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Umland Festung Königstein zeigt Ausstellung über Zeit als Jugendwerkhof
Region Umland Festung Königstein zeigt Ausstellung über Zeit als Jugendwerkhof
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14:02 05.04.2019
Festungs-Chefin Angelika Taube (l.) und Museumspädagogin Maria Pretzschner thematisieren die Vergangenheit der Festung als Jugendwerkhof Quelle: Foto: M. Förster
Königstein

„Wir kamen von der Hölle (Strafvollzug Waldheim) ins Paradies (Jugendwerkhof Königstein).“ „Viele waren froh, hier zu sein. “ „Es gab welche, die geflüchtet sind.“ Unterschiedlicher könnten die Zitate, die im Eingangsbereich der neuen Sonderausstellung auf der Festung Königstein zu lesen sind, kaum sein. Es geht um den Jugendwerkhof, der von 1949 bis 1955 auf der Festung untergebracht war.

Insgesamt sollten in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR etwa 70 Jugendwerkhöfe schwer erziehbare und straffällig gewordene Jugendliche zu „vollwertigen Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft“ umformen. In Sachsen gab es Ende 1950 exakt 20 Jugendwerkhöfe mit 1200 Plätzen.

Der Werkhof in Königstein war einer der ersten Einrichtungen seiner Art in der frühen DDR. Hierher kamen auf Geheiß von Justiz und Jugendfürsorge Jugendliche, deren Delikte als „besonders schwerwiegend“ galten. Anfangs lebten etwa 40 meist aus dem Zuchthaus Waldheim überstellte Jungen hier, später kamen auch Mädchen hinzu. Alles in allem bot die Einrichtung bis zu 200 Jugendlichen Platz.

„Disziplinierung durch Arbeit“ war das Motto in den Jugendwerkhöfen. Der schlechte Ruf rührt vor allem vom Jugendwerkhof Torgau. Königstein war etwas anders. Es hing auch vom Heimleiter ab. In den sechs Jahren, in denen der Jugendwerkhof Königstein existierte, gab es drei Heimleiter, zudem „einen vierten provisorischen“, wie Maria Pretzschner, Museumspädagogin und Kuratorin der Schau, erklärte. Der erste Heimleiter war „ein älterer Herr“, der gelassen versuchte, bei den Jugendlichen durch Überzeugungsarbeit zu punkten. Aber er floh dann in den Westen.

Diverse Installationen, Fotos, Dokumente und Objekte konfrontieren Besucher im 2. Obergeschoss der Magdalenenburg auf der Festung mit dem Alltag der Jugendlichen im Werkhof Königstein, der auch ein geschlossener war, was heißt, dass Ausgang nicht vorgesehen war. Präsentiert werden erhaltene Möbel, Arbeitsgeräte aus der Schlosser- und Tischlerwerkstatt sowie allerlei Dokumente. Heimordnung, Urkunden (etwa von einem Sportfest 1954), Zeugnisse, Berichte von Erziehern und Funktionären....

Medienstationen mit Berichten von Zeitzeugen ermöglichen einen persönlichen Zugang. Pretzschner hat mit Insassen gesprochen, aber auch mit Erziehern. Einer von ihnen räumte ein, „Es fehlte an Wärme“, eine andere Zeugin erinnerte sich: „Es fehlte an Erziehern, da mussten die Ehefrauen mitarbeiten.“ Aus 30 Interviews mit einer Gesamtlänge von gut 30 Stunden entstand ein Extrakt. Deutlich wird, dass es viele der erzwungenen Lagergemeinschaft nervte, dass es kaum Freiräume gab. „Im Gleichschritt ging es zum Frühstück. Zurückgehen konnte jeder alleine, eine Wohltat“, ließ ein Insasse Pretzschner wissen.

Letztlich wurde der Werkhof Königstein im Frühjahr 55 geschlossen, die Insassen teils entlassen, teils auf andere Werkhöfe verteilt. Grund: Die Einwohner Königssteins wie auch der Rat des Kreises Pirna drängen darauf, die Festung wieder touristisch nutzen zu können.

Öffnungszeiten: 5. April - 3. November , tgl. 10 - 18 Uhr.

Sprachen: Deutsch, Englisch, Tschechisch,

Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Eintritt im regulären Festungseintritt von 12 Euro enthalten

Internet: festung-koenigstein.de

Von Christian Ruf

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