeth Barth, die älteste Tochter die Königlichen und Churfürstlichen Freigießers Michael Barth. Sieben Kinder (fünf Jungen und zwei Mädchen) gingen aus der Ehe hervor. Am 16. Mai 1714 wurde Heermann als Bürger im Bürgerbuch der Stadt Dresden vermerkt, 1723 wurde er als Hausbesitzer in Dresden-Neustadt aufgeführt. Nach dem Tod des Hofbildhauers Balthasar Permoser 1732 bekam Heermann den Titel eines Hofbildhauers. Nachdem er am 22. Juni 1732 verstorben war, setzte man seinen Leichnam auf dem Friedhof der Dreikönigskirche bei.

Von Christian Ruf

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